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„DIRT: Rally“: ein Fazit sechs Monate nach Release

Als der Rallye-Titel „DIRT: Rally“ im April dieses Jahres zum Vorverkauf erschien, war die Reaktion ebenso überrascht wie verhalten; Alte Titel der Serie waren nicht gerade für ihren guten, alten Realismus bekannt und niemand hatte daher diesen Titel auf der Rechnung. Auch deshalb wählte Publisher Codemasters den Weg des „Early Access“-Titels, der in den letzten Jahren immer populärer wurde: Das Spiel wird in einer ersten spielbaren Version zu einem Einstiegspreis veräußert und dann über die Monate weiter verbessert, bis er schließlich fertig programmiert ist und zum Retailpreis und mit mehr Funktionen veröffentlicht wird. Die Erlöse aus dem Vorverkauf subventionieren dabei teilweise die weitere Entwicklung. Im Fall von „DIRT: Rally“ hat sich indes in den letzten Monaten viel getan; Grund genug, einen genauen Blick auf die Änderungen und Verbesserungen zu werfen.

Welttournee

Erstes großes Merkmal: Am Inhalt wurde sehr viel gefeilt. Fehlte es in der ersten Version noch an bekannten Rallye-Strecken wie Baumholder in Deutschland oder den finnischen Wäldern, so wurde hier mittlerweile nachgereicht. Insgesamt fünf verschiedene Lokalitäten warten mit je sechzehn verschiedenen Streckenkombinationen auf und runden das Paket der Rallye-Welttournee ab. Zusammen mit den unterschiedlichen Witterungsverhältnissen fährt sich kaum ein Rennen gleich. Aber auch der Fuhrpark wurde erweitert und bietet neue Fahrzeugkategorien wie etwa die bekannten Su-barus aus der Jahrtausendwende und mit Fahrzeugen wie dem Opel Manta oder Kadett auch neue Klassiker und Legenden aus vergangenen Tagen.

Darüber hinaus bietet der Titel mittlerweile auch nicht nur einen, sondern gleich zwei zusätzliche Spielmodi: Das jüngst eingefügte Rallyecross schlägt eher in die Kerbe vorangegangener Titel der DIRT-Serie, weil es konkrete Rennen gegen andere Fahrer auf geschlossenen Strecken darstellt. Dabei bleibt das Spiel aber auf dem Boden der Tatsachen und lässt sich nicht zu einem Arcade-Racer verführen: Auch im Rallyecross muss der Wagen erst beherrscht und gezähmt werden, bevor man von den Punkterängen träumen darf. Passend zum Motiv der Welttournee finden diese Rennen in England, Norwegen und Schweden statt, es wäre aber durchaus auch denkbar, weitere Strecken einzuspeisen.

Zu Höherem berufen

Das Motiv des weltweiten Wettbewerbs rundet ein weiteres Urgestein der Rallye-Szene ab: Pikes Peak, USA. Der legendäre Anstieg kann tatsächlich im zweiten Zusatz-Spielmodus bewältigt werden. Auch hier gilt es, unterschiedliche Tageszeiten und Witterungen zu überstehen und ganz nebenbei den speziellen Fuhrpark von ultimativ aufgemotzten PS-Monstern zu bewältigen. Und damit nicht genug: Der Höhenunterschied wirkt sich ebenfalls auf das Fahrverhalten aus. Der Turbolader zieht nicht so stark, die Bremsen lassen nach kilometerlanger Tortur nach - realistischer geht es kaum.

Damit wäre auch das Wichtigste abgeklärt: Am Spielprinzip wurde nur wenig getüftelt. Das bedeutet weiterhin ein atemberaubend schweres, realistisches Gameplay, das insbesondere mit Force-Feedback-Lenkrädern so richtig ausgekostet werden kann. Die klare Kaufempfehlung für Fans von realistischen Renn- und Rallyespielen bleibt bestehen.