LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Das Lichtspektrum lässt sich für Datenübertragung nutzen - und hat keine elektromagnetische Strahlung

Während die Datenübertragung immer schwieriger wird und alle auf 5G warten, tut sich was im Bereich des Lichts: Dessen Spektrum lässt sich nämlich nutzen, um Daten zu transferieren. Photovoltaikzellen fangen die Lichtsignale auf und verarbeiten sie weiter. Die Rede ist von Li-Fi, also „Light fidelity“. Der Begriff wurde vom deutschen Forscher Prof. Harald Haas 2011 an der Universität von Edinburgh geprägt, um die Datenübertragung auf kurzer Distanz zu umschreiben.

In Luxemburg beschäftigen sich mehrere Telecom-Anbieter, aber auch Smartphone-Hersteller und andere mit der Technologie, die als Zusatz gesehen wird. Die Tatsache, dass große Gerätehersteller wie Nokia und große Konzerne wie Orange und „Liberty Global“ die neu gegründete „Light Communications Alliance“ unterstützen, ist für Li-Fi ermutigend. Diese will international Standards und Normen setzten. Wir haben bei den Verantwortlichen nachgefragt, was so eine Technologie kann und was nicht.

„Rasches Wachstum“

Marc Fleschen setzt mit seinem Unternehmen zero.1 auf Li-Fi - Der CEO ist in Luxemburg, Frankreich und Dubai aktiv – und von Li-Fi überzeugt.

Dubai, Paris, Luxemburg: Marc Fleschens Karriere beinhaltet einige Wechsel, sowohl von Orten als auch von Tätigkeiten. 2017 gründete der Franzose in Paris zero.1, ein Start-up, das sich auf Li-Fi spezialisiert. Vergangenes Jahr verlegte er den Sitz nach Luxemburg und zog her. Mittlerweile arbeiten zwölf Mitarbeiter an drei Standorten für ihn. Die Lösung von Zero.1 wurde als Alternative zu Bluetooth-Baken für den Einzelhandel und QR-Codes für Museumsführungen eingesetzt. Das Unternehmen hat ein Plug-in entwickelt, das es Smartphone-Kameras ermöglicht, optische Signale zu empfangen. Uns hat er erzählt, was er sich von Li-Fi verspricht.

Herr Fleschen, Ihr Unternehmen bietet Dienste rund um Li-Fi an. Was steckt dahinter?

Marc Fleschen Letztlich geht es um Datenübertragung durch die Nutzung des optischen Spektrums. Als ich die Technologien gesehen habe, war mir klar, dass alles von Netzwerken abhängt. Die Bestehenden sind jetzt schon völlig überlastet, denn alle sind immer online. Aber der Datenverkehr wird ja nicht weniger, sondern mehr. Für mich ist es jedoch eine Frage der Wirkung. Nehmen wir den Pkw-Verkehr: Als die ersten Autos aufkamen, war das eine tolle Sache. Niemand hat damals mit den Problemen gerechnet, die es jetzt gibt. In 20 Jahren werden wir Schwierigkeiten mit elektromagnetischen Wellen haben. Deshalb ist es gut, jetzt etwas zu nutzen, dass diese Probleme umgeht. Li-Fi funktioniert mit etwas, das schon da ist, mit LED. Auf dem Spektrum des Lichts lassen sich Daten übermitteln.

Welche Vor- und Nachteile hat Li-Fi?

Fleschen Der Vorteil ist die große Bandbreite, durch die ein ganz neues Netz entsteht. Es erlaubt deutlich mehr Nutzer, weil es sehr dicht ist. Darüber hinaus kommt es ohne elektromagnetische Strahlung aus. Die Datenmenge, die transportiert wird, ist mit einem Gigabit hoch. Die Datenübertragung funktioniert nicht durch Mauern hindurch, das ist sehr geolokalisiert, wobei ich das nicht unbedingt als Nachteil sehe.

Sie sind mit Ihrem Unternehmen in Dubai, Paris und Luxemburg. Warum?

Fleschen Ja, wir haben unseren Sitz in Luxemburg und ich bin sogar hergezogen. Als ich die Technologie kennenlernte, war ich beruflich in Dubai in einem ganz anderen Bereich tätig. Dann habe ich 2017 in Frankreich das Start-up zero.1 gegründet. Wir sind noch im selben Jahr zum Start-up des Jahres gewählt worden. Durch Zufall wurden wir von Mitarbeitern von PwC hier in Luxemburg entdeckt. Sie haben uns über das Luxemburger Ecosystem für Start-ups erzählt. Tatsächlich ist es auch offen für industrielle Anwendungen und das hat uns gefallen. Die öffentlichen Stellen sind sehr hilfreich. In Frankreich gibt es sehr viele Start-ups und es ist alles etwas komplizierter. Jetzt sind wir seit Februar 2018 hier im „Luxembourg-City Incubator“. Unsere Standorte in Paris und Dubai haben wir behalten, um globaler aufgestellt zu sein. Die Technologie hat ja einen internationalen Anwendungsbereich, so wie 5G.

Wer sind Ihre Kunden?

Fleschen Das sind die Telekom-Anbieter wie Orange, die mit uns zusammenarbeiten. In Dubai führen wir gerade mit dem dortigen Anbieter Gespräche. Wir wollen zur Weltausstellung ab Oktober 2020 für alle Besucher Li-Fi anbieten, sechs Monate lang.

Es ist eine Allianz für Li-Fi gegründet worden. Warum?

Fleschen Wir wollen über die Technologie informieren und vor allem Standards und Normen organisieren, und zwar auf einem internationalen Niveau. In der Allianz arbeiten Telekommunikationsanbieter, Hersteller von Smartphones, Wifi-Anbieter und Universitäten zusammen. Auch Prof. Haas aus Edinburgh ist dabei. Dazu muss man wissen, dass es bereits einen Standard für Li-Fi in den USA gibt, den 802.11.bb. Wir wollen einen einheitlichen Standard, der für alle Terminals und Telefone gilt. Wir wollen einen Giganten für Europa schaffen. Die Idee ist klar, aber nicht einfach. Der Sitz in Luxemburg bietet sich an, weil es neutraler ist als Deutschland oder die Schweiz. Auch die Position Luxemburgs gegenüber der EU ist vorteilhaft, hier läuft die Gesetzgebung immer sehr schnell. Darüber hinaus haben wir die Unterstützung des „Service des médias et des communications“ (SMC), der Xavier Bettel untersteht. Er hat uns auch angehört und unterstützt. Die Allianz ist wichtig für das Vertrauen der Kunden.

Haben Sie ein Beispiel für eine konkrete Anwendung von Li-Fi?

Fleschen Ja, wir haben eine App für die historische Stätte in Pompeji gemacht, die vom Vesuv verschüttet worden war. Sie haben uns kontaktiert, weil sie etwas Modernes wollten. Seit einem Jahr können Touristen jetzt mit Li-Fi die Tour des historischen Weltkulturerbes machen. Wir bereiten gerade die zweite Auflage vor.