LUXEMBURG
SVEN WOHL

3D-Drucker können immer mehr - Die Technik könnte ein grundlegender Faktor der Kreislaufwirtschaft werden

Es hat etwas Hypnotisierendes, einem 3D-Drucker bei seiner Arbeit im Zeitraffer zuzusehen. Schicht für Schicht entsteht dabei ein Gegenstand. Egal ob Billigprinter oder massives, industrielles Gerät, allein der Prozess und das unglaubliche Potenzial dahinter begeistert und packt einen.

Man findet die kleineren 3D-Drucker in Maker- und Hackerspaces. Auf die Frage hin, wieso man einen 3D-Drucker im Hackerspace des „Chaos Computer Club Lëtzebuerg“ stehen hat, nennt man uns gleich mehrere Gründe. Einer davon ist der Kostenpunkt: Dieser sei im Vergleich zu einem Lasercutter oder einer CNC-Fräsmaschine einfach attraktiver. Auch die Handhabung sei mittlerweile leichter. Was die Nutzung angeht, verrät man uns, dass es vom Prototyping hin zur Kunst reicht. Den allgemeinen Nutzen hat man so weit erkannt, dass in mehreren Bibliotheken Deutschlands bereits 3D-Drucker für das breite Publikum zur Verfügung gestellt werden. Über einen Einsatz in der neuen Nationalbibliothek wird jedoch frühestens in einer zweiten Phase nachgedacht. In der Ausbildung werden Nachwuchsbibliothekare aber bereits mit der Technik vertraut gemacht, verrät man uns seitens der JonkBAD (Jonk Bibliothéikswiesen-, Archivistik- an Dokumentatiouns-Studenten).

Neue Möglichkeiten wecken Interesse

Während Tisch-3D-Printer jedem bekannt sein sollten, setzten die Jungunternehmer bei 3dPrint.lu neben diesen auch auf wesentlich umfangreichere Geräte. Nicht nur, weil die Präzision bei den teureren Maschinen ein Vielfaches höher ist, sondern auch, weil man auf andere Materialien setzt. Wenn bereits beim Plastik zahlreiche Ideen umsetzbar sind, können diese auch in härteren Materialen wie etwas Metall hergestellt werden.

Mit ihrem Angebot richtet sich das Unternehmen nicht nur an die Industrie, sondern auch an Privatpersonen. Denn wer kennt es nicht: Ein altes Gerät gibt den Geist nach Jahrzehnten auf, obwohl nur ein kleines Teil kaputt ist. Dies sollte nur ein geringes Problem darstellen, doch Ersatzteile für alte Geräte sind Mangelwahre. Hier könnte der 3D-Druck helfen, denn mit einem 3D-Scanner lässt sich das Teil dreidimensional erfassen und wenig später drucken. Lieferzeit: Vier Tage.

„Der Drang zum Neukauf ist groß“, meint Dean Kauffmann, CEO von AMSOL s.à.r.l., welche 3Dprint.lu betreiben. Doch mit kurzen Lieferzeiten und niedrigen Preisen könnte man dem einen Riegel vorschieben. In Zeiten, in denen bei modernen Produkten die Lebensdauer immer kürzer wird und die Käufer oft keinen Einblick in das Innenleben der Geräte erhalten, ist dies ein radikal anderes Denken.

Ersatzteillager auf Nachfrage

Dieser Richtungswechsel sollte nicht unterschätzt werden. Er ist Kern einer jeden Kreislaufwirtschaft: Anstatt neue Ressourcen zu verbrauchen, können hier Alte für einen Bruchteil des Aufwandes wiederverwertet werden. Das Interesse steigt, manchmal sogar in Bereichen, wo man es nicht gleich vermuten würde. „In den letzten beiden Monaten kamen die meisten Anfragen von Oldtimer-Liebhabern“, erklärt Kauffmann. Kein Wunder, denn Ersatzteile sind hier oft schwierig zu finden oder teuer. Da Kunden keine technischen Vorkenntnisse mitbringen müssen, ist die Hürde beim Nutzen des Angebotes auch vergleichsweise gering. Die vier Materialien, die mittlerweile standardmäßig angeboten werden - Aluminium, Stahl, Nylon und Resin - sind mittlerweile kampferprobt meinte Kauffmann weiter.

Vielen Menschen sei jedoch noch nicht bewusst, welche Möglichkeiten 3D-Drucker mittlerweile bieten. Selbst in der Industrie sei man immer noch überrascht, welche Freiheit man bei der Teilegeometrie und den Applikationen nutzen kann. Deshalb setze man mittlerweile weniger auf Broschüren, sondern geht auf kleinere, lokale Messen und Events, um die Menschen direkt anzusprechen. Dort würde man sich eines großen Interesses erfreuen, erzählt Kauffmann.

Jedoch gäbe es auch noch einige Hürden zu meistern. Mittlerweile habe man zwar die sogenannte „Layer Weakness“ (Siehe Kasten) in den Griff bekommen, doch bräuchte die Zertifizierung neuer Materialien noch zu viel Zeit. Auch müsste die Genauigkeit noch gesteigert werden. Die Tatsache, dass man immer nur ein Objekt drucken kann, würde auch eine Einschränkung darstellen, vor allem mit Hinblick auf eine mögliche Preissenkung. Auch wenn man im Vergleich zu anderen Verfahren günstig sei, wäre man bei größeren Stückzahlen über 1.000 nicht mehr wettbewerbsfähig. Grund hierfür ist das manuelle Putzen aller gedruckten Teile. Vollautomatische Systeme seien jedoch in den kommenden Jahren auf dem Markt zu erwarten.

Mehr Informationen finden Sie auch unter 3dprint.lu