LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die „Theater Federatioun“ geht gestärkt aus der Krise hervor und wartet mit Neuheiten auf

Nach vorne schauen, Perspektiven schaffen und vor allem mit neuem Elan in die Theatersaison starten: Dieses Ziel hat sich die „Theater Federatioun“ gesteckt, und mit ihr natürlich alle 22 Mitglieder. Untätig war man während der Krise nicht, wie gestern während einer Pressekonferenz deutlich wurde. Im Gegenteil, so viele Neuheiten auf einen Schlag gab es nie zuvor vom Verband der darstellenden Künste. Dazu gehören etwa die erstmalige Organisation von „Assises Théâtre“ sowie die Schaffung eines nationalen Theaterpreises.       

„Die neue Saison ist ein entscheidender Moment für die Kulturszene insgesamt und für die Theaterbranche vielleicht im Speziellen. Wir müssen wieder in einen Modus finden, wo wir Theater und Tanz bieten, also darstellende Kunst vor einem Publikum, das sich auch sicher fühlen soll“, schickte Kulturministerin Sam Tanson voraus und erinnerte daran, dass der Bereich der Bühnenkunst ganz besonders von der Krise betroffen war. Über 500 Veranstaltungen hätten aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt oder verschoben werden müssen.

Große Solidarität im Kultursektor

Lobend hob Tanson erneut die große Solidarität zwischen allen Akteuren im Kultursektor hervor. „Überall wurde nach Möglichkeiten gesucht, sich zusammenzuschließen, fand ein großer Austausch statt und wurde an einem Strang gezogen“, verdeutlichte die Ministerin. Auch über den Sommer seien zahlreiche Initiativen gestartet worden, die gezeigt hätten, wie flexibel die Szene sei und dass es ein reales Bedürfnis nach Kultur gebe. Im Kulturministerium sei alles daran gesetzt worden, die Kulturschaffenden und Institutionen während der Krise zu unterstützen. Fünf Millionen Euro an Unterstützung wurden für den „Plan de relance“ zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen Beihilfen in Höhe von 2,6 Millionen Euro, die bisher an die 257 eingeschriebenen „Intermittents du spectacle“ ausgezahlt wurden. 3,7 Millionen Euro wurden in diesem Jahr an die 15 Theaterkompanien und konventionierten Theater ausgezahlt, 3,5 Millionen gingen an die zehn konventionierten Kulturhäuser. „Beim diesjährigen Budget wurde ein großer Akzent auf die Bühnenkunst gelegt, weil es einfach nötig war, Theater und Tanz waren chronisch untersubventioniert. Neue Beihilfen sollten dem Sektor erlauben, sich zu professionalisieren und weiterzuentwickeln“, sagte Tanson.

Fokus auf die Nachhaltigkeit

Auch Claude Mangen, Präsident der „Theater Federatioun“, blickte auf die vergangenen Monate zurück, in denen man intern sehr aktiv gewesen sei und im ständigen Kontakt mit den Mitgliedern wie dem Kulturministerium gestanden habe. Zwei Arbeitsgruppen sind zusammengestellt worden: eine „groupe déconfinement“ für die dringenden Angelegenheiten und eine „groupe de travail et de réflexion sur l’écoresponsabilité et la durabilité“, die längerfristig funktionieren soll. „Diese Gruppe wird sich mit Fragen rund um die Nachhaltigkeit unserer Produktionen befassen, aber auch nach Möglichkeiten suchen, um noch besser und strukturierter zusammenarbeiten zu können. Es ist uns wichtig, wieder langfristig zu planen, uns eine Strategie zu geben und eine Reihe Perspektiven für die Zukunft zu schaffen“, teilte Mangen mit. „Wir sind froh, jetzt in die neue Saison zu starten und wieder loslegen zu können. Wir freuen uns auf das Publikum und garantieren Sicherheit. Wir gehen mit neuem Elan aus dieser Krise hervor“, unterstrich er.  

Theaterfest am 12. September

Der Startschuss in die neue Spielzeit fällt indes am 12. September mit einem großen Theaterfest, das diesmal von 11.00 bis 17.00 auf der „Place Clairefontaine“ stattfindet. Sämtliche Mitglieder der Föderation werden mit Ständen vertreten sein, um ihre Programmhefte zu verteilen und sich mit dem Publikum auszutauschen. Zum Rahmenprogramm gehören Workshops für Kinder sowie Gesprächsrunden auf der Bühne.  

Die „Theater Federatioun“ wartete gestern außerdem mit einem aufgefrischten Erscheinungsbild auf, die neue Webseite geht in wenigen Tagen online. „Der Verband der darstellenden Künste wurde 1996 mit dem Ziel gegründet, seine Mitglieder beim Ministerium und den politischen Entscheidungsträgern zu vertreten und zu verteidigen sowie Forderungen zu stellen. Die Werbung und Sensibilisierung sind weitere Eckpfeiler. Die Professionalisierung weiterzutreiben, ist ein besonders wichtiges Element. Diesbezüglich hat sich in den letzten 25 Jahren sehr viel getan. Diese Mission geht weiter. Auch die internationale Vernetzung spielt eine wichtige Rolle. Da besteht durchaus noch Verbesserungsbedarf“, erklärte der Präsident. Die Energie und Solidarität, die während des Lockdowns entstanden seien, gelte es nun beizubehalten.

„Assises Théâtre“ mit drei Schwerpunkten

„Wir haben die Zeit auch genutzt, um uns selbst ein bisschen in Frage zu stellen, zu überlegen, wie wir noch besser funktionieren können und welche Mittel wir uns geben müssen. Zu diesem Zweck werden am 2. Dezember erstmals ,Theaterassisen‘ organisiert, was eine Neuheit ist. Am 26. Oktober werden bekanntlich die nächsten ,Assises culturelles‘ abgehalten, es erscheint uns aber auch wichtig, sektorielle ,Assises‘ zu organisieren. Drei Schwerpunkte haben wir vorgesehen. Erst einmal geht es darum, eine Bestandsaufnahme zu machen, zu schauen, was in den letzten 20, 30 oder sogar 50 Jahren passiert ist und schließlich in gewisser Weise ein Röntgenbild der Situation zu haben, das dann analysiert wird, um nach vorne blicken zu können. Die Geschichte des Theaters wurde bislang nicht aufgearbeitet, jedenfalls nicht wissenschaftlich. Ein langfristiges Ziel ist die Schaffung eines ,Centre de documentation de l’histoire du théâtre‘. Ein anderes Diskussionsthema wird die Nachhaltigkeit von Aufführungen, Tourneen von Kreationen und die Mobilität von Kompanien sowie Künstlern sein. Die Frage, wie wir noch effizienter zusammenarbeiten können, soll beantwortet werden. Ein drittes Gesprächspanel wird sich mit der aktuellen Situation der Kulturpresse befassen“, listete Mangen auf. Dies „Assises Théâtre“ sollen künftig im Zweijahresrhythmus stattfinden.  

Ein weiteres wichtiges Rendezvous sind die „Journées du théâtre“ vom 20. bis 27. März 2021 mit Aktivitäten der Mitglieder, dies um näher an das Publikum zu rücken. „Schwerpunkt der ersten Auflage wird das Kinder- und Jugendtheater sein, das es auszubauen gilt. Es besteht noch viel Luft nach oben, vor allem was das Interesse der Jugendlichen am Theater anbelangt“, meinte der Präsident der „Theater Federatioun“.

Theaterpreise in vier Kategorien

„D‘Kiischt um Kuch“, wie es Mangen formulierte, ist aber ganz klar die Vergabe von Theaterpreisen. Literatur-, Musik- und Filmpreise gibt es bekanntlich längst, doch im Bereich der Bühnenkunst fehlte eine solche Auszeichnung. Insgesamt sollen künftig in vier Kategogrien Künstler geehrt werden: „Prix national du théâtre récompensant une œuvre complète“, „Prix du jeune espoir“, „Prix de la meilleure création – jeu d’acteur, mise en scène, dramaturgie“ und „Prix de la meilleure création – scénographie, création, costumes, création lumière, maquillage, coiffure….“. Die Theaterpreise werden alle zwei Jahre vergeben, ein erstes Mal im Herbst 2021.

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