LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Endlich! Endlich fällt der Vorhang wieder in den Theaterhäusern, stehen wieder Musiker auf den Bühnen, bewegen sich wieder Tänzer auf dem Parkett. Endlich sind Kunst und Kultur für das Publikum wieder erlebbar.

Die meisten Kultur-, Theater- und Konzerthäuser haben die neue Saison bereits eingeläutet. Hinter den Verantwortlichen liegen harte Monate. Eine Zeit, die von Ungewissheit geprägt war und immer noch ist, in der es erst einen Plan A, dann einen Plan B, vielleicht sogar einen Plan C gab und noch nicht einmal ein Plan D komplett auszuschließen ist. Nichtsdestotrotz, wie gestern bei der Programmvorstellung im Kulturzentrum opderschmelz treffend formuliert, „Live goes on“.

In Corona-Zeiten, Live-Darbietungen vor einem Publikum stattfinden zu lassen, bedeutet Hürden zu nehmen, strenge Hygiene- und Sicherheitsvorschriften zu beachten und in diesem Kontext vor allem über die Masken-Frage zu entscheiden. Mit oder ohne? Würde man die Zuschauer fragen, würde sich der Großteil wohl gegen die Maskenpflicht während der Veranstaltungsdauer aussprechen. Natürlich ist es angenehmer, sich ein Konzert oder ein Theaterstück anzuschauen, ohne vermummt zu sein. In Düdelingen ist dies möglich, genau wie im Kinneksbond in Mamer. In beiden Häusern wurde die Anzahl der Sitzplätze drastisch reduziert, um den Abstand von zwei Metern zu gewährleisten. Im Kinneksbond hat Bühnenbildnerin Trixi Weis den Großen Saal in ein Theatercafé umgestaltet. Man sitzt auf Sofas oder Regiestühlen und wird noch dazu am Tisch mit Getränken versorgt. In Düdelingen ist es ähnlich. Und auch wer am vergangenen Wochenende im Großen Theater den Vorstellungen im Rahmen des TalentLAB beiwohnte, nahm im gemütlichen Ambiente ohne Atemschutzmaske auf Vintage-Sitzmöbeln Platz.

Sieht so die Zukunft aus, bis ein Impfstoff gefunden ist? In einigen Häusern vielleicht, aber längst nicht in allen, weil es aus Kostengründen einfach nicht möglich ist. Um Zahlen sprechen zu lassen: Maximal 110 der ansonsten 500 Plätze können auf diese Weise im opderschmelz besetzt werden. Leicht kann man sich ausrechnen, was dies an Einbußen an Eintrittsgeldern mit sich bringt. „Das geht nur, weil wir ein nicht-kommerzieller Betrieb sind“, sagte Direktor John Rech, wohlwissend, dass man sich in Düdelingen in einer privilegierten Position befinde. Zehn Prozent ihres Budgets investiert die Gemeinde nämlich in die Kultur. Kostendeckend muss demnach in dem Kulturzentrum nicht gearbeitet werden.

Dieses Glück haben auch andere Häuser, kommerzielle Betriebe oder private Theaterstrukturen dagegen natürlich nicht. Für sie bedeutet die aktuelle Situation immer noch einen Kampf um die Existenz. Sie können es sich nicht leisten, auf 80 Prozent der Einnahmen zu verzichten. Um etwas mehr Zuschauer empfangen zu können, wird deshalb in vielen Strukturen das Tragen der Maske vorausgesetzt, auch wenn überall darauf geachtet wird, dass zwischen den Besuchern ein gewisser Abstand gewahrt wird.

Dass wieder Kultur geboten wird, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Szene sehr schlecht geht. Auch das unterstrich John Rech gestern bei der Pressekonferenz. Dieser Zustand wird leider noch eine Zeit andauern. Kultur, Kunst und so vieles im Moment nur mit Maske erleben zu können, sollte das geringste Übel sein und auf keinen Fall der Grund, kulturellen Veranstaltungen fernzubleiben. Ja, es ist anders, aber es ist immer noch gut.