LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Rocket League“ ist wie Fußball, bloß mit mehr Tempo

Rocket League“ ist eines jener Spiele, die auf dem Blatt Papier irrwitzig klingen, in der Realität jedoch hervorragend funktionieren. Zwei Mannschaften, bestehend aus jeweils drei Spielern, stehen sich in raketenbetriebenen Autos gegenüber. Sie sollen, wie im Fußball, einen überdimensionierten Ball ins gegnerische Tor bugsieren. Wenn das hektisch, anstrengend und hoch taktisch klingt, dann spiegelt das die Realität wider.

Lëtzebuerger Journal

Lernkurve kann abschrecken

„Rocket League“ erschließt sich den Spielern nicht auf Anhieb. Es gibt eine Lernkurve, an der man sich zunächst abarbeiten muss: Mit dem Wagen zu fahren, ist noch relativ schnell einstudiert, orientiert sich die Steuerung hier nach den gängigen Mustern von Rennspielen. Das Boosten, also das Einsetzen des Raketenantriebs, macht zumindest anfangs noch Sinn, wenn man sich darauf beschränkt, einfach nur Gas zu geben. Wo die Schwierigkeitsstufe gnadenlos ansteigt, ist eindeutig beim Fliegen. Der Wagen kann durch einen Doppelsprung bereits unzählige Manöver in der Luft vollziehen. Doch in Kombination mit dem Boost kann man waghalsige Tricks und Taktiken umsetzen. Die wirken fast immer spektakulär, sind jedoch nur in den Händen von gut trainierten Spielern wirklich effizient. Doch es ist diese Lufthoheit, welche die Spreu vom Weizen trennt. Denn wer gut fliegt, erreicht den Ball am besten.
Neulingen sei deshalb geraten, zu Beginn die Tutorials durchzuspielen, welche einem die notwendigen Techniken und Situationen näher bringen. Das Einstudieren dieser hilft ungemein über anfängliche Hürden hinweg. Spaß macht „Rocket League“ auf jedem spielerischen Niveau: Es bietet neben den drei gegen drei Spielen im „Casual“ und kompetitiven Modus noch unzählige Modi, die eher auf Fun ausgelegt sind. Einige davon basieren auf Ice Hockey, Basketball, Volleyball oder leihen sich unzählige Power Ups bei sogenannten „Fun Racern“ wie etwa „Mario Kart“. Während diese keine ernst zu nehmenden Alternativen zum Hauptmodus darstellen, sind sie doch äußerst lustige Alternativen für zwischendurch.

Wer eindeutig im Vorteil sein möchte, sollte versuchen, sich einem Club anzuschließen. Kommunikation ist das A und O, auch bei diesem E-Sport. Zwar gibt es Controllerfreundliche Kurzkommandos, die vieles erleichtern, doch auf zufällige Spielgefährten kann man sich leidlich verlassen. Ein Voice-Chat mit Spielern, mit denen man regelmäßig trainiert und deren Können man auch einschätzen kann, ist hier nahe zu legen.

Gute Spieler wissen, wie man die Wände und Decke der Arena gekonnt einbindet - Lëtzebuerger Journal
Gute Spieler wissen, wie man die Wände und Decke der Arena gekonnt einbindet

Auch für Zuschauer eine große Freude

Doch wie sieht es als Zuschauer aus? Auf Twitch.tv findet man auch zu diesem E-Sport zahllose Channels. Dort einem Livestream offizieller Meisterschaften beizuwohnen, hat schon etwas Überragendes. Denn „Rocket League“ ist zum einen schnell erlernt, doch die Gefälle zwischen jenen, die es beherrschen und jenen, die es noch lernen, sind riesig. Dementsprechend beeindruckend sind die Leistungen professioneller Teams. Da die Regeln an sich nicht kompliziert sind, ist der E-Sport auch für Zuschauer äußerst einsteigerfreundlich. Aktuell laufen die Europäischen Regionalmeisterschaften der „Championship Season X“ (RLCS X).

Mehr zum Spiel

Vergangenheit und Zukunft

„Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars“ heißt der direkte Vorgänger zu „Rocket League“. Der Titel konnte sich nicht nur wegen des überlangen Namens nicht durchsetzen. So war er im Oktober 2008 exklusiv als Download-Titel für die PlayStation 3 erschienen, was die Zielgruppe sehr stark einschränkte. Im Vergleich zu „Rocket League“ (2015) fehlte es dem Spiel vor allem an gutem Marketing, damit es sich etablieren konnte. Die anfängliche Inklusion des erfolgreicheren Nachfolgers in „PlayStation Plus“ - womit der Titel für Abonnenten gratis wurde - gilt als einer der Gründe, weshalb „Rocket League“ so schnell an Popularität gewinnen konnte. Durch die Übernahme durch Epic (die Macher von „Fortnite“) soll das Spiel bis Ende des Jahres zu einem „Free to Play“-Spiel werden. Das bedeutet, dass das Spiel an sich gratis ist, kosmetische Inhalte dagegen nicht.