LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Saftkur: Weg zum Ziel oder sinnlose Trenderscheinung?

Wer sich einer Saftkur unterziehen will, hat zurecht Zweifel. Schaffe ich das? Nehme ich tatsächlich ab? In drei Tagen zur Bikini-Figur: ist das realistisch? Diese Zweifel sind auf keinen Fall ungerechtfertigt. Ich selbst habe mich drei Tage lang einer Saftkur unterzogen, um herauszufinden was die Ergebnisse einer solchen Detox-Kur sind. Die Kur kann man natürlich auch über fünf oder sieben Tage durchziehen, doch als Detox-Anfänger habe ich mich für die drei Tage entschieden. „Was sind schon 72 Stunden. Die stecke ich doch locker weg.“ Doch verliefen die drei Tage tatsächlich so reibungslos wie gedacht?

Kein Hunger, aber Kälte

Ich habe mich einer drei-Tages-Saftkur hingegeben, um meinen Körper von über Jahre angesammelten Schadstoffen zu befreien: hier ein Sektchen, da ein Gläschen Wein und zu Kuchen sag ich eh nicht nein. Da kann man dem Körper doch auch mal eine kleine Auszeit gönnen. Doch drei Tage ohne feste Nahrung... Kann so ein Kohlenhydrat-Liebhaber, wie ich es bin, das durchstehen? Tatsächlich habe ich mir diese drei Tage schlimmer vorgestellt, als sie tatsächlich waren. Keine Pizza. Keine Pasta. Keine Süßigkeiten. Nur sechs Säfte über den Tag verteilt, alle zwei Stunden ein Getränk und zwischendurch Wasser und Tee. Doch die erste Überraschung bekam ich gleich am ersten Tag: die Säfte waren tatsächlich genießbar, ja sogar lecker, und ich freute mich alle zwei Stunden auf mein vitamin- und mineralienhaltiges Getränk. Doch sättigt das Zeug auch?! Die Antwort lautet: JA!

Ob nun auf der Vernissage einer Freundin, auf dem Kirschblütenfest oder sonst wo, es fiel mir in keinster Weise schwer, auf Chips, Bratwürste oder sonst etwas zu verzichten. Natürlich bekommt man Lust mitzunaschen, allerdings wird einem umso mehr bewusst, wie sehr das Hungergefühl vom Kopf gesteuert wird und wie wenig Nahrung der Körper an sich braucht. Klar war mir teilweise richtig kalt, während Freunde von mir sich über die Hitze beschwerten, allerdings wurde dies auch in den „Nebenwirkungen“ der Kur aufgelistet, und Leute wurden somit auf das erhöhte Kälteempfinden aufmerksam gemacht. So wusste man, dass es von Vorteil war, eine mit Tee gefüllte Thermosflasche mit sich rumzuschleppen und vielleicht eine Schicht mehr anzuziehen, um dem erhöhten Kältegefühl entgegenzuwirken. Dass mir kalt war, war aber tatsächlich die einzige Nebenwirkung der Kur. In den drei Tagen habe ich mich so viel leichter gefühlt, mein Hautbild wurde besser und selbst am dritten Tag hatte ich nicht das Bedürfnis, mir einen Burger mit Pommes reinzudrücken. Tatsächlich war ich sogar etwas traurig, als ich am vierten Tag in meinem Kühlschrank keine Säfte mehr fand.

Keine Abnehm-Kur

Wer nun denkt, ich hätte in den drei Tagen meine Bikini-Figur auf Vordermann gebracht, irrt sich leider. Natürlich war ungefähr ein halbes Kilogramm weniger auf der Waage, weil ich drei Tage keine feste Nahrung zu mir genommen habe, das war aber auch nach meiner ersten Mahlzeit gleich wieder da. Wer die Kur nur machen will, um schnellstmöglich abzunehmen, dem würde ich davon abraten. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass der Gewichtsverlust bei einer fünf- oder siebentägigen Kur höher ausfällt, doch sobald man wieder normal isst, nimmt man auch wieder zu. Die Kur dient schließlich auch in erster Linie zur Entgiftung des Körpers.

Allerdings muss ich sagen, dass sie perfekt ist, wenn man vorhat seine Ernährung umzustellen - was auch mein Ziel war. Die Kur liegt mittlerweile über eine Woche zurück und bisher habe ich nicht das Bedürfnis zu naschen, oder mehr als meine drei Mahlzeiten am Tag zu mir zu nehmen. Auch das Sättigungsgefühl tritt viel eher ein, so dass ich merke, dass ich einfach kleinere Portionen brauche. Natürlich gönne ich mir immer noch ab und zu mein Stück Kuchen, man will ja schließlich nicht auf die kleinen Freuden im Leben verzichten, allerdings ist das Gefühl: Oh mein Gott, der Fernseher ist an - ICH BRAUCHE CHIPS!, weg.

Wer also seine Ernährung bewusst umstellen will und einfach etwas gesünder essen will, dem würde ich die Saftkur sehr ans Herz legen. Sie hilft einem das Hungergefühl besser zu verstehen, und zu verstehen, dass Hunger im Kopf anfängt. Wer jeden Tag mittags um zwölf isst, kann sicher sein, dass sein Magen genau dann anfängt zu knurren, wenn es einmal etwas später wird, bis das Essen serviert ist. Doch ist es Hunger? Wahrscheinlich nicht, sondern eher eine Art Automatismus. Schließlich ist der Mensch immer noch ein Gewohnheitstier. Doch genauso gut, kann man eben hiermit seine Gewohnheiten ein wenig in Frage stellen und an eine gesündere Lebensweise anpassen. Bisher klappt das bei mir ganz gut.