LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Christine Hansen hängte ihren sicheren Job als Englischlehrerin an den Nagel und machte sich mit einer Schlafberatung selbständig

Christine Hansen hatte ein Leben, um das sie viele Menschen beneiden konnten: Einen sicheren, unkündbaren Job als Englischlehrerin, einen Mann und eine kleine Tochter, Eltern, die sie unterstützten. Und doch: Etwas nagte an ihr. Sie startete mit einer Schlafberatung in ein ungewisses Abenteuer - und ist glücklich über ihre Entscheidung. Hier erklärt sie, wie es dazu kam.

Frau Hansen, warum haben Sie Ihren sicheren Beamtenjob verlassen, um Unternehmerin zu werden?

Christine Hansen Während ich schwanger war, hatte ich Sorge, dass mein Kind nicht gut schlafen würde und habe mich deshalb intensiv mit dem Thema beschäftigt. Nach der Geburt lief alles wunderbar, ich fing wieder an zu arbeiten, aber war immer unzufrieden. Ein gutes halbes Jahr darauf starb ein Cousin von mir und ich fing an, mir viele Fragen zu stellen. Die Idee, mich selbständig zu machen, keimte in mir. Mein Mann unterstützte mich. Ein dreiviertel Jahr später habe ich dann zum Entsetzen meiner Eltern meinen Job als Englischlehrerin am Lycee in Echternach verlassen und mein Unternehmen gegründet.

Wer waren Ihre ersten Kunden?

Hansen Mein Unternehmen richtete sich zunächst an Eltern, deren Babys Einschlafprobleme hatten. Aber es zeigte sich rasch, dass häufig die Eltern das Problem waren, nicht das Kind. Die einen hatten im Internet durch Lesen ihre Ängste geschürt und gesteigert, die anderen hatten ein schlechtes Gewissen, wenn das Kind nicht mehr bei ihnen im Bett schlief. Wieder andere waren felsenfest überzeugt, dass man Kinder schreien lassen muss. Manche waren richtige Hardliner. Da war Beratung schwierig. Heute nehme ich zwar noch hin und wieder Kinder, wenn der Kinderarzt oder Bekannte sie schicken, aber ich habe andere Kunden.

Wen beraten Sie heute?

Hansen Mein Unternehmen heißt „Sleep like a boss“, das ist natürlich ein Wortspiel des Ausdrucks „Sleep like a baby“. Heute sind Erwachsene meine Kunden. Ihnen kann häufig in einer Schlafklinik oder beim Arzt nicht geholfen werden, weil die Gründe für Schlafstörungen sehr vielfältig sind. Das kann eine Entzündung im Darm genauso sein wie andere Störungen. Wichtig ist es, den Körper so funktionieren zu lassen, wie er es soll. Viele Kunden stehen gesundheitlich auf der Kippe. Da kommen Krankheiten, Allergien, Depression und chronische Müdigkeit zusammen. Die Leute kommen zu mir, wenn sie merken, dass sie nicht mehr richtig arbeiten können, nachts um 2.00 aufs Handy schauen. Die Dauer einer Schlafberatung ist ganz unterschiedlich. Das reicht von drei Monaten bis zu einem Jahr. Es hängt vom Körper ab, aber auch von der Fähigkeit, Verhaltensmuster zu ändern.

Sie haben keinerlei Vorkenntnisse in der Unternehmensgründung. Wie lief das?

Hansen Die Kundenakquise lief durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Facebook, das ging gut. Fachlich hatte ich mich als Schlafberaterin und im Bereich Schlafhygiene weitergebildet, auch im Bereich Ernährung. Ich bin mit Begeisterung Unternehmerin, ich brenne dafür. Das hat mich selbst überrascht. Meine Eltern waren nicht gerade begeistert, aber sie akzeptieren es. Für die Gründungsseite hatte ich recherchiert. Ungewohnt war, dass es keine Schonfrist gab bei den Steuern oder der Krankenkasse. Jetzt bin ich im Unternehmerinnenverband FFCEL aktiv, auch auf europäischer Ebene. Ich hätte nie gedacht, dass es so viel Spaß macht, Unternehmerin zu sein. Ich bin immer noch sehr froh über meine Entscheidung.

Wie schlafen Sie selbst?

Hansen Besser! Ich schlafe immer gut, denn ich achte jetzt auf Pausen, Sport und Ernährung. Insgesamt geht es mir viel besser. Ich respektiere meinen Körper mehr. So habe ich sogar deutlich an Gewicht verloren, ohne eine Diät zu machen.


www.sleeplikeaboss.com

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