WORMELDINGEN
CLAUDE KARGER

Zehn Jahre kontinuierliche Expansion: Wie und warum das „Päiperléck“-Pflege-Netzwerk gedeiht

Es begann mit der Suche nach Möglichkeiten, das Hotel der Familie Hein in Berdorf auch in den Monaten außerhalb der Saison auszulasten. Eine ältere Dame aus der Hauptstadt war interessiert, zunächst ein paar Tage, dann ein paar Wochen im „Chat Botté“ zu verbringen, inmitten der herrlichen und ruhigen Luxemburger Schweiz. Bald brachte die Dame Freundinnen mit, die ebenfalls ihren Lebensabend hier genießen wollten.

Die Nachfrage nahm zu und aus dem Hotel wurde eine Seniorenresidenz. So erzählt Isabelle Hein den Grundstein für das „Päiperléck“-Pflegedienstleistungsnetzwerk, das in diesem Jahr sein 10. Jubiläum feiert und weiterhin schnell expandiert.

„Wissen, wovon man spricht“

Die Direktorin der Pflegedienste bei „Päiperléck“ ist 2006 gemeinsam mit ihrer Schwester Stéphanie in das elterliche Unternehmen eingestiegen. Während Stéphanie mit einer abgeschlossenen Betriebswirtschaftslehre kam, hatte Isabelle einen ungewöhnlichen Berufsweg eingeschlagen: die Pferdeliebhaberin machte eine Ausbildung zur Hufschmiedin in Brüssel.

Aber es reizte sie, gemeinsam mit ihrer Schwester ein Netzwerk für Pflegedienstleistungen aufzubauen. Es folgten lehrreiche Jahre für Isabelle, die von der Pike auf Seniorenpflege lernte. „Mein Vater hat uns immer gesagt: um zu wissen, wovon man spricht, muss man es auch gemacht haben“, sagt die Pflegedirektorin.

Nach dieser Philosophie wird auch den neuen Mitarbeitern nach ihrer Anstellung erstmal eine Woche interne Weiterbildung angeboten, damit sie die verschiedenen Aspekte ihrer Arbeit kennenlernen. Und sie müssen Luxemburgisch lernen, darauf besteht das Unternehmen, das eigens einen Luxemburgisch-Lehrer eingestellt hat, der Kurse in den verschiedenen Pflegestrukturen des Netzwerks gibt.

„Viele Menschen können einfach nicht so schnell sein, wie man es von ihnen verlangt“

„Es ist enorm wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter mit den Kunden in deren Sprache unterhalten können“, unterstreicht Isabelle Hein, für die bei der Pflege neben den medizinischen und paramedizinischen Dienstleistungen vor allem auch die zwischenmenschlichen Beziehungen eine zentrale Bedeutung haben. Geschult werden alle neuen Mitarbeiter auch in erster Hilfe, in Wundbehandlungen, in der Dokumentation der Pflegeleistungen usw.. Das Unternehmen hat sogar einen Simulator angeschafft, der es den Nutzern erlaubt zu erfahren, wie ein Mensch mit Bewegungsbeeinträchtigungen oder mit anderen Pathologien etwa seine Umwelt erfährt.

„Da versteht man sofort, dass manche Menschen eben nicht so schnell sein können, wie das von ihnen verlangt wird“, erklärt Isabelle Hein, die wichtig findet, dass über das von der Pflegeversicherung abgedeckte Betreuungspensum das Gespräch mit den Kunden nicht zu kurz kommt oder ihnen auch schon mal der eine oder andere Gefallen getan wird.

Fingerspitzengefühl, auch den Familien gegenüber

„Die Reform hat viel Gutes gebracht“, sagt Hein zur Pflegeversicherung, „aber in manchen Bereichen ist die Zeit einfach zu knapp bemessen“. Besonders beim Umgang mit Menschen mit Demenz oder bei Palliativpatienten sei sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt und die Präsenz von Betreuern rund um die Uhr. Überhaupt sei Pflege ein Bereich, der nicht nur die zu pflegende Person selbst betrifft, sondern auch deren Partner, deren Familie. „Wir gehen sicher, dass die Familien bei uns einen einzigen Ansprechpartner haben, der sich um sie kümmert“, erklärt Isabelle Hein, für die der Tod eines Kunden nicht das Ende der Beziehung zur Familie sein kann. „Päiperléck“ stehe den Angehörigen in dieser schwierigen Zeit zur Seite. Auch bei der Lösungsfindung für die Unterbringung eines Angehörigen in einer Struktur.

Da gibt es Notfälle - wenn etwa eine Person einen Unfall erleidet, der eine Betreuung zuhause nicht mehr ermöglicht, oder wenn der Partner plötzlich verstirbt und Ehefrau oder Ehegatte nicht mehr alleine zuhause bleiben möchten. „Päiperléck“ bietet aber auch die Möglichkeit, sich auf einen Aufenthalt in einer Struktur vorzubereiten.

So kann man Ferienbetten nutzen, um mal zu entdecken, wie das sich anfühlt. Es gebe viele Vorurteile und Ängste in Verbindung mit Pflegestrukturen, sagt Isabelle Hein, besonders bei Leuten, die ihr Leben lang autonom waren, aber auch bei deren Familien.

Viele unterschiedliche Bedürfnisse

Sie stellt auch fest, dass es sehr viele unterschiedliche Bedürfnisse bei den Kunden gibt und zu wenige Lösungen zwischen der Betreuung zuhause und der Betreuung in einer Struktur.

„Es gibt Menschen, die nach einem Schicksalsschlag zwar an Autonomie verlieren, aber noch nicht so viel Betreuung brauchen, wie sie in einer Struktur geleistet wird“, erklärt Isabelle Hein, die sich wünscht, dass die Debatte über die Pflegestrukturen in Luxemburg weiter geht. Denn die Nachfrage steige in einer alternden Gesellschaft, in der es zudem immer mehr Fälle von Demenz gebe. Das „Päiperléck“-Netzwerk habe sich jedenfalls dem Ziel verschrieben, eine qualitativ hochwertige Antwort auf diese Nachfrage zu geben.