ETTELBRÜCK
PATRICK WELTER

Nach der Renovierung der Sportanlagen und der Wiederbelebung der Wark,dreht sich am Technischen Lyzeum Ettelbrück alles um Umwelttechnik

Es ist zwar keine „klappernde Mühle am rauschenden Bach“, aber dennoch für eine luxemburgische Schule sehr ungewöhnlich. Im „Lycée Technique Ettelbruck“ (LTETT) dreht sich jetzt mitten auf dem Schulgelände ein Mühlrad. Gemahlen wird zwar nichts, aber das oberschlägige Wasserrad treibt am Bachlauf der Wark, einem Zufluss der Sauer, einen kleinen Generator mit einer Leistung von zwei Kilowatt an. Damit produziert das Technische Lyzeum auf drei Arten erneuerbare Energie: Mit Solarzellen auf den Gebäudedächern, einem Windrad und - offiziell seit gestern - auch mit Wasserkraft. Das kleine Wasserkraftwerk ist ein Nebeneffekt der „Revitalisierung“ der Wark.

Eine natürliche Sohle für die Wark

Der Bach ist zu sehr in die Bausubstanz der Stadt Ettelbrück eingeklemmt, um ihn im klassischen Sinne renaturieren zu können. Daher wurde und wird auf einer Länge von über 700 Metern die Sohle wiederbelebt. Die Gelegenheit der Neugestaltung im Bereich des LTETT bot sich an, als Teile einer Brücke und einige Parkplätze aufgrund von Unterspülungen durch die Wark nachgegeben hatten. Der bis dahin im Schulbereich völlig gedeckelte Bach wurde zum Teil wieder offen gelegt und durch Entfernung der Betonsohle und Einbringen von natürlichem Material und durch Felsblöcke, Buhnen und Querriegel wieder zum Mäandrieren gebracht, was die biologische Qualität des Baches deutlich hebt. An einem Wehr wurde ein Fischpass oder eine Fischtreppe gebaut, um Fischen die Wanderung den Bach hinauf zu ermöglichen.

Neues Fach „Umweltwissenschaften“

Eigentlich ist die Sache mit dem Wasserrad nur ein Nebeneffekt der teilweisen Sanierung des LTETT, die Instandsetzung der Schwimmhalle für 6,8 Millionen Euro war der eigentliche Anlass der gestrigen Einweihungsfeier. Im Mittelpunkt stand aber die Konzentration des LTETT auf innovative Techniken.

Mit Beginn des nächsten Schuljahres wird es in Ettelbrück den Unterrichtszweig „Umweltwissenschaften“ geben. So verwunderte es kaum, dass es gegenseitige Lobenshymen zuhauf gab. Schuldirektor Klein lobte die verschiedenen Ministerien und Minister für ihr Engagement und ihr offenes Ohr für die Belange der Schüler und der Schule. Umweltministerin Carole Dieschbourg war begeistert von der baldigen Einführung der „Umweltwissenschaften“ am LTETT und das allgemeine Interesse der Schule an erneuerbaren Energien.

Bildungsminister Claude Meisch betonte die hervorragende Kommunikation mit der Schule. Das LTETT zeige, was man mit Bildung alles machen könne. In der allgemeinen Begeisterung für Umweltaspekte solle man aber auch den Sport, oder besser gesagt die erneuerten Sporteinrichtungen nicht vergessen. Auch der Sport habe große Bedeutung, wenn es um das Erreichen von gesetzten Zielen geht.

Alte Ackerbauschule wird schnellstens umgebaut

Interessant war der Beitrag von Umweltstaatssekretär Camille Gira, der erzählte, dass er vor einigen Jahren als damaliger Vorsitzender des parlamentarischen Petitionsausschusses auf dringende Bitten von Eltern und Schüler das LTETT besucht habe und über den baulichen Zustand beschämt gewesen sei. Dies habe sich nun drastisch gebessert.

Für die Zukunft kündigte er den schnellen Umbau der benachbarten Schulgebäude der „Ackerbauschule“ an. Spätestens im Jahr 2020 werde die landwirtschaftliche Schule in die neuen Gebäude in Gilsdorf umziehen, danach könne sich das LTETT - nach einer Sanierung der historischen Bausubstanz - auch auf der anderen Seite der rue Salentiny ausdehnen.