LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Das luxemburgische Musical „De Simmer Fluch“ im Großen Theater

Ende September begann die heiße Phase in der Entstehung des luxemburgischen Musicals „De Simmer Fluch“, einer Produktion der Union Grand-Duc Adolphe, in Zusammenarbeit mit dem Service National de la Jeunesse. Erste gemeinsame Proben mit den rund 80 Beteiligten an der Show starteten in Remerschen. Im November zog das Team in das Große Theater in Luxemburg, und am Donnerstag war Generalprobe, einen Tag vor der Premiere. Erny Delosch komponierte die Musik zu einem Buch, das Autor Ian de Toffoli nach einer luxemburgischen Sage schrieb. Jacqueline Posing-Van Dyck ist für Regie und Choreografie verantwortlich, während Serge Schonckert als künstlerischer Koordinator und Vocal-Coach tätig ist.

Gemeinsam stark

Die Herrin (Esther Conter) des Schlosses von Simmern, das zu einer Jugendherberge umfunktioniert wurde, begrüßt den Trainer (Billy Tessaro) des Handballvereins „Hurricanes“ und die Musiklehrerin (Inès Stubbenhagen) des Chors „iTones“. Sie verspricht, dass alle Beteiligten nach Ablauf ihres Programms mit neuem Kampfgeist das Schloss verlassen werden. Die beiden Gruppen sind sich aber nicht grün, und es kommt zum Streit. Die Blicke der Jungs haben sich auf Nora (Deborah Marinkovic), die Tochter der Schlossherrin, konzentriert, so dass ein Armdrücken entscheiden muss, wer im angehenden Spiel den Ritter spielen darf, der mit Nora verheiratet ist. Handballer Fred (Claude Kraus) gewinnt gegen den Sänger Eric (Diogo Pinheiro Baptista). Die Herrin erzählt die Geschichte des Fluchs, der auf Simmern liegt. Aus Fred wird der Ritter Jauffre, aus Eric der böse Caradoc, und die Sänger/innen und Handballer/innen schlüpfen in die Rollen der Bewohner Simmerns. Bei einem Kampf der beiden Ritter um die Gunst Noras wird diese tödlich verletzt.

Da Jauffre nicht über ihren Tod hinwegkommt, wird Noras Geist verdammt, im Schloss zu bleiben. Am Tag darauf kann sich niemand mehr genau an die Ereignisse des Spiels erinnern. Fest steht aber, dass die beiden Gruppen zusammenhalten müssen, um Nora zu retten.

Überzeugende Jugend

Musikalisch kann „De Simmer Fluch“ gefallen, und einige Melodien, wie z. B. „D’Regele sti fest“, „Aremt Nora“ oder „Nora vertrau mir“, gehen sogar ins Ohr. Das junge Orchester unter der Leitung von Martin Folz spielte fehlerfrei.

Beeindruckend sind aber die stimmlichen Leistungen der Beteiligten. Esther Conter kann nicht nur mit ihrer klaren und starken Stimme gefallen, sondern auch noch schauspielerisch als despotische Herrin. Deborah Marinkovic verfügt ebenfalls über eine sehr gute Stimme, genau wie Marielle Kaufmann in der Rolle ihrer Amme. Claude Kraus weiß bei den Jungs am besten zu gefallen. Selbstsicher und kraftvoll singt er seine Lieder.

Billy Tessaro versucht zusammen mit Inès Stubbenhagen etwas Humor in die Geschichte zu bringen, aber ihre Eskapade aus dem Weinkeller in ihre Schlafgemächer ist überlang. Überhaupt leidet der Rhythmus der Show an oft langen Pausen zwischen zwei Szenen, oder an der Tatsache, dass gewartet werden muss, bis die hochgehobene Bühne sich wieder senkt. Hier täten ein paar Takte Musik gut, wie auch die Auffüllung der leeren Bühne mit Leben. Auch die doch einfache Geschichte könnte etwas verfeinert werden, z. B. mit Erklärungen zur Entstehung der Legende und besonders mit zusätzlichen Momenten in der sich anbahnenden Liebe zwischen Nora und Fred. Die außerordentlichen Leistungen der jungen Sänger/innen überraschen und genügen durchaus, sich auf diesen musikalischen Fluch einzulassen.

Weitere Informationen auf www.simmerfluch.lu