LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Nach 30 Jahren endlich wieder in der Nationaldivision: Die Herren des HB Mersch sind bereit

Besser hätte es in der vergangenen Saison für die erste Herrenmannschaft des HB Mersch 75 fast nicht laufen können: 19 Siege, zweimal Unentschieden und lediglich eine Niederlage. Nach 30 Jahren Abwesenheit in der höchsten Liga schaffte das Team nun wieder den Sprung nach ganz oben. Wie die Herren aus Mersch die Saison rückblickend erlebt haben und wie sie ihre künftigen Chancen einschätzen, erklärt Rückraumspieler Christophe Kremer im Interview.

Warum hat der Aufstieg so lange auf sich warten lassen?

Christophe Kremer Als ich vor rund 20 Jahren angefangen habe, steckte der HB Mersch wieder etwas in den Startlöchern, die Jugendarbeit wurde gezielter aufgenommen. Es hat etliche Jahre gedauert, um die aktuelle Mannschaft aufzubauen. Wir haben nun ein sehr gemischtes Team, mit erfahrenen, aber auch vielen jungen Spielern, das sehr gut zusammen funktioniert. Vor zehn Jahren hätten wir es fast geschafft, und auch vor acht Jahren sind wir noch einmal knapp gescheitert. In dieser Saison stimmte dann alles, von der Zusammensetzung der Mannschaft über die Einstellung der Spieler bis hin zur Trainingspräsenz. Daneben hat unser neuer Trainer, Peter Brixner, maßgeblich zum Erfolg beigetragen.

Was hat er anders gemacht als sein Vorgänger? Heng Mauruschatt war schließlich auch ein guter Trainer…

Kremer Heng hat das Ganze sehr gut vorbereitet. Er hat uns auf das Trainingsniveau gebracht, an das Peter dann anknüpfen konnte. Durch seine Erfahrung, aber auch weil er ein guter Pädagoge ist, hat uns Peter gut im Griff. Ihm war dennoch immer bewusst, dass wir alle eine Arbeit haben und unser Hauptfokus nicht im Handball liegt. Wir trainieren viel mit dem Ball, was für mich ganz klar den Erfolg mit herbeigeführt hat. Viel Zeit verwendet Peter auch darauf, uns während des Trainings gegeneinander spielen zu lassen, demnach wird das Physische nicht im übertriebenen Maße trainiert, sondern auch wiederum auf spielerische Art und Weise. Dadurch konnte auch die Lust am Sport übers ganze Jahre erhalten bleiben. Für mich ist das Peters Erfolgsrezept.

Der ausschlaggebende Sieg liegt nun ein Weilchen zurück, inzwischen dürftet ihr das Ganze realisiert haben?

Kremer Mittlerweile ist es angekommen. Eigentlich hatten wir den Aufstieg ja schon beim zweitletzten Spiel gegen Diekirch dingfest gemacht, was doch ein bisschen überraschend war. In der Tat hatten wir damit gerechnet, dass sich das Ganze wieder im letzten Spiel entscheiden würde, nachdem wir gegen Standard unentschieden gespielt hatten. An sich konnte beim letzten Spiel nicht mehr viel passieren. Nun heißt es, sich auf die nächste Saison vorbereiten.
Wie würdest Du die Saison rückblickend beschreiben?

Kremer Es war keineswegs von Anfang an klar, dass wir aufsteigen würden. Als Heng damals als Trainer aufgehört hat, waren wir sehr unsicher, weil wir nicht genau wussten, wie es weitergehen würde. Verschiedene Spieler haben ein Unistudium begonnen, einer unser Torwarte hat gewechselt. Die ersten Trainingseinheiten waren nur spärlich besetzt. Dann hatten wir ein Turnier in Deutschland, wo wir prompt Zweiter wurden. Das war das erste Erfolgserlebnis. Die Mannschaft hat sich immer mehr aufeinander eingespielt. Im Laufe der Spiele wurde uns dann klar, dass wir eine reelle Chance hätten, es dieses Jahr zu schaffen. Wir haben einen schnellen und gut organisierten Handball gespielt. Wir hatten eine gute Verteidigung und mit Kim Pettinger einen super Torwart im Rücken. Er ist wirklich überragend für sein Alter, immerhin ist er gerade mal 18.

Ein richtig junges Team seid ihr aber nun doch nicht?

Kremer Nein, das nicht, die Stammmannschaft ist um die 30, abgesehen von ein, zwei Spielern, die um die 20 sind. Die ganze Ersatzbank ist aber unter 25, sodass wir auf ein Durchschnittsalter von 26 kommen. Wichtig zu erwähnen ist, dass wir fast ausschließlich Merscher sind, die in der Tat seit Jahren für diesen Aufstieg kämpfen.

Das ist aber wohl eher eine Finanzsache, als dass es die Philosophie des Vereins wäre, keine Spieler zu kaufen?

Kremer Sicherlich sind natürlich die Finanzen der Grund. Wir müssen mit den Jungs auskommen, die wir haben. Ich denke aber nicht, dass das etwas Schlechtes ist. Wir haben gegen Mannschaften gespielt, die viele Ausländer auf dem Feld hatten. Oft haben wir gemerkt, dass die Chemie nicht so stimmte wie bei uns. Die älteren Spieler halten unsere Mannschaft zusammen. Der Teamgeist stimmt und es besteht eine große Kollegialität.

Mit welchen Erwartungen geht ihr in die neue Saison?

Kremer Ich weiß nicht, ob wir konkrete Erwartungen haben. Wir sind uns bewusst, dass in der höchsten Spielklasse ein ganz anderer Handball gespielt wird. Es ist klar, dass wir für zwei Spiele antreten. Damit meine ich, dass wir realistisch sind und Chancen gegen Schifflingen und Petingen haben, wenn diese sich nicht noch massiv verstärken. Wir werden aber bei jeder Begegnung Vollgas geben. Bei schwierigen Spielen geht es auch darum, sich auf jene vorzubereiten, wo man Chancen hat.

Im Laufe der letzten Saison stand die Idee im Raum, die Nationaldivision aufzustocken, woraus dann doch nichts wurde. Wie ist Deine Meinung dazu?

Kremer Ich finde es sehr schade, dass nicht mehr Mannschaften oben spielen. Zehn oder zwölf Teams wären meiner Ansicht nach besser gewesen. Eine breitere Aufstellung der Nationaldivision hätte auf Dauer ein höheres Niveau in Luxemburg gebracht. Diese Idee wurde hauptsächlich von den großen Vereinen gekippt, wobei ich klar sagen muss, dass ich deren Weitblick vermisse. Ich frage mich, ob sie auf Dauer nur noch mit vier oder fünf Mannschaften in der höchsten Liga spielen wollen. Eine breiter aufgestellte Nationaldivision würde es zudem kleinen Vereinen ermöglichen, Luxemburger Spieler zu bekommen, die in anderen Teams nicht mehr so zum Zug kommen. Der Handball könnte überdies im ganzen Land leben und nicht nur in den vier großen Südmetropolen, was ja eigentlich ein bisschen lächerlich ist.

Die Herrenmannschaft steigt nach 30 Jahren auf, die Damen nach rund 15 Jahren ab, was ist da los?

Kremer Viele erfahrene Damen sind in der vergangenen Saison weggefallen, aus Gründen, die in einem gewissen Alter gut nachvollziehbar sind. Die jüngeren Spieler mussten also nachrücken. Diesen fehlte es aber noch an Erfahrung. Wenn man als sehr junger Spieler plötzlich das Ruder übernehmen muss, ist das keine leichte Aufgabe. Es fehlte allgemein auch an Spielerinnen und die Trainingseinheiten waren nicht gut besetzt, so führte nun einmal das eine zum anderen.

Wie sieht es ansonsten mit dem Nachwuchs aus?

Kremer Sehr gut, wir haben einen großen Jugendbereich. Zum Herrenteam stoßen übrigens auch drei junge Spieler, die aus einer sehr guten U17 kommen und die in zwei Jahren locker einen Stammplatz in der ersten Mannschaft einnehmen könnten. Der HB Mersch leistet seit 20 Jahren sehr gute Jugendarbeit und das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern. Mersch hat momentan insgesamt rund zehn Mannschaften, manche auch in Fusion mit Diekirch