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EU-Projekt zur Bekämpfung von Kriminalität im Darknet

Die Bandbreite illegaler Aktivitäten und Tatgelegenheiten im bzw. mittels des Internets ist groß und reicht von der Verbreitung von Kinderpornografie im Internet über „Phishing“ persönlicher Zugangsdaten, Handel mit Waffen und Rauschgift bis hin zu Netzwerkeinbrüchen und DDoS-Attacken, der Verbreitung von Schadsoftware und Betrugshandlungen. Dies alles geschieht unter Nutzung von Clearnet/Visible Web, der dort existierenden Foren der Underground Economy, von DeepWeb und Darknet. Im Phänomenbereich Cybercrime sei – wie in kaum einem anderen Deliktsbereich – eine kontinuierlich steigende Kriminalitätsentwicklung zu verzeichnen, bilanzieren europäische Strafverfolgungsbehörden etwas resigniert.

Das EU-Projekt Titanium zur Bekämpfung von Kriminalität im Darknet soll dem nun abhelfen, es hat 2019 seine Praxisphase gestartet, mit der Spezialisten aus 15 Forschungseinrichtungen, IT-Unternehmen und Polizeibehörden über mehrere Monate aktiv illegale Cyberaktivitäten aufspüren wollen.

Dream Market, Tochka, Wall Street Market, Silk Road 3.1

Titanium erforscht neue datengesteuerte Techniken und Lösungen, die dazu dienen, Strafverfolgungsbehörden zu unterstützen, die mit der Untersuchung krimineller oder terroristischer Aktivitäten mit virtuellen Währungen und/oder Märkten im DarkNet beauftragt sind.

Seit diesem Jahr nun steht den Polizeibehörden in Österreich, Deutschland, Finnland und Spanien die entwickelte Software zu Testzwecken zur Verfügung. Mit Hilfe der Software aus eigener Entwicklung wollen die Sicherheitsexperten gerichtsfestes Beweismaterial aufspüren. Das Projekt legt dabei besonderes Augenmerk auf die Einhaltung von rechtlichen und ethischen Vorgaben.

Der Bedarf an solchen Lösungen zeige sich an der zunehmenden Zahl und Vielfalt krimineller und terroristischer Aktivitäten und Bedrohungen, die sich auf den pseudo-anonymen Charakter virtueller Währungen wie Bitcoin und die Geheimhaltung vom Plattformen wie Dream Market, Tochka, Wall Street Market, Silk Road 3.1, die als versteckte Dienste über Darknetze wie Tor, Freenet oder I2P angeboten werden, wie es von offizieller Seite her heißt. Denn Währungen wie ZCash oder Monero ermöglichen einen von Banken unabhängigen Handel.

Die offiziellen Stellen erhoffen sich durch Titanium verbesserte Ermittlungsmöglichkeiten für Strafverfolgungsbehörden in Fällen, die virtuelle Währungen und Dunkelmärkte betreffen. Dadurch sollen Verbrechen schneller aufgeklärt und Auswirkungen auf die Opfer und die Ermittlungskosten reduziert werden, wie es
beispielsweise das deutsche Bundeskriminalamt, einer der Hauptpartner, formuliert. Auf diese Weise könnte die gesamte europäische Gesellschaft von verbesserten Strafermittlungsmethoden profitieren, was wiederum zu einer allgemeinen Verringerung der Kriminalität führe, wie es aus Brüssel heißt. Darüber hinaus werde das Projekt es europäischen kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen, innovative Instrumente zu entwickeln und die europäische Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Titanium endet offiziell am 30. April 2020 bei einem Gesamtbudget von rund fünf Millionen Euro, die von der EU-Kommission bereitgestellt wurden.