LUXEMBURG
CHRISTIANE STEFFEN

Die Rechnungen können nicht mehr beglichen, das Darlehen nicht mehr zurückgezahlt werden oder ein Teil des Lohnes wurde gepfändet. Wer nicht mehr ein oder aus weiß, kann sich an die Beratungsstelle für Überschuldung von „Inter-Actions“ wenden. Für die stellvertretende Verantwortliche der Beratungsstelle und Verantwortliche für Prävention Christiane Steffen ist das Thema Überschuldung allerdings mit einigen Vorurteilen verbunden.

„Häufig wird Überschuldung mit Vorurteilen in Verbindung gebracht, indem gesagt wird, dass diese Menschen ihren Haushalt schlecht managen, über ihren Verhältnisse leben oder ihre Schulden schlicht nicht begleichen wollten, also insgesamt selbst an ihrer Situation schuld seien. Dem ist aber nicht so. In den meisten Fällen sind es Lebensunfälle, also Einschnitte in ihrem Leben wie eine Trennung, Krankheit oder gescheiterte Versuche, sich selbstständig zu machen, durch die ihre budgetäre Lage auf den Kopf gestellt wird.

Über Geld spricht man nicht, ob man nun viel hat oder nicht. Und weil das so ist, versuchen die Betroffenen zunächst, sich selbst aus ihrer Situation zu befreien, etwa dadurch, dass sie kleine Darlehen - häufig auch im nahen Ausland - aufnehmen oder sich Geld bei Freunden oder der Familie leihen. Diese Situation bedeutet für die Betroffenen und ihre Angehörigen nicht nur eine Belastung der persönlichen Beziehungen, es besteht zudem das Risiko eines Schneeballeffekts, weil das Geld irgendwann doch wieder aus ist und dann auch noch Zinsen beglichen werden müssen. Diese Situation stellt für die Betroffenen in gesundheitlicher und psychischer Hinsicht eine extreme Belastung dar und für viele Menschen ist es schwierig, sich einzugestehen, dass sie ein Problem haben. Unsere Aufgabe besteht deshalb häufig zunächst darin, zuzuhören und den Klienten wieder etwas Selbstwertgefühl zu vermitteln, bevor die Situation im Detail analysiert und etwa der Dialog mit dem/den Gläubiger(n) gesucht werden kann.

In den vergangenen Jahren haben wir zwischen 300 und 350 neue Dossiers pro Jahr eröffnet. Einige davon können schnell geklärt werden. Insgesamt werden die Dossiers aber immer komplexer. Bei dieser Gelegenheit ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass auch Menschen aus der oberen Mittelschicht durch einen Lebensunfall schnell in eine Situation abrutschen können, in der beispielsweise die hohen Wohnkosten, ob in Form von Miete oder Rückzahlung eines Darlehens, zu finanziellen Schwierigkeiten führen können. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt und der Mangel an und die langen Wartezeiten für Sozialwohnungen spiegeln sich auch in den Dossiers wider.

Auf nationalem Plan hat es in den vergangenen drei Jahren weniger als zehn Schuldenbereinigungen gegeben. Dass es nicht mehr sind, ist eine verhältnismäßig gute Nachricht, weil es bedeutet, dass die meisten Betroffenen im Verlauf der Prozedur, die zunächst durchlaufen werden muss, einen Weg gefunden haben, um mit eigenen Mitteln aus ihrer Situation herauszufinden.“

Mehr Informationen unter www.dettes-net.lu. Die Beratungsstelle für Überschuldung kann anonym über Telefon oder Internet kontaktiert werden