ECHTERNACH
CORDELIA CHATON

Die Euro-Composites Group in Echternach baut weiter aus - 160 Millionen Euro Investment

Wenn Wirtschaftsminister Etienne Schneider persönlich vorbeischaut, dann geht es um ein großes Projekt. Das war auch der Fall gestern im Echternacher Industriegebiet. Die Euro-Composites Group unterzeichnete einen Vertrag mit dem Bürgermeister Echternachs Yves Wengler, dem Wirtschaftsministerium und der staatlichen Projektfördergesellschaft SNCI, vertreten durch ihren Präsidenten Patrick Nickels. Konkret geht es um ein Grundstück neben dem bisherigen Werk, denn das Industrie-Unternehmen will ausbauen. Rund 160 Millionen Euro sollen in den kommenden zehn Jahren investiert werden.

Rolf Mathias Alter, CEO und Chairman der Euro-Composites Group, hatte diese 1984 in Echternach gegründet. „Das ist ein Zehn-Jahres-Entwicklungsprojekt, ein Zukunftssicherungsprojekt. Wir wollen unser Center of Excellence verdoppeln, nächstes Jahr neue Keramikprodukte und solche aus Titanium und rostfreiem Stahl herstellen“, gab er bekannt. Der Firmengründer, der immerhin 85 Jahre alt ist, wurde von Schneider sehr für seine innovativen Ideen gelobt. „Andere ziehen in ihrem Alter an die Côte d’Azur - und sie haben hier ein eigentümergeführtes Unternehmen, von denen es leider nicht mehr viele gibt“, unterstrich der Wirtschaftsminister. Alter versprach, die kommenden zehn Jahre noch am Steuer zu bleiben. Die Nachfolge ist indes schon geregelt.

Waben für die Flug- und Raumfahrtindustrie

Euro-Composites stellt Wabenstrukturen verschiedener Größe her, die mit Harz verstärkt und zugeschnitten werden können und dann zumeist im Flugzeugbau eingesetzt werden, beispielsweise, um daraus Böden, Bordküchen, Flügelteile oder Flugtoilettenkabinen zu bauen. Sie sind gleichermaßen fest und leicht. Für Alstom, Siemens und andere Hersteller im Schienenbereich liefert Euro-Composites Wabenstrukturen aus Metall, meist Aluminium, die beispielsweise die Böden verstärken. Teilweise werden fertige Elemente direkt angeliefert. Darüber hinaus hat Euro-Composites einen speziellen elastischen Boden entwickelt, der zum Beispiel vermeidet, dass Panzerfahrer durch eine Granate sterben. Dieses Produkt wird von der österreichischen Armee schon verwendet. Auch Bodenpaneele für Schiffe und Abwurfpaletten für Fallschirmsysteme fertigt der Hersteller. Es gibt Waben aus Kevlar, Nomex, Karbonfasern oder Titan, die ebenfalls mit Phenolharz versiegelt werden können. Für 2020 ist in Bitburg eine Produktionsanlage zur Herstellung von Aluminiumwaben aus Legierungen geplant.

„Im Bereich Space haben wir noch große Wachstumsmöglichkeiten. Dort haben wir bislang rund 20 Millionen Euro investiert“, berichtet der Chef, der extra Ingenieure angeheuert hat. Wirtschaftsminister Schneider lächelt, zufrieden, dass seine Initiative auch in der Industrie Rückhalt findet. Alter erzählt, dass Euro-Composites auch die EASA 21S Zulassung hat, die es dem Unternehmen ermöglicht, Flugzeugbauteile zu verändern und auf Wunsch auch zu reparieren. Airbus und Boeing gehören zu den großen Kunden. Momentan forscht Euro-Composites an Materialien, die Militärflugfrequenzen passieren lassen. Spezielle staubfreie Räume ermöglichen die Produktion für anspruchsvolle Kunden aus dem Bereich Space. Dieser soll ausgebaut werden. Deshalb braucht das Unternehmen mehr Mitarbeiter.

„Bislang arbeiten bei uns 850 Mitarbeiter in Echternach, weitere 210 bei unserer Tochter in den USA und fast 40 bei unserer Tochter in Bitburg“, erklärt der Chef. In den nächsten zehn Jahren plant er bis zu tausend Mitarbeiter. „In den USA werden wir die Zahl verdoppeln, in Bitburg werden wir auf 80 bis 100 gehen und wir werden noch schneller wachsen“, versichert er. In Echternach sollen mindestens hundert neue Arbeitsplätze entstehen.

Möglich ist das Wachstum dank der starken Rendite von zehn Prozent. Der Umsatz für 2018 liegt bei 176 Millionen Euro, soll 2020 bei 190 Millionen Euro liegen und steigen. „Bald könnten es 250 Millionen Euro sein, dann sind die 300 Millionen Euro nicht mehr weit“, gibt der CEO die Richtung vor. „Wir werden den Stammsitz ausbauen und dann kommen die Tochtergesellschaften.“