LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wie der Geheimdienst Informationen über die Kommunisten sammelte

Ist wie sein Vater, eifriger Anhänger der Partei. Sämtliche kommunistische Zeitungen werden von ihm ausgetragen. Beim Aufhängen der Plakate ist er stets dabei. In den Versammlungen wurde er noch nicht gesehen. Bei den Umzügen beteiligt er sich jedoch. Bei den letzten Gemeindewahlen, war er dabei, um am frühen Morgen die Plakate aufzukleben.“ Ein Eintrag von 1952 auf einer Karte der so genannten „00“ oder „éléments communistes“ (ELCOM)-Datei, die laut den Historikern in ihrer originalen Version nicht mehr existiert und nur durch Mikrofilmkopien rekonstruiert werden konnte. 2.222 Personen und 243 Familienmitglieder wurden in der Kartei geführt, die offensichtlich von den Gendarmeriebezirken gespeist wurde.

Abhörgeräte bei den KPL-Oberen

Die Einträge reichen von den Vorständen der kommunistischen Partei bis zu den Abonnenten der „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek“, „welche das Personal des SREL aufmerksam las“, wie im Geisler/Reitz-Bericht vermerkt ist.

Wobei die hohen Verantwortlichen der KPL rund um die Uhr in ihrer Arbeits- und Freizeit überwacht wurden - manchmal über Jahre, da sogar bei ihnen zuhause Wanzen angebracht wurden. Bei einer Zielperson zuhause funktionierte gar ein Abhörgerät zwischen 1965 und 1987, auch wenn der Geheimdienst zuletzt seit Jahren nicht mehr lauschte. Andere Dokumente erzählen von der Bestechung von Betreibern von Versammlungsräumen, um dort geheime Tonaufnahmen machen zu können und der Anwerbung sogar von Familienmitgliedern als Spitzel. So gelang es etwa in den 1950ern dem Geheimdienst, den Sohn eines Kommunisten für seine Sache zu gewinnen. Der Mann drehte sogar mit einer SREL-Kamera Bilder vom Besuch einer kommunistischen Vereinigung in Sofia.

Botschaften unter Dauerbewachung

„Diese Akten sind selten, aber sehr dicht“, schreiben die Historiker über die Kommunisten in Luxemburg, die unter Dauerüberwachung standen. Das Gros der Kartei „ELCOM“ wurde übrigens zwischen 1965 und 1973 angelegt und bis Ende der 1980er up-to-date gehalten. Im Fadenkreuz des Geheimdienstes standen freilich auch alle Botschaften, Bürger und Unternehmen aus dem sowjetischen Einflusskreis. Im Besonderen die sowjetische Botschaft im Beggener Schloss natürlich, die streng überwacht wurde.

Mit Kameras und Agenten von Außen, die systematisch den Wagen der Botschaft folgten, während der Geheimdienst alles mögliche versuchte, um drinnen an Informationen zu kommen. So hatte der SREL seit Anfang der 1960er Einsicht in die Konten der Botschaft bei einer Luxemburger Bank, hörte die Telefonzentrale und den Funkverkehr aus der Botschaft ab und versuchten Informationen über Zulieferer und Mitarbeiter zu bekommen. „Die Quelle H hat den dritten Sekretär der sowjetischen Botschaft zu sich nach Hause eingeladen, um ihn betrunken zu machen mit „zwei ordentlichen Whiskies zum Aperitif, anderthalb Flaschen Beaujolais beim Essen und eine volle Flasche Williamsbirnenschnaps als Digestif“ - nur um einige unnötige Informationen aus ihm herauszubringen, schreiben die Historiker in ihrem Bericht.

Auch andere Botschaften aus dem „Ostblock“ wurden lange überwacht, wer in ein Flugzeug von Aeroflot, Balkan Air oder eine andere Gesellschaft aus sozialistischen Republiken einstieg, landete direkt in der SREL-Kartei, die sich auch mit Einträgen über Mitglieder von Vereinigungen füllte, die die Freundschaft zwischen Luxemburg und kommunistischen Staaten pflegten. „Es war alles aufgebaut gegen den Kommunismus“, erklärt Jean Reitz. Erst mit dem Fall der Sowjetunion war das vorbei.