KÄERJENG
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Steckbrief Käerjeng

Fünf Kandidatenlisten im Wettbewerb

Käerjeng dehnt sich auf 3.364 Hektar aus und zählt derzeit 10.232 Einwohner gegenüber 9.671 im Jahr 2011. Die Kommune besteht aus den Ortschaften Bascharage, Hautcharage, Linger, Clemency und Fingig. Die letzten Gemeindewahlen fielen kurz vor die Fusion der damaligen Gemeinden Bascharage und Küntzig. Regiert wird die Gemeinde seit 2011 von einer Koalition aus CSV, „Biirger-Interessiën Gemeng Kéinzig“ und Grünen. Die CSV hat vier Mandate, die LSAP fünf, die BIGK zwei, die Grünen zwei und die DP eins. Eine vormalige LSAP-Rätin sitzt seit geraumer Zeit als Unabhängige im Rat. 2011 gab es getrennte Wahlen in den beiden Fusionsgemeinden. 2017 wird nun zum ersten Mal auf dem gesamten Territorium gewählt. Das bedeutet auch, dass die Zahl der Mandate von 17 auf 15 reduziert wird. Interessant ist, dass der Koalitionspartner BIGK nicht mehr bei diesen Gemeindewahlen antritt. Neu ist, dass die ADR ebenfalls mit einer Kandidatenliste antritt. Mit dem Abgeordneten Fernand Kartheiser an der Spitze.

In der Fusionsgemeinde Käerjeng wird am 8. Oktober zum ersten Mal ein Gemeinderat auf dem ganzen Territorium gewählt. Vor der Fusion zum 1. Januar 2012 war noch separat in Bascharage und Clemency gewählt worden, der Gemeinderat der neuen Fusionskommune bestand aus 17 Mandaten. Das wird nun zurück auf 15 geführt. In Käerjeng war damals eine Koalition zwischen CSV, Grünen und „Bierger-Interessien Gemeng Kéinzig“ zustande gekommen, das hatte für Aufruhr gesorgt, war die stärkste politische Formation, die LSAP, doch nicht in die Verantwortung gekommen. Was hat die Koalition fertiggebracht? Was bleibt noch zu tun? Ein Gespräch mit Gary Kneip, dem Spitzenkandidaten der DP, die ein Mandat im Gemeinderat innehat.

Herr Kneip, Sie sind unter anderem bekannt als IT-Unternehmer, als ehemaliger Präsident der Handelskonföderation sowie des Wirtschafts- und Sozialrates. Warum wollen Sie nun in die Gemeindepolitik?

Gary Kneip Weil ich in Käerjeng, wo ich seit 2014 wohne, Dinge im Interesse der Bürger verbessern möchte. Ich bin jemand, der sich voll und ganz in eine Aufgabe hinein hängt und so habe ich alle Mandate in diversen Vereinigungen aufgegeben, um mich voll und ganz Käerjeng zu widmen. Wir haben die DP Sektion erneuert und gestärkt und ein dynamisches Team aufgestellt, mit dem wir in die Verantwortung kommen möchten, wenn die Bürger dies erlauben. Unser Mindestziel sind drei Sitze im Rat.

Wie bilanzieren Sie die Arbeit der amtierenden Koalition?

Kneip Ich bin der Meinung, dass sie die Gemeinde nur ungenügend auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet hat und sie den finanziellen Spielraum, den sie dafür braucht, durch unbedachte Ausgaben beschränkt.
Bezeichnend dafür ist die Finanzierung der Ausstellung über den 1. Weltkrieg, die mit sage und schreibe 450.000 Euro zu Buche schlug und nun an CSV-Kollegen von Bürgermeister Michel Wolter, der die Ausstellung vor allem zur Selbstdarstellung nutzte, für einen kleinen Obulus verliehen wird. Was hätte man mit dem Geld alles machen können!
Zumal, wenn man bedenkt, dass die Finanzlage eine Katastrophe ist, bereits 2019 könnten die Reserven aufgebraucht sein, obwohl ein Teil der Fusions-Projekte noch nicht abgeschlossen sind. Uns beunruhigt auch, dass das Marketing-Budget der Gemeinde explodiert ist und ein großer administrativer Apparat aufgebaut wurde, der allerdings nicht funktioniert, wie er sollte, weil er schlecht geführt ist.

Wie meinen Sie das?

Kneip Die Bürger warten zu lange auf ihre Antworten und dann sind sie auch noch kaum begründet. Die Entscheidungen müssen viel transparenter werden und die Informationen für die Bürger viel einfacher zugänglich sein. Wir möchten auch eine regelmäßige
Sprechstunde einführen, bei der die Bürger ihre Anliegen direkt an die politisch Verantwortlichen richten können. Wir werden dafür sorgen, dass die politischen Entscheidungen transparenter werden. Die Gemeinderatssitzungen sollen live über das Web übertragen und die Informationen schnell an die Bürger herangetragen werden.

Käerjeng erstickt im Verkehr. Wie wollen Sie da Abhilfe schaffen?

Kneip Die Schadstoffbelastung ist unerträglich und es müssen dringend Alternativen her, da sind wir uns mit der Majorität einig. Wir hoffen, dass die Umgehungsstraße schnell verwirklicht werden kann und sie mit der von Dippach, die ja nun endlich kommen soll, verbunden werden kann. Das wird eine riesige Entlastung bringen. Nun muss aber auch dafür gesorgt werden, dass der Verkehr zwischen den Dörfern verbessert wird. Fingig zum Beispiel ist schlecht an den öffentlichen Transport angebunden. Wir möchten einen Rufbus einführen, um diese Verbindungen zu verbessern. Auch möchten wir die sanfte Mobilität fördern, indem wir zum Beispiel ein Fördersystem für Elektrofahrräder vorschlagen.
Die Idee ist, den Kauf vorzufinanzieren. Der „Night Rider“-Kartenservice soll wieder eingeführt werden und wir wollen den Covoiturage promoten. Wir brauchen auch ein Parkraumkonzept. In diesem Sinne werden wir uns auch für eine „vignette résidentielle“ einsetzen. Wir wollen auch die verantwortlichen staatlichen Verwaltungen dazu bewegen, in den Seitenstraßen in Niederkerschen den Verkehr auf die Anrainer und deren Besucher zu beschränken. Schlussendlich werden wir die Projektführung der Straßenarbeiten straffen und den Bürger besser einbinden, bei diesem Thema hat die aktuelle Majorität weitgehend versagt.

Sie haben im Vorfeld der Gemeindewahlen eine Reihe von Umfragen gestartet. Was bezwecken Sie damit?

Kneip Es ist uns natürlich wichtig, den Puls der Bürger zu fühlen. Ein Anliegen, das für die jetzige Majorität offensichtlich nicht so wichtig ist. Wir haben unter anderem eine Umfrage zur Zufriedenheit der Eltern mit den „Maison Relais“ in Niederkerschen und Küntzig gestartet. Dabei stellte sich zwar heraus, dass man im Allgemeinen mit den Diensten zufrieden ist, dass aber die Flexibilität bei der Ankunft und dem Abholen der Kinder zu wünschen übrig lässt und das häufige Wechseln des Personals unzumutbar hoch ist.
Da gibt es also zweifellos Verbesserungsbedarf, wie es auch weiterhin einen großen Bedarf gibt, neue Betreuungsplätze zu schaffen, so wie das jetzt nach dem Abriss der Hall75 geschehen wird, von denen wir aber heute schon wissen, dass sie der Nachfrage nicht entsprechen. Statt das Problem anzugehen zurzeit, greift jetzt die Majorität uns und das Lehrpersonal an und weist jegliche Verantwortung von sich. Das zeugt von einem Politikstil, der alles andere als lösungsorientiert ist.

Welche Lösungen schlagen Sie noch vor, um die Lebensqualität der Bürger in Käerjeng zu steigern?

Kneip Wir setzen uns dafür ein, dass mehr Wohnraum geschaffen wird, auch Sozialwohnungen und betreute Wohnungen für Senioren, wir werden das Projekt zum Seniorenheim tatkräftig begleiten. Darüber hinaus wollen wir Gemeinschaftsgärten schaffen, die als Treffpunkte in der Gemeinde dienen sollen.
Die Vereine aus Küntzig haben unter der Fusion gelitten, da seither alle großen und einträglichen Feste in Käerjeng abgehalten werden. Wir werden dafür Sorge tragen, dass ein gerechtes Gleichgewicht geschaffen wird, indem wir, in Zusammenarbeit mit den Vereinen, neue Feste und Konzepte nach Küntzig bringen.
Überhaupt wollen wir mehr tun für Küntzig, wo endlich ein Bankautomat aufgestellt werden muss. Mit der DP in der Verantwortung wird es eine Generalüberprüfung der Infrastrukturen geben, die regelmäßig wiederholt wird.
Wir werden es nicht so weit kommen lassen, wie diese Koalition, die trotz stetiger Warnungen 19 von 23 Spielplätzen hat in einen desolaten Zustand verfallen lassen und nun plötzlich vor den Gemeindewahlen Maßnahmen dagegen ergreift. Wir werden das Thema Bau der Umgehungsstraße in den Aufgabenbereich der Verkehrskommission geben, um sicherzustellen, dass alle Entscheidungen in totaler Transparenz genommen werden.