LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Podiumsdiskussion über die die Rolle und den Stellenwert der Museen

Die offizielle Vorstellung der Publikation „Parlons Musée!“, die von drei Forschern der Universität Luxemburg zusammengestellt wurde, diente gestern Mittag als Anlass, um im Auditorium des Mudams über die Rolle und den Stellenwert der Museen in Luxemburg zu diskutieren. An der von Forscher Paul di Felice moderierten Runde beteiligten sich die Journalistin Josée Hansen, Mudam-Direktor Enrico Lunghi, Bob Krieps aus dem Kulturministerium, Casino-Direktor Jo Kox, Galerist Alex Reding und der Kunsthistoriker und Kurator Christian Mosar.

Professionalisierungder Szene

Über den Sinn und Zweck, beziehungsweise die Rolle eines Museums durften die Teilnehmer gleich zu Beginn der Runde reflektieren. Museen sind heute nicht nur Begegnungsorte, an denen Kunstsammlungen zum Nachdenken, beziehungsweise zum Austauschen von Ideen anregen, sondern heute vermehrt Orte, die Arbeitsplätze für die unterschiedlichsten Arbeitnehmer schaffen.

Würde man über die Rolle sprechen, die ein Museum übernehme, müsse man aber stets zwischen den einzelnen Museumstypen differenzieren, merkte Enrico Lunghi an. Die Rolle des einzelnen Hauses lasse sich zum Beispiel anhand seiner Exponate definieren, die es ausstelle, erklärte der Direktor des Museums für Moderne Kunst. Für Christian Mosar steht fest, dass Museen für zeitgenössische Kunst heute die Kunstszene beeinflussen. Bob Krieps griff diesen Gedanken auf und unterstrich, dass Museen für zeitgenössische Kunst eminent wichtig für die Entwicklung der Kunstszene seien, da diese einen direkten Einfluss auf die Karriere der Kunstschaffenden ausüben würden. Josée Hansen ihrerseits meinte, dass die Entstehung zweier Institutionen wie dem Casino Luxembourg und dem Mudam dazu beigetragen hätte, in der gesamten Szene eine gewisse Dynamik aufkommen zu lassen. Allerdings befände sich diese Kunstszene nun seit einigen Jahren in einer Art kreativer Krise.

Enrico Lunghi bemerkte, dass 1995 keineswegs das kulturelle Jahr Null dargestellt habe, allerdings habe die Szene erst vor 20 Jahren begonnen, sich zu professionalisieren. Man müsse die gesamte Szene analysieren, um sie zu verstehen, ergänzte Lunghi.

Fehlen einer globalenVision bemängelt

Galerist Alex Reding seinerseits vermisst eine globale Vision für die Kunst- und Kulturszene in Luxemburg. Dem Land fehle es an Politikern, für die der Wert von Kultur im Vordergrund stehe. Es bedürfe solcher Leute, um die Entwicklung der Gesellschaft voran zu treiben, meinte der Kunstkenner und Galeriebesitzer, der auf die beiden französischen Politiker Jack Lang und André Malraux verwies.

Dass Kultur in den meisten Fällen öffentliche Gelder als Geburtshelfer braucht, wurde gestern einmal mehr deutlich. Es sei nahezu ein Ding der Unmöglichkeit in den Museen Ausstellungen von internationaler Klasse auf die Beine zu stellen, wenn die Subventionen eingefroren oder nicht erhöht werden würden, betonte Lunghi.

Die Runde bekam von Moderator Paul di Felice auch die Gelegenheit, sich zur Rolle der Kunstkritik zu äußern. Eine Kritik - sei sie in schriftlicher oder audiovisueller Form - solle für den Leser und Hörer immer einen Mehrwert gegenüber der Kunstausstellung darstellen, erklärte Kunstkritiker Mosar. Für Lunghi muss Kunstkritik auf Argumenten fußen; Casino-Kollege Kox bedauerte, dass in den nationalen Medien der Kultur im Allgemeinen zu wenig Platz eingeräumt werde.

Alex Reding betonte, dass es wichtig sei, dass in der Presse überhaupt eine Kritik über eine Ausstellung in einer Galerie oder einem Museum erscheine. Ob diese positiv oder negativ sei, sei eher zweitrangig.