LUXEMBURG
MARCO MENG

Mit Luxcaddy starteten zwei Freunde einen E-Commerce der besonderen Art

Jacques Lorang und Georges Kraft haben sich 1995 beim Ausüben der gemeinsamen Leidenschaft kennen gelernt: Dem Heißluftballonfahren. Seitdem sind sie befreundet und sprangen 2007 gemeinsam ins kalte Wasser, als sie ihr eigenes E-Commerce-Unternehmen gründeten. Das Besondere: Es geht dabei nicht um Bücher oder Elektroartikel, sondern um Lebensmittel.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Georges Kraft Eigentlich kommen wir aus zwei ganz anderen Bereichen und arbeiteten vorher bei einer Internetfirma, wo wir Webseiten entwickelten, und irgendwann sagten wir uns, das könnten wir auch für uns selbst machen. Aber wir wollten nicht das machen, was jeder tat, wie Bücher oder CDs übers Internet zu verkaufen.

Jacques Lorang Unsere Überlegung war: Was macht Sinn, was braucht jeder, und vor allem auch, was kann man in Luxemburg lokal anbieten. Und so kamen wir auf Lebensmittel.

Kraft Nach fast einem Jahr der Vorbereitung hatten wir die erste „E-Commerce“-Webseite für Lebensmittel in Luxemburg unter dem Namen „epicerie.lu“ online gestellt, das war 2007. Drei Jahre darauf war dann Luxcaddy daraus geworden.

War am Anfang viel Überzeugungsarbeit nötig?

Lorang Wir sind ganz konventionell, mit kleinen Schritten, an die Sache rangegangen und haben am Anfang die Investitionen so niedrig wie möglich gehalten. Schon nach einem Jahr und mit anfangs nur einem Kühlwagen schrieben wir schwarze Zahlen und hatten keine riesigen Schulden, die wir hätten abbauen müssen. Das hat dafür gesorgt, dass sogar bei dem kleinen Anfangsvolumen eine Rentabilität da war. Diese Linie haben wir beibehalten, wenngleich das Volumen deutlich gewachsen ist. Man hätte natürlich am Anfang einen Investor suchen können, um die Sache gleich groß aufzuziehen, das wäre eine Möglichkeit gewesen. Aber so haben wir es alleine gemacht, die Firma gehört zu hundert Prozent uns, ist schuldenfrei und läuft gut. Wir haben also zumindest vieles richtig gemacht.

Kraft Natürlich war am Anfang auch vieles schwierig, weil wir alles selbst taten: Wir haben die Internetseite selbst entwickelt, bestellt und Bestellungen aufgenommen, haben die auch selbst verpackt und selbst ausgefahren, das ging so etwa eineinhalb Jahre. Da war natürlich viel Action, aber es hat gleichzeitig auch Spaß gemacht. Als Unternehmer arbeitet man eben so lange wie Arbeit da ist.

Waren Sie nie nervös?

Lorang Na ja, eine gewisse Anspannung war zwar jeden Tag da, aber wir waren von Anfang an überzeugt von dem, was wir taten und haben auch schnell gesehen, dass es in die richtige Richtung geht. Freilich gab es am Anfang natürlich auch ein paar Kinderkrankheiten, aber wir hatten ja keine riesige Struktur, also waren wir flexibel und konnten Fehler schnell beheben. Wir haben im ersten Jahr definitiv viel gelernt und lernen immer noch. Wir können heute sagen, dass das hundertprozentig unser Métier ist.

Kraft Als vor vier Jahren Cactus begann, Heimlieferungen anzubieten, hatten wir erst mal geschluckt, und für einen Moment befürchteten wir, die ganze Arbeit sei umsonst gewesen. Bald aber merkten wir, dass dem nicht so ist, auch weil wir uns nochmal mehr anstrengten. Und wie man sieht: Es gibt uns immer noch. Im Nachhinein können wir sagen, wir haben den Cactus nicht gespürt, weder in die eine noch die andere Richtung.

Wie haben Sie die Kunden gewonnen?

Kraft Anfangs haben wir Werbung gemacht, um uns bekannt zu machen, hauptsächlich kamen dann aber die Kunden durch einfache Mund-zu-Mund-Propaganda. Ein zufriedener Kunde brachte den nächsten, so hat sich das entwickelt.

Lebensmittel ist aber etwas ganz Spezielles

Lorang Ja, das ist aber sogar unser Vorteil. Dinge in die ganze Welt zu liefern, das bieten viele an. Der Lebensmittelmarkt braucht aber eine ganz präzise Logistik. Wir kennen das Métier und die Kundenbedürfnisse, weil wir sowohl am Kunden als auch am Hersteller nah dran sind.

Kraft Angefangen hatten wir mit etwa 600 Produkte, jetzt sind es etwa 5.000. Wir hatten das Glück, gleich von Anfang einen guten, zuverlässigen Lieferanten zu gewinnen, die Provençale, sowie lokale Bäcker. Heute liefern verschiedene Hersteller nachts frisch ihre Produkte an. Dieses Frische und Lokale ist auch etwas, das die Leute wertschätzen.

Lorang Gemüse, Obst und solche Sachen lagern wir nicht ein, sondern es kommt frisch vom Bauer, vom Metzger oder Bäcker zum Kunden. Mit diesen Produkten machen wir auch den meisten Umsatz. Das ist auch die Richtung, in die wir noch mehr wollen: Frische Produkte direkt vom Bauern, so unterstützen wir den lokalen Bauern und ermöglichen es dem Kunden, lokale Produkte zu konsumieren.

Kraft Der Umsatz wächst jährlich um die zwanzig Prozent und hat letztes Jahr 1,4 Millionen betragen. Das heißt, mit kleinem Anfangskapital, wie wir es in die Firma steckten, kann man das erreichen, es verlangt bloß nach Disziplin. Im Mai werden wir nun mit dem Bau einer neuen Halle beginnen und zu den heute sechs Mitarbeitern noch drei weitere einstellen.