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NORA SCHLEICH

Sophias Traum vom eigenen Modelabel geht in Erfüllung

Die gebürtige Chilenin Sophia Moranga Starchikova (28) liebt Mode. Was zunächst klischeehaft klingt, hat sich aber dennoch immer mehr bestätigt: Nach dem Fashiondesign-Studium in Chile war für sie klar, dass Mode mehr als nur ein Hobby sein sollte. Mit viel Hingabe widmet sie sich nun dem Schneidern ihrer Kleider und besetzt diese mit aufwendigen, selbstgestalteten Stickereien. Dass Tagträumen genauso zum Modeschaffen hinzugehört, wie die Beobachtung der Wesen der Menschen, erzählt uns Sophia im Interview.

Wie bist Du nach Luxemburg gekommen?

SOPHIA MORANGA STARCHIKOVA In Chile war ich viel als Sport-Bogenschütze unterwegs. Auf einem internationalen Turnier habe ich meinen jetzigen Freund, den Luxemburger Jeff Henckels getroffen. Wie das Leben es so will, bin ich dann auch in Luxemburg gelandet.

War Mode schon immer Dein Traum?

SOPHIA Ja! In Chile habe ich Fashiondesign studiert und versuche mich nun, hier in Luxemburg als freischaffende Modedesignerin zu etablieren. Ich habe auch noch eine Ausbildung in Frankreich absolviert, zum Spezialgebiet Mode-Stickerei. Momentan bin ich dabei, mein Modelabel „Mia Sophia“ bekannt zu machen. Für Mode habe ich mich schon immer interessiert und wollte von klein auf Modedesignerin werden. Als ich einen Dokumentarfilm über die französische Haute Couture sah, wurde ich darauf aufmerksam, dass dort viel mit Stickerei gearbeitet wird. Das hat mich fasziniert, und ich wollte das unbedingt auch lernen. Um richtig, richtig gut zu sein braucht man etwa fünf Jahre. Da bin ich noch nicht, aber ich bin weiter am Lernen.

Was ist das Besondere an dieser Technik?

SOPHIA Man arbeitet mit feinen Nadeln und ausgewählten Fäden, manchmal auch mit vielen Perlen, Kristall und anderen Deko-Materialien. Ich mische zudem verschiedene Stickerei-Techniken und experimentiere gerne viel.

Und wie würdest Du den „Mia Sophia“ Style beschreiben?

SOPHIA Ich liebe organische Formen, gerade auch in einer eher subtilen oder minimalistischen Gestaltung. Beim Design von Hochzeits- oder Festkleidern bleibe ich gerne in einem eher romantischen Stil, mit der Stickerei kann eine gewisse Leichtigkeit oder ein Hauch der Schwebe kreiert werden. Ich arbeite aber auch an Shirts und alltäglicheren Kleidungsstücken. Ich verwende stets Bio-Baumwolle, da ich mich gegen Massenproduktion und schlechte Qualität wehre. Handgemachte Slow-Fashion ist mir sehr wichtig - meine Produkte sind alles Unikate.

Du lebst also tagelang im Atelier?

SOPHIA Um ein Hochzeitskleid zu schneidern und es mit Stickereien zu verzieren, braucht es bis zum Moment der Fertigstellung schon mal gut drei Monate. Meine Kreativität entsteht meist aus Tagträumerei. Ich denke ständig darüber nach, wie ich etwas gestalten könnte und freue mich dann, wenn ich die Ideen im Stoff verwirklichen kann.

Hast Du schon einiges verkauft?

SOPHIA Ich habe einige Kunden hier in Luxemburg, aber noch nicht viele. Meine Schwester in Chile trägt aber bereits Kleider von mir. Die Kunden sprechen mich via Facebook oder Instagram an oder buchen einen Termin bei mir im Atelier. Momentan übe ich mich noch mehr in der Stickerei und freue mich auf die Gelegenheiten, die sich mir bieten werden.

Was bedeutet der Begriff „Mode“ für Dich?

SOPHIA Das ist eine schwierige Frage. Momentan beschäftige ich mich viel mit Feminismus und stelle dann auch meine Mode in diesem Kontext in Frage. Wo will ich meine Mode hinbringen? Ich wehre mich natürlich gegen alle Arten des Sexismus, glaube aber auch an schöne Mode. Wobei ich aber denke, dass dies nicht einen Widerspruch an sich darstellt. Ich bin noch auf der Suche nach Antworten diesbezüglich.

Unterscheidet sich die Mode in Luxemburg von der in Chile?

SOPHIA Ja, ich denke schon. Natürlich spielt das verschiedene Klima bereits eine wichtige Rolle, aber auch in puncto Gesellschaft gibt es markante Unterschiede. In Chile steht graue oder dunkle Mode momentan im Vordergrund, was meines Erachtens aber vorwiegend damit zu tun hat, dass die Leute nicht glücklich sind. Die Menschen dort müssen sehr viel arbeiten und sind mit der politischen Situation auch nicht zufrieden. Die Gemütslage spiegelt sich in der Art wider, wie sich gekleidet wird. Die jungen Menschen fangen aber an, sich zu öffnen und sich ein wenig bunter anzuziehen. Hier in Luxemburg ist Mode wesentlich zugänglicher und breiter aufgestellt.

Mehr erfahren: Instagram:

miasophia_luxembourg, Facebook: Mia Sophia