LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Luc Bessons neuer Thriller heißt „Anna“

Der französische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Luc Besson scheint definitiv ein Faible für Spione und Auftragskiller zu haben. So erinnert sein neuster Film „Anna“ an „Nikita“ (1990), wo eine junge Punkerin zur Killerin ausgebildet wird, oder an „Léon“, in dem Jean Reno einen Auftragskiller für die Mafia spielt. Außer dass „Anna“ ordentlich in Szene gesetzt ist, hat der Film aber nichts Neues oder Originelles zu bieten.

Zwischen den Fronten

Der Film beginnt 1990. Auf einem Markt in Moskau spricht Samy (Jean-Baptiste Puech) Anna Poliatova (Sasha Luss) an. Er ist auf der Suche nach attraktiven Frauen, die er für eine Model-Agentur rekrutiert. Anna nimmt sein Angebot an und kommt nach Paris, wo sie sich schnell in die Elite der Models hocharbeitet. Sie beginnt eine Affäre mit ihrer Kollegin Maude (Lera Abova), bevor sie den steinreichen Oleg (Andrew Howard) kennenlernt. Anstatt mit ihm ins Bett zu springen, erschießt sie ihn!

Es folgen Flashbacks in die Jahre 1985 und 1987 und wieder zurück in die filmische Gegenwart von 1990. Der Zuschauer erfährt, dass Anna zu einer Spionin ausgebildet wurde, die im Auftrag des KGB handelt. Angeworben wurde sie durch Alex Tchenkov (Luke Evans), der ihr allerdings versprechen musste, ihr ihre Freiheit nach fünf Jahren wiederzugeben. Ihre direkte Chefin ist Olga (Helen Mirren), welche ihr die Aufträge erteilt. Anna wird andererseits vom CIA überwacht. Als der CIA-Agent Lenny Miller (Cillian Murphy) einen ihrer Aufträge abfängt, stellt er sie vor die Wahl, entweder auch für die Amerikaner zu arbeiten oder im Knast zu landen. Anna nimmt unter der Bedingung an, dass sie nach einem Jahr frei sein wird und unter einer anderen Identität weiterleben kann. Ihre erste Mission ist es, den KGB-Chef Vassiliev (Eric Godon) auszuschalten.

Konventionell

Besson scheint es definitiv an guten Ideen zu fehlen, dass er seine bewährten Geschichten aufwärmt und mit neuen Zutaten serviert. Einzig das stete Hin und Her zwischen 1990 und der Vergangenheit kann etwas überraschen und für leichte Spannung sorgen. So erfährt der Zuschauer zuerst, wie Anna eine unerwünschte Person liquidiert, und danach die Hintergründe. Oft sind die Ausgangssituationen nicht so, wie man sie anfangs präsentiert bekommt. Dennoch ist vieles vorhersehbar, und somit fehlt es dem zu konventionell inszenierten Film an Originalität.

Sasha Luss spielte in Bessons Science-Fiction-Film „Valerian and the City of a Thousand Planets“ eine Nebenrolle. Sie gefällt eigentlich als Anna, die sowohl eine intelligente Frau ist, wie eine Kämpferin, die allein eine ganze Horde Männer niedermetzelt. Apart ist auch die Rolle von Helen Mirren als eine nicht ganz durchsichtige KGB-Agentin, die möglicherweise ein vielfältiges Spiel treibt. „Anna“ ist leider nicht Bessons bester Film, sondern höchstens mittelmäßig.