NEUNKIRCHEN
CHRISTIAN SPIELMANN

„Rocky Horror Show“ in Neunkirchen: ein Gespräch mit Kostümbildnerin Ulli Kremer

Ulli Kremer studierte Modedesign und entwarf anschließend bis 1986 die Kostüme im Theater Trier. Seither arbeitet sie als selbstständige Kostümbildnerin. Für die Theater der Stadt Luxemburg entwarf sie Kostüme sowie für ein paar luxemburgische Filme, wie „Le club des chômeurs“ und „La revanche“ von Andy Bausch oder „My Name is Justine“ von Franco de Pena. Sie arbeitete an fast allen Produktionen mit, die in den letzten Jahren im Zeltpalast in Merzig gezeigt wurden, so etwa „The Addams Family“ oder „Weihnachtscircus Show“. Zuletzt kreierte sie die Kostüme für das Musical „Der Mann mit dem Lachen“ in Dresden. Das „Lëtzebuerger Journal“ hat die Designerin anlässlich der Premiere einer neuen Produktion des Musicals „Rocky Horror Show“ in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen getroffen.

Theater oder Kino?

Auf die Frage, ob sie lieber Theater oder Kino mag, kam die schnelle Antwort: „Theater!“. „Weil das Theater viel spannender ist, es gibt viel mehr Möglichkeiten. Das Kino bietet ein viel engeres Korsett, auch wenn ich die Zusammenarbeit mit Andy Bausch schätzte. Als Ausstatterin im Theater kann ich fantasievoller arbeiten“, erklärt sie ihre Wahl.

Wie es denn mit den künstlerischen Freiheiten in diesem Kult-Musical aussieht, wollen wir von Produzent Michael Rennig wissen. „Wir müssen uns an die Vorgaben des Verlags halten. Regisseur Thilo Reinhardt waren in vielen Szenen die Hände gebunden. Einzig in Sachen Kostüme, Choreografie und Bühnenbild hatten wir freie Hand“, antwortet er. Somit konnte Kremer ihrer Fantasie bei der Erschaffung der Kostüme also freien Lauf lassen. In Neunkirchen tritt der exzentrische Doktor Frank N. Furter (Andreas Wolfram) in einem pinkfarbenen Korsett und Strapsen auf, das zur sexuellen Orientierung seines Charakters, dem eines Transvestiten, passt. Ganz apart ist auch das Kostüm der Usherette (= Platzanweiserin) (Edda Petri), die anfangs den schönsten Song der Show singt, „Science Fiction Double Feature“, wie die Kleider von Magenta (auch Petri) und Riff Raff (Oliver Mülich) im Finale. Ulli Kremer meint lachend: „Ja, ich habe wenig Stoff verarbeitet. Somit ist viel nackte Haut zu sehen.“ Weil die Darstellerin der „Janet Weiss“ Anna Hofbauer heißt und teils in Unterwäsche spielt, ist dies schon eine Augenweide.

Mit den üblichen Utensilien

Als Kostümbildnerin braucht man als übliche Utensilien Nadel und Faden, und als „Rocky Horror Show“-Fan braucht man eine Wasserpistole, Konfetti, Spielkarten und Klopapier. Mit dieser Ausrüstung wird das Musical zu einem 3D-Event: Musik und Gesang von der Bühne und Effekte aus dem Saal. Die Wasserpistole kommt zum Beispiel zum Einsatz, wenn Brad Majors (Jan Schuba) und seine Verlobte Janet im stürmischen Regen das Schloss von Doktor Furter erreichen, oder das Klopapier, wenn Furter seiner von ihm erschaffenen Kreatur Rocky (Nils Haberstroh) die Bandagen abnimmt. Zudem wird der Erzähler der Geschichte (Norman Stehr) mit dem Ausdruck „boring“ (langweilig) beschimpft. Hier setzt sich der adrett gekleidete Mann zur Wehr und diskutiert hie und da mit den Zuschauern. Außerdem bringt er diesen den legendären Tanz „Time Warp“ bei, der flippigste Song der Show.

„Ich habe vor 19 Jahren bereits die Kostüme zur ‚Rocky Horror Show‘ erschaffen“, erzählte Kremer, „und immer wieder macht das Musical immensen Spaß. Auch hier war die Zusammenarbeit mit dem Team und dem Regisseur ein Vergnügen“, sagt Kremer. Sie wird im Juni erneut mit Regisseur Reinhardt in der Oper Köln für „Tosca“ arbeiten, und im August kann man ihre Kostümkreationen wieder in Merzig bewundern, wenn die musikalische Judy-Garland-Biografie „Over the Rainbow“ gespielt wird.

Bis dahin kann man sich diese sehenswerte „Rocky Horror Show“ mit den unsterblichen Liedern von Richard O’Brien in Neunkirchen ansehen, die von einem ausgezeichneten Ensemble getragen wird, welches die fantasievollen Kostüme einer talentierten Kostümbildnerin zur Schau trägt.

Gespielt wird noch bis zum 23. Juni. Weitere Informationen und Tickets unter www.rocky-horror.saarland