LUXEMBURG
VANESSA PETER

Schülerin Fabienne Gorges entwirft, näht und vertreibt ihre eigene Kollektion

Fabienne Gorges ist erst 16 und hat sich bereits einen Kindheitstraum erfüllt: Die Schülerin des Lyzeums Ermesinde hat mit „inno(sense)“ ihre eigene Modemarke aufgebaut.

Wie kamst Du darauf, ein eigenes Label aufzustellen?

FABIENNE GORGES Die Idee habe ich eigentlich schon seit der 7ième. Ich habe sehr viel genäht als Kind und mein Geschenk zur Kommunion war auch kein Nintendo, sondern eine Nähmaschine. Ich habe mich auch wegen der Aktivität „Couture“ für das Lyzeum Ermesinde entschieden, auch mit dem Gedanken, ich mache etwas mit Mode. Da ich aber auf die Technique gekommen bin, hat man mir geraten etwas anderes zu machen. Auf der anderen Seite interessierte ich mich für Psychologie und habe mich während meiner ganzen bisherigen Schullaufbahn eher darauf konzentriert. Doch irgendwie bin ich trotzdem bei der Mode geblieben. Ich habe auch fünf oder sechs Mal damit angefangen, es waren Ideen da, aber noch keine Konkreten, was die Designs oder den Namen angeht. Über die Jahre haben sich die Designs gesammelt. Dieses Jahr hat es dann endlich geklappt. Ich hab mir gedacht, es ist mein letztes Jahr in dieser Schule, ich mach es.

Wie bist Du auf den Namen Inno(sense) gekommen?

FABIENNE Beim Namen dachte ich mir, wenn ich ihn jetzt finde, dann ziehe ich die Sache durch. Ich habe also ein paar Freunde darum gebeten, mich in einem Wort zu beschreiben. Fast alle haben mich als „innocent“, also als unschuldig beschrieben. Daher, dass ich beim Aufschreiben falsch geschrieben habe, mit „s“ statt mit „c“, habe ich gemerkt, dass es eigentlich ganz cool sein würde. Denn „innosense“ bedeutet ja ohne Sinn. Auf jeden Fall ist es am Ende dann Inno(sense) geworden. Mit diesem Namen gebe ich meinen Kunden die Chance in ihn zu interpretieren, was sie möchten.

Erzähl etwas über die bisherige Kollektion

FABIENNE Die ganze Kollektion heißt „My heart beats for“. Die Idee waren weiße und schwarze T-Shirts, aber ich wollte Farbe hineinbringen. Das pinke Shirt mit dem Schriftzug „feeling gorgeous“ ist als allererstes entstanden. Mein Name ist Gorges, niemand weiß wirklich, wie es geschrieben wird und es kommt alles Mögliche bei meinem Namen raus. Dann wurde im Englisch Kurs „Fabienne Gorgeous“ gesagt. Da „gorgeous“ ja schön bedeutet, wurde das irgendwie zum Motto. Das ist mein Name, aber ich wollte den mit den Menschen teilen. Irgendwann ist dann daraus „feeling gorgeous“, wie diese Reihe „feeling nasty“ oder „feeling salty“ geworden. Mit diesem Shirt sollen sich meine Kunden schön fühlen. Der Pullover mit dem großen Herz besteht aus sehr filigranen Strichen und ist an einem Abend bei einer Freundin entstanden. Ich habe zwei Variationen designt: einen Pullover, der unten schwarz ist und schwarze Linien oben auf grauem Hintergrund ein Herz bilden und umgekehrt. Das kleine rote Herz ist zum Schluss entstanden und es liegt auf der Brust. Die Inspiration für dieses Motiv hatte ich durch das Buch „Madame Bovary“. Da muss ich auch noch sagen, dass zu meinen Kunden auch Bio- und Chemie-Lehrer gehören, die sich ein Kleidungsstück mit dem Motiv des „Herzens“ gekauft haben. Die Idee war, meine Kleidungsstücke so billig wie möglich zu verkaufen, aber auch gute Qualität für Studenten.

Wie läuft die Herstellung ab?

FABIENNE Das Ganze läuft etwas chaotisch, ich kann nicht sagen, dass es perfekt läuft. Ich bin zwar noch am Anfang, doch es könnte professioneller laufen. Ich war bei 15 Druckereien hier in Luxemburg, doch ich wurde nur ausgelacht und bekam gesagt, meine Designs wären zu filigran und sie müssten es ausschneiden. Also es war wirklich kompliziert, doch am Ende habe ich durch meine Mutter jemanden gefunden. In einem Geschäft, wo eine Designerin arbeitet, die nicht nur designt, sondern auch druckt. Das Nähen liegt bei mir. Die roten Herzen und die Etiketten mache ich bei mir zuhause. Einen Pullover, der in der Mitte geteilt ist, muss ich in der Schule machen, da ich dafür eine „Overlock“, eine spezielle Maschine, brauche. Bei diesen Pullovern hänge ich in der Produktion etwas nach, weil ich nur einmal in der Woche in der Aktivität daran arbeiten kann. Ich bin im Internat, deshalb kann ich nur ein paar Pullover mitnehmen und stelle so vier Pullover in zwei Wochen her. Ich mache es auch alleine, in der Aktivität hilft mir die Lehrerin etwas. Beim Packen bekomme ich Hilfe von meinem Freund und meinen Freundinnen, die dann alles mit einem Waschzettel in Tüten packen, während ich nähe. Eine Zeit lang hat mir meine Mutter auch bei den Etiketten geholfen, weil es mit der Zeit so knapp war. Ich zweifle nicht an den Menschen, aber schlussendlich bin ich eine Person, die es selber machen möchte und wenn ich etwas falsch mache, dann ist es meine Schuld. Ich möchte, dass es perfekt ist, deshalb dauert die Produktion auch etwas länger.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

FABIENNE Ich beende jetzt noch alle Aufträge, verkaufe diese noch und dann im Sommer ist Schluss mit „inno(sense)“ für ein Jahr. Denn ich gehe nächstes Jahr in Amerika zur Schule. Dieser Austausch ist schon seit drei Jahren geplant. Ich möchte ein Jahr raus aus Luxemburg und wenn ich dort bin, möchte ich nicht noch mit einem Fuß in Luxemburg stehen. Viele sagen, ich könnte weiter produzieren, jemanden einstellen, der die Kleidungsstücke näht und die Sachen dann verschiffen. Doch ich möchte eine Pause machen, Stopp sagen und vielleicht wieder starten. Ich habe Ideen für eine weitere Kollektion, aber das muss ich mir noch überlegen. Ich möchte nicht weiter produzieren oder eine neue Kollektion anfangen, während ich in Amerika bin. Natürlich muss es toll sein, dort zu sein und sagen zu können, dass man Modedesignerin ist, aber ich möchte dorthin kommen und auch ein wenig neu anfangen. Es hängt alles davon ab, ob - ich wenn zurückkomme - noch den Abschluss weiter mache, dann würde ich nochmal anfangen. Wenn ich direkt arbeiten gehe, wohl eher nicht. Das sehe ich erst nächstes Jahr im Sommer. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Ich habe es für mich selbst gemacht, aber auch, damit man mich hier in Luxemburg nicht vergisst. Ich möchte auch Danke sagen an diejenigen, die mich unterstützt haben oder auch diejenigen, die mich runtergezogen haben, denn ohne euch wäre „inno(sense)“ nicht so weit gekommen.