LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Schüler wollen mit Secondhand-Shop „1 Up Vintage“ Sensibilität für Nachhaltigkeit stärken

Umweltbewusst und trotzdem modisch und preiswert. Das ist möglich, auch in Luxemburg, und zwar mit Secondhand-Kleidung. Elf Schülerinnen von der „École Privée Fieldgen“ haben darin Potenzial entdeckt und ihre „mini-entreprise“ nach diesen Ideen ausgerichtet. Ihr Laden „1 Up Vintage“ verkauft gebrauchte Markenkleidung, die gut in Schuss ist. Zweimal im Monat öffnen sie in ihrer Schule am jeweils zweiten und vierten Freitag die Türen eines Saales. Ab 14.30 legen sie hier die gut geprüften Pullover, Polos, T-Shirts, Hemden, Blusen und auch einige Accessoires wie Schuhe und Schmuck für die interessierte Kundschaft aus.

Die Kleidung stammt von Privatpersonen, welche verkaufen wollen und einen Preis pro Stück festlegen. Auf diesen rechnen die Mädchen die TVA und eine Marge und erstellen so einen Verkaufspreis. Für Pullover der Marke GAP kann der dann bei etwa 25 Euro liegen, T-Shirts gibt es schon für beispielsweise fünf oder elf Euro. Wer freitags fündig wird, kann seine neu erworbenen Kleidungsstücke direkt mitnehmen - natürlich in einer Papiertüte. Denn die „mini-entreprise“ steht im Zeichen des Umweltschutzes.

Zielgruppe sträubt sich noch ein bisschen

„Unsere Zielgruppe sind unsere Mitschüler und Schüler von anderen ,Lycées‘, aber derzeit ziehen wir eher ältere Kunden an, die sich für zirkuläre Wirtschaft interessieren“, resümiert Marina Fecchi. Die anvisierte Kundschaft ist also leider nicht so interessiert, wie es sich die Mädchen erhofft hatten. „Wir sind mit Optimismus gestartet und hoffen, dass es jetzt doch noch funktioniert“, sagt die 18-Jährige.

Doch die „mini-entreprise“ der Firma kann Verkäufe vorweisen - den ersten am 26. Januar, wie die Mädchen in der Buchführung vermerkt haben. Nur eben nicht so viele, wie sie erhofft hatten. „Die Secondhand-Mentalität ist in Luxemburg nicht so verbreitet“, sagt Emma Basaboli. „Die Leute, die wir für unsere Marktstudie befragt haben, sagten, sie kaufen auch lieber neu.“ Aber so leicht lassen sich die elf nicht unterkriegen. Werbung für ihre Firma machen sie vor allem über die Sozialen Medien und auch vor den Lyzeen der Hauptstadt haben sie an andere Schüler Flyer verteilt. Auch dabei stand der Wunsch, die Umwelt zu schonen, im Vordergrund: Die Flyer sind aus recyceltem oder recycelbarem Papier hergestellt, wie die 18-jährige Emma berichtet. Ansonsten werden die Schüler der „École Privée Fieldgen“ auch über die wöchentliche Schülerzeitung und Durchsagen über die hauseigene Modeboutique informiert.

Kleiner Reparaturservice

Zudem haben die Mädchen auch schon reagiert und die Preise, das heißt vor allem ihre Marge, heruntergesetzt. Wieviel die Marge nun aber beträgt, behalten sie lieber für sich. „Geschäftsgeheimnis“, sagt Marina mit einem Lächeln.

Ein Service, der schon besser angenommen wird, ist der Reparaturservice des „Repair Café“. „Hier bekommen wir viele Anfragen über die Internetseite“, erzählt Emma. Wer ein Loch oder einen losen Knopf an einem Lieblingsstück entdeckt, kann das hier reparieren lassen, den Service übernimmt eine andere Klasse der Schule.

„1 Up Vintage“ läuft noch bis zum 1. Juni, dann steht eine Generalversammlung an, zu welcher die 100 Aktionäre eingeladen werden. Doch auch danach soll es weitergehen und das Projekt an nachfolgende Klassen übergeben werden.

Hinter „1 Up Vintage“ stehen neben Emma Basaboli und Marina Fecchi auch Carolina Carvalho Da Rocha, Catia Costa Domingues, Maxine Coursez, Stéphanie Cruz Curado, Sarah De Figueiredo, Rafaela Fernandes Gomes, Carolina Gomes Silva, Tasnim Hamdi und Catarina Pinto Cardoso. Bei dem Projekt hat sie ihre Lehrerin Pascale Ruffini unterstützt.

„1 Up Vintage“ ist jeden zweiten und vierten Freitag ab 14.30 in der „École Privée Fieldgen“ geöffnet. Kontakt unter www.1upvintage.jimdo.com oder über Facebook.