LUXEMBURG
JEFF KARIER

Hutmacher Marco Laux über das Traditionshandwerk

„Ich wollte mich schon immer selbstständig machen und hatte zunächst mit einer Schreinerlehre begonnen“, erinnert sich Marco Laux, Inhaber des Hutladens Modes Nita. Das Fachgeschäft, das seinen Ursprung in Esch/Alzette hat, wurde 1969 von seiner Tante übernommen. „Da ich zum Teil auch bei ihr aufgewachsen bin, stellte ich fest, dass mich das Handwerk des Hutmachens interessiert.“ Laux begann daher eine Lehre als Hutmacher, die er aber nicht in Luxemburg machte, sondern in Deutschland. Drei Jahre lernte und arbeitete Laux in Neuss in einer Hutmanufaktur. „Ich dachte mir damals, dass, wenn ich zu Hause bleiben würde, ich nichts Neues lerne. Durch die Arbeit in der Hutmanufaktur habe ich dann auch neue Techniken kennengelernt, da hier anders und schneller gearbeitet wurde.“

Zurück in Luxemburg machte Laux seinen Meister und arbeitet schließlich in der Zweitfiliale von Modes Nita in der Nähe des Hauptbahnhofs. „1996 habe ich dann hier in der Rue Louvigny ein weiteres Geschäft eröffnet und das ist mittlerweile auch das einzige.“

Bedrohter Beruf

Heute ist Laux einer der letzten, die in Luxemburg noch als Hutmacher arbeiten. Seine Partnerin Sandy Kahlich ist ebenfalls Hutmacherin und hat in Deutschland den praktischen Teil ihrer Meisterprüfung abgelegt. „Wir waren insgesamt zu sechst“, erinnert sich Kahlich. Das sind sechs Hutmacher aus ganz Deutschland, was sehr wenig ist. Wobei noch dazu kommt, dass zwei davon in Luxemburg bei Laux arbeiten. Denn neben Kahlich arbeitet eine weitere Hutmacherin drei Tage in der Woche im Atelier von Modes Nita. Dass für ganz Deutschland nur sechs Hutmacher ihren Meisterbrief machen wollten, zeigt, dass der Beruf nur noch von wenigen ausgeübt wird. Besonders, da eine der sechs laut Kahlich rund fünf Jahre warten musste, bis eine Meisterprüfung für Hutmacher organisiert wurde.

Über die Jahre hatte er insgesamt nur drei Lehrlinge. „Das liegt auch daran, dass ich nur jemanden ausbilden kann, wenn ich weiß, dass ich ihm anschließend auch eine Anstellung geben kann.“ Das war eben selten der Fall und oft sind diese nicht im Beruf geblieben. Aktuell gibt es in Luxemburg niemanden, der eine Lehre als Hutmacher macht. Dass das Handwerk vom Aussterben bedroht ist, liegt natürlich zum einen daran, dass Hüte im Vergleich zu früher nur noch selten  zur Alltagskleidung gehören. Aber auch daran, dass es wie so oft Massenproduzenten gibt, die neben den beliebten Baseball Caps auch günstig Hüte herstellen.

Mit Leidenschaft fürs Handwerk

Selbst nach rund 32 Jahren als Hutmacher macht Laux der Beruf noch immer unheimlich viel Spaß. „Es ist ein sehr vielseitiger Beruf“, meint er. Auf der einen Seite ist da die Beratung des Kunden, auf der anderen das Fertigen der Hüte. Der Reiz für Laux sei es, dass die Kunden ja im Grunde etwas kaufen, das sie vorher noch nicht gesehen haben. Dass man es schafft, dass es ihnen anschließend auch gefällt, sei einfach toll. „Es besteht ein großes Vertrauen vonseiten des Kunden in uns und unsere Arbeit.“

Eine kompetente Beratung ist wichtig für Laux. „Oft meinen die Kunden, dass sie kein Hutgesicht hätten. Das ist jedoch falsch. Jedem steht ein Hut, nur steht nicht jeder Hut jedem.“ Entsprechend sei es wichtig, verschiedene Modelle auszuprobieren, um den passenden Hut zu finden. Diese fachkundige Beratung bieten etwa große Modehäuser sowie das Internet nicht. „Die Leute sind auch oft überrascht, dass unsere Hüte ähnlich viel wie im Internet kosten. Denn viele nehmen an, dass ein Hut in einem Hutgeschäft teuer sein muss.“ Dabei bekommt man bei Laux etwa eine Flat Cap für unter 50 Euro, kann aber je nach Modell und Hersteller auch über 100 Euro kosten. Bei Hüten bewege man sich meistens bei rund 100 bis 400 Euro.

Von einem solchen Hut hat man für gewöhnlich ein Leben lang etwas. „Vorausgesetzt man pflegt ihn etwas“, betont Laux. Neben dem Trocknen eines Filzhutes an der Luft und nicht auf der Heizung, solle man einen Hut hin und wieder abbürsten und richtig aufhängen und nicht unter anderer Kleidung im Schrank begraben.

Als Hutmacher kann man bei Laux auch Hüte in Auftrag geben. „Das kostet dann genau so viel, wie ein von uns angefertigter Hut, der bereits im Laden ausliegt“, betont der Experte. Es gibt also keinen Preisaufschlag. „Die Kunden erklären mir, was sie sich vorstellen, ob er etwa zu einem Outfit passen soll. Damit er richtig passt, nehme ich dann die Kopfmaße.“

Aus Filz, Stoff oder Leder

Das Grundmaterial für die Filzhüte, die Laux anfertigt, sind Stumpen, Rohlinge aus Filz. „Das ist entweder Wollfilz aus Schafshaar oder Haarfilz aus Hasen- beziehungsweise Kaninchenhaar“, erklärt Laux. Diese Rohlinge werden bei Dunst und Hitze über eine Form gezogen. Die Krempe wird je nachdem auch von Hand modelliert. Anschließend behält der Hut seine Form, auch wenn er nass werden sollte. „Allerdings sollte man einen solchen Hut nicht nass auf die Heizung legen.“ Denn wenn er dann etwas verformt dort liegt, nimmt er auch diese Form an. Das bedeutet aber auch, dass man einen Filzhut bei Bedarf wieder umformen kann.

Wenn der Filzhut in Form gezogen wurde, wird der Rand der Krempe bearbeitet, eingefasst oder umgeschlagen und von Hand oder mit der Maschine genäht. Dann kommen in den Hut das Innenfutter und außen noch eine Garnitur, zum Beispiel ein Band. Für so einen Filzhut braucht Laux je nach Garnitur und Aufwand zwischen drei und acht Stunden. Aber auch Hüte aus Stoff oder Leder werden im Atelier hergestellt. „Das ist dann ähnlich wie bei einem Schneider, man schneidet den Stoff zurecht und näht die Einzelteile zusammen.“

In seinem Atelier fertig Laux überwiegend Frauenhüte an. Auch weil ihm einige Fertigungsmöglichkeiten fehlen, die man bei der Herstellung von Filzhüten für Männer einsetzt. Im Laden findet Mann aber auch eine große Auswahl an Kopfbedeckungen von anderen Hutmanufakturen und Produzenten. „Ich versuche dabei nur Produkte, die in Europa hergestellt werden, zu kaufen“, erklärt Laux. Damit wolle er die in Europa aktiven Produzenten unterstützen und somit auch das Handwerk. „Ich möchte ja schließlich auch nicht wegrationalisiert werden.“