LUXEMBURG
CLAUDIA SCHNEIDER-SCHOO

Lesen ist eine Kulturtechnik, die auch in der heutigen digitalisierten Zeit ihre Bedeutung nicht verloren hat. Wer in der Wissensgesellschaft mithalten will, muss viel und mit Interesse lesen, sei es digital oder in Büchern und Zeitungen. Gern und viel lesen ist aber auch eine Voraussetzung dafür, die Zusammenhänge in Gesellschaft und Politik verstehen zu können, sich als Bürgerin und Bürger einer Demokratie selbst ein Urteil bilden zu können und sich nicht manipulieren zu lassen. Lesen Informiert, bringt Freude und regt die Fantasie an.

„Genau das ist der Hintergrund, vor dem sich im Herbst 1996 einige Lesefreunde und Lesebegeisterte zur Gründung der ,Initiativ Freed um Liesen‘ zusammengefunden haben. Unser Ziel, damals wie heute: Freude am Lesen wecken und fördern, besonders bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen. Um dieses Ziel zu erreichen, veranstalten wir Vorträge und Seminare, Gespräche und Diskussionsrunden, geben Einführungen in die Technik des Vorlesens und so weiter. Wir empfehlen geeignete Kinder- und Jugendbücher für die unterschiedlichen Lesealter auf unserer Homepage www.freed-um-liesen.lu und auf Facebook, um Eltern, Bibliothekaren, Lehrern und Erziehern eine Orientierungshilfe bei der Auswahl guter Bücher zu bieten. Im Rahmen der ,Journées du livre et du Droit d’Auteur‘ arbeiten wir seit einigen Jahren mit der ,Cité Bibliothek‘ an Aktivitäten für Kinder. Auch diese Woche findet wieder eine solche statt, diesmal unter dem Motto ‚Grouss Nimm, Grouss Geschichten‘.

All diese Projekte dienen dazu, die Freude am Lesen zu wecken, weiterzugeben und zu fördern. Aber natürlich wissen wir auch, dass die Familie den größten Einfluss auf die Leseaktivität von Kindern und Jugendlichen hat. Idealerweise werden bereits in den ersten Lebensjahren den Kindern Geschichten erzählt, Bilderbücher gemeinsam angeschaut. Maurice Sendak hat zu seinen ersten Leseerfahrungen und vor allem Büchern gesagt: ,Zunächst habe ich sie lange liebevoll gestreichelt, dann habe ich an ihnen gerochen und einmal sogar hineingebissen.‘ Das ist eine Erfahrung, die wir, glaube ich, alle bei unseren Kindern auch erlebt haben. Sie haben sich die Bücher und Geschichten sozusagen einverleibt. Dann wird über das Geschaute gesprochen und es wird vorgelesen, um so Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit, aber auch das Sprechen zu fördern. Es wäre wünschenswert, wenn in jeder Familie Bücher und vielerlei Medien selbstverständlich vorhanden wären, Eltern selber lesen und somit ihren Kindern von früh an Vorbilder sind.

Ein möglichst früher Kontakt mit Büchern, Lesen und Vorlesen hat großen Einfluss auf das spätere Leseverhalten der Kinder. Es wird oft gesagt, dass junge Leute heute nicht mehr lesen. Sie lesen anders, weil e-book, Internet und soziale Medien das Angebot verändert haben.

Wir sehen in den letzten Jahren eine Fülle von jungen literarischen Talenten. Das bedeutet, Lesen und Schreiben hat immer noch eine große Bedeutung, junge Schriftsteller nutzen allerdings oft auch die neuen Medien, um ihre Texte zu verbreiten. Ich glaube, dass diese neuen Möglichkeiten einen neuen Anreiz zum Lesen bieten. Dadurch wird nicht weniger gelesen.

Mir ist um die Zukunft des Lesens nicht bange, die Zahl der Bücher, die jedes Jahr auf den Markt kommt, zeigt, dass es eine große Nachfrage gibt. Die Form des Lesens wird sich vielleicht verändern, viele Menschen lesen heute auf Tablets, Lesegeräten und Handys, aber das Wichtigste ist doch, dass gelesen wird, unabhängig vom Textträger.“

Infos unter www.freed-um-liesen.lu