PATRICK WELTER

Tolle Art von Freiheitskampf. Mit Beilen und Schlachtermessern in eine Synagoge eindringen und Betende abschlachten. Die radikalen Palästinenser haben damit eine bisher geachtete Grenze überschritten. Einen ähnlichen Vorfall gab es nur vor einigen Jahren, als ein durchgeknallter jüdischer Siedler Palästinenser am Grab Abrahams in Hebron tötete. Angriffe auf Betende waren im Nahostkonflikt bis heute ein Tabu.

Ich bin gespannt, wann aus den Ecken der antisemitischen Linken der erste Spruch von wegen „selber Schuld“ kommt. Ich vergaß, man ist ja nicht antisemitisch sondern nur antizionistisch - so die Augenwischerei von Teheran bis in den linken Flügel des deutschen Bundestages.

Dass Bibi Netanjahu, ein selbst für den größten Israelfreund unerträglicher Dummschwätzer, jetzt Mahmud Abbas beschuldigt, den Terror zu fördern, ist lupenreiner Unsinn. Dankenswerterweise ist der Chef des Israelischen Inlandsgeheimdienstes seinem Premier kräftig in die Parade gefahren und hat den guten Bibi darüber aufgeklärt, dass Abbas an allem, aber nicht am Terror interessiert ist. Wer jetzt mit dem Hackebeil posiert, sind die Mordbuben von der Hamas - sie brauchen den Terror und die israelischen Gegenschläge, um ihre eigene Existenzberechtigung zu unterstreichen. Zur Erinnerung, es war der mittlerweile zum Säulenheilige erhoben Jassir Arafat, der eine von Bill Clinton angebotene und garantierte Zweistaatenlösung abgelehnt hatte - weil Jerusalem bei Israel geblieben wäre. Anstatt den sehr fetten Spatz zu nehmen, hat der alte Haudegen sein Blatt schwer überreizt. Ihm und seiner gut versorgten Kamarilla hat das nichts geschadet - aber die einfachen Palästinenser könnten schon länger als zehn Jahre in einem echten eigenen Staat leben und nicht nur in einem völkerrechtlichen Schwebezustand.

Was Israel und Palästina heute brauchen, ist ein Typ wie den zu früh verstorbenen Richard Holbrooke, der die politischen Konkurrenten des Bosnienkrieges 1995, immerhin die Präsidenten Serbiens, Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas, solange in Dayton internierte, bis sie bereit waren, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen. Holbrooke, der beste Außenminister den die USA nie hatte, relativierte die Maxime von Roosevelt „Sprich leise, aber trage einen dicken Knüppel“ dahingehend, dass er sehr laut und sehr deutlich sprach und dazu noch den dicken Knüppel schwang. Legendär seine Begrüßung von Slobodan Milosevic: „Diese Soldaten befehligen die amerikanischen Luftstreitkräfte, die bereitstehen, Sie zu bombardieren, wenn wir nicht zu einer Einigung gelangen“.

Der Nahe Osten braucht keine Leisetreter à la John Kerry oder diplomatische Fehlbesetzungen wie Lady Ashton, sondern jemanden, der in der Lage ist, den unsäglichen Bibi Netanjahu und den ewig zögerlichen Mahmud Abbas bei den Ohren zu nehmen, sie irgendwo einzusperren und erst wieder raus zu lassen, wenn es weißen Rauch für eine praktikable Zweistaatenlösung gibt. Oder sie wie Holbrooke, 1995 in Dayton, solange anzuschreien bis sie einen Friedensvertrag unterzeichnen.

Den Gangstern von der Hamas und der Hisbollah würde so endlich das Wasser abgegraben. Außerdem hätte die historisch bedingte, von Europa verschuldete, Paranoia der Israelis endlich Aussicht auf Heilung.