LUXEMBURG
INGO ZWANK

Luxemburger und deutsche Polizeibeamte auf gemeinsamer Streife auf der „Schueberfouer“

Dienstbeginn 14.00 auf dem Glacisfeld. Die Polizeibeamten um Yves Scholtes, Leiter des Kommissariats Limpertsberg, treten ihren Dienst an - aber nicht im Kommissariat Limpertsberg, sondern auf der „Sonder-Wache Schobermesse“.

Es ist das größte Volksfest im Großherzogtum, sogar der gesamten Großregion: die „Schueberfouer“ in Luxemburg. Über zwei Millionen Besucher werden erwartet. Damit die Sicherheit bei einem der größten Volksfeste in Europa gewährleistet ist, setzt die Polizei auf eine verstärkte Präsenz vor Ort - ein eigenes Kommissariat ist wieder eingerichtet. Bei ihrer Arbeit erhalten die luxemburgischen Polizeibeamten gar internationale Unterstützung.

So ist heute noch etwas anders im Polizeidienstalltag: Die luxemburgischen Polizisten werden von zwei Polizeibeamten aus Rheinland-Pfalz verstärkt.

Polizeihauptkommissar Joachim Hagen aus Schweich und Polizeikommissarin Lisa Bertel aus Saarburg werden mit ihnen gemeinsam auf Streife gehen. Möglich macht diesen grenzüberschreitenden Beamtenaustausch der „Vertrag von Prüm“. „Ich war bereits einmal hier auf der Schobermesse und habe Dienst gemacht“, erzählt Hagen, für seine Kollegin Bertel „ist es das erste Mal in Luxemburg. Während der Ausbildung wollte ich immer schon einmal kommen, aber die Austauschplätze hier mit Luxemburg sind immer sehr begehrt“, erzählt sie. Auch der Austausch zur Schobermesser sei auf ihrer Dienststelle in Saarburg entsprechend gefragt gewesen. „Aber ich konnte nun kommen“, sagte sie mit einem leichten Schmunzeln. So wird heute auf der „Fouer“ kontrolliert, „bis 21.00 geht der Dienst“, erzählen die beiden.

Es fördert den kleinen Dienstweg

Über das Polizeipräsidium Trier wurden die Beamten angeschrieben und es wurde erfragt, wer denn gerne „auf der Schobermesse Dienst machen möchte, und dann konnte man sich melden“, erzählt Hagen. Man kenne natürlich die „Fouer“ „aus dem Privatleben“, erzählt Bertel. „Aber für Luxemburg ist das hier ja ein großer Event“, so das Resümee.

Zusammen mit ihren luxemburgischen Kollegen treten die beiden Deutschen dann den ersten Rundgang an, begleitet von interessierten Blicken einiger „Fouer“-Besucher, denen die Uniform wohl etwas befremdlich vorkommt. „Moien, Police“, hallt es ihnen entgegen, kaum, dass sie die ersten Schritte über das Messegelände machen. „Moien“, entgegnet Hagen freundlich, der direkt mit der „Joffer“ der Kinderschar ins Gespräch kommt. „Aus Merl kommen Sie, soso - und gehen jetzt eine Tour über die Schobermesse?“, fragt der Beamte interessiert - und leiht prompt einem der Kinder seine Dienstmütze für die Zeit des Gesprächs.

Yves Scholtes freut sich wie jedes Jahr über die ausländische Verstärkung: „Es ist sehr gut, dass wir diesen Austausch machen können - und die Kollegen kommen ja auch gerne zu uns.“ Dabei sei es auch für die Besucher „und hier die Grenzgänger wichtig, sollte einmal etwas sein, dann haben sie heute, neben unseren Beamten, einen direkten deutschen Ansprechpartner“, sagt Scholtes auch mit Blick auf die weitere Präsenz von belgischen und französischen Beamten an anderen Messetagen. Was auch Hagen bestätigt: „Sollte jetzt etwas mit einem deutschen Staatsbürger passieren, hätten wir ja die Möglichkeit einer beispielsweise viel schnellere Datenabfrage.“

Wie wird es anderorts geregelt?

Im Gespräch unterstreicht Scholtes immer wieder, dass diese Art der Zusammenarbeit sicherlich in Zukunft noch verstärkt werde, „so kann man eben seinen direkten Kontakt auf der anderen Seite ansprechen, wenn es um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit geht.“ Auch sei es interessant, sich mit den Kollegen auszutauschen, „wie man vor Ort solche Veranstaltungen wie hier meistert - und auch welche Ausrüstung beispielsweise zum Einsatz kommt“, sagt Scholtes - aber da sei die Luxemburger Polizei ja jetzt auch auf einem guten Weg…

Die luxemburgischen Beamten sind ebenfalls ab und an im Ausland auf Streifendienst, so zum Beispiel regelmäßig auf dem Trierer Weihnachtsmarkt oder Events wie in Spa-Francorchamps.

PRÜMER VERTRAG

Vereinfachte grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Möglich macht einen solchen Austausch wie auf der Schobermesse der „Prümer Vertrag“. Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, die Niederlande, Luxemburg und Österreich unterzeichneten am 27. Mai 2005 diesen Vertrag in der Stadt Prüm in der Eifel mit dem Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, insbesondere zur Bekämpfung des Terrorismus, der grenzüberschreitenden Kriminalität und der illegalen Migration, zu verbessern. Der Vertrag regelt auch den automatisierten Austausch von DNA-Daten, Fingerabdruckdaten und Daten aus Kraftfahrzeugregistern zwischen den Staaten. Das automatisierte Verfahren bedeutet eine enorme Zeitersparnis und einen erheblichen Effizienzgewinn für die Strafverfolgungsbehörden. Daneben regelt der Vertrag den Informationsaustausch über terroristische Gefährder und Hooligans und sieht verschiedene Formen der operativen polizeilichen Zusammenarbeit, wie etwa gemeinsame Streifen und polizeiliche Hilfeleistung bei Unglücksfällen und Großereignissen, vor.