LUXEMBURG
JEFF KARIER

Zwischenstand beim „Karschnatz“ - Ertrag gut aber Krisenstimmung

Auf einer Pressekonferenz der etwas anderen Art zogen Klaus Palzkill von Versis und Landwirtschaftsminister Fernand Etgen (DP) gestern Nachmittag ein erstes, vorsichtige Zwischenfazit der diesjährigen Getreideernte.

Denn bevor es um Ernteergebnis und Preisentwicklung ging, durfte der Minister erstmal einige Runden mit einem modernen Mähdrescher drehen. Etgen zeigte sich von dieser Maschine begeistert und meinte anschließend mit einem breiten Lächeln: „Das ist ein tolles Spielzeug“.

Noch keine Bilanz

Danach ging es aber um das Wesentliche, die Getreideernte. Diese hat Ende Juni mit den ersten Anlieferungen von Wintergerste aus der Moselregion begonnen und ist mittlerweile unter optimalen Bedingungen im ganzen Land fast abgeschlossen.

Die Erträge und die Qualität liegen laut Versis über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Somit hatte die trockene Witterung der Monate Mai und Juni keine weiteren Auswirkungen. „Bisher sieht es gut aus, es ist aber noch zu früh um eine Bilanz zu ziehen“, erklärte Palzkill.

Man würde erstmal gespannt auf die Ernteergebnisse von Raps, Winterweizen und dem Sommergetreidearten Hafer und Sommergerste warten. Die Hitzewelle Ende Juni hat diesen Getreidearten enorm zugesetzt und teilweise zu einer Notreifesituation geführt. Die Auswirkungen dieser außergewöhnlichen Witterung auf Ertrag und Qualität sind noch nicht abzuschätzen weil erst ein kleiner Teil dieser Kulturen gedroschen wurde.

Berg- und Talfahrt

Ende Juni stiegen die Preise auf ein für die Bauern halbwegs akzeptables Niveau. Grund war die große Trockenheit und die damit verbundenen Befürchtungen, dass ein bedeutender Teil der Ernte ausfallen würde. Nach der Bekanntgabe der ersten guten Ernteergebnisse, rutschen die Getreidepreise in den großen Frühdreschgebieten wieder in den Keller.

Aus den wichtigen Weizenanbaugebieten der Welt wurden besser Wetterbedingungen gemeldet, sodass die Preise in den vergangenen Tagen immer weiter fielen. Die potenziellen Käufer ziehen sich zurzeit zurück, zumal auch die ersten Ernteergebnisse beim Weizen sowohl in Frankreich als auch in Deutschland nicht auf eine Missernte deuten. Im Vergleich zum letzten Jahr liegen die Preise laut Palzkill im Durchschnitt aber etwas höher als vergangenes Jahr.

Krisenstimmung

Diese Preisentwicklung ist auch dem Minister Etgen nicht entgangen, dieser verwies aber darauf, dass in anderen Bereichen der Landwirtschaft die Kursschwankungen dramatischer seien.

So sei man zum Beispiel Anfang des Jahres davon ausgegangen, dass der Milchpreis nicht unter 30 Cent fallen würde, nun liege er aber bei 28,8 Cent und man wisse nicht, ob die Talsohle damit erreicht sei, oder ob der Preis noch weiter sinken werde.

Etwas positiver sei hingegen die Beobachtung, dass die Preise für Rind- und Schweinefleisch in Luxemburg weniger stark gefallen seien, als in anderen europäischen Ländern wie Österreich oder Belgien. Das liege vor allem daran, dass man in den letzten Jahren in Luxemburg auf Qualität gesetzt und dies sich ausgezahlt habe.

Der Verantwortung wegen der Ratspräsidentschaft sei man sich darüber hinaus bewusst und so habe man sich am gestrigen Morgen darauf geeinigt, am 7. September einen Agrar-Gipfel abzuhalten um diese Probleme gemeinsam mit der Kommission und den europäischen Partnern zu lösen.

Gegenwind

Die Kritik, die vor einigen Tagen von der „Bauerenzentral“ geäußert wurde, laut der der Minister nicht zur Genüge für die Bauern eintreten würde, wies Etgen jedoch zurück. In Luxemburg gäbe es immerhin eine multifunktionelle Landwirtschaft, deren erstes Ziel zwar die Lebensmittelproduktion sei, die Umwelt und speziell der Wasserschutz würden aber auch eine wichtige Rolle spielen. Um die Bauern dabei zu unterstützen, sehe das neue Agrargesetz daher 20 Millionen Euro pro Jahr an Beihilfen vor.

Daraufhin äußerte Marc Fisch, Präsident der Bauernzentrale, der ebenfalls anwesend war nochmals Kritik und Bedenken gegenüber dem erwähnten Agrargesetz.

So gäbe es nun viel mehr Prozeduren und Auflagen für Bauern und am Ende weniger Geld als vorher.

Somit würde die Landwirtschaft nicht genug von der Politik unterstützt werden. Fisch sieht die luxemburgische Landwirtschaft im Allgemeinen in einer Krise, was nicht nur am Agrargesetz liegen würde, sondern unter anderem auch an den vom Minister angesprochenen niedrigen Preisen in eigentlich allen Bereichen der Landwirtschaft.