LUXEMBURG
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Historiker Denis Scuto über Großherzog Jean

Für den Historiker und beigeordneten Direktor des „Centre for Contemporary and Digital History“ an der Uni Luxemburg, Denis Scuto, hat Großherzog Jean gemeinsam mit seiner Mutter Charlotte die Monarchie in Luxemburg zu „neuem Prestige“ nach der Legitimationskrise im Ersten Weltkrieg geführt und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung wieder verankert.

„Jean steht mit seiner Mutter für den Wandel in der Dynastie“, sagt Scuto und erinnert daran, dass die Monarchie am Ende des Ersten Weltkriegs in schweren Turbulenzen steckte. Großherzogin Maria-Adelheid, die schließlich zugunsten von Charlotte abdanken musste, wurde zu viel Nähe zu den deutschen Besatzern nachgesagt, die trotz der Neutralität Luxemburgs im August 1914 einmarschiert waren und zum Teil von Luxemburg aus die Operationen an der Westfront leiteten. Nicht wenige Stimmen forderten damals die Ausrufung der Republik, zu der es am 9. Januar 1919 tatsächlich in der Abgeordnetenkammer kam. Mit Hilfe französischer Truppen wurde allerdings vereitelt, dass sich eine republikanische Regierung installieren konnte. Die Abdankung von Maria-Adelheid und die Inthronisierung von Charlotte am 15. Januar 1919 besänftigten die Gemüter. Beim Referendum am 28. September 1919 bestätigten fast 78 Prozent der Wähler die Monarchie als Staatsform. Die Akzeptanz in der Bevölkerung steigerten Charlotte und Jean nicht nur wegen ihrer Rolle im Zweiten Weltkrieg, sondern auch durch ihre politische Nicht-Einmischung. Sie wurden so zum Symbol der Einheit der Nation. Für Scuto wohnt dem Namen Jean bereits eine starke Symbolkraft inne, erinnert er doch an Johann den Blinden, der für den großen Einfluss der Luxemburger im mittelalterlichen Europa steht. Jean war auch der erste Thronfolger, der von Kindesbeinen an Luxemburgisch lernte. Seine Warmherzigkeit hat den späteren Großherzog laut Scuto noch enger an die Monarchie herangeführt.