Gestalten wie den IS-Monstern kommt man nur mit Gewalt und Härte bei, Träume von einem Militär, das nur noch für Katastropheneinsätze da ist, zeugen, a.) von unfassbarere Naivität oder b.) von einem gemütlichen Platz im Elfenbeinturm. Der Glaube, dass man über alles reden kann, hat schon so manchen den Kopf gekostet. Dank Youtube und Twitter wissen wir, wie geil es Gotteskrieger finden, anderen Leuten den Schädel vom Rumpf zu säbeln.
Bevor wir jetzt dem Propheten alles Schlechte zuschreiben, sollten wir an die Millionen erinnern, die im Namen des Kreuzes gestorben sind. Von den IS-Spinnern trennen uns nur 300 Jahre Aufklärung und eine bittere Erkenntnis: Wenn man dem Normalmenschen etwas zu hassen gibt oder ihm versichert das sein Handeln rechtmäßig ist, hat er keine Hemmungen zu foltern und zu killen. Egal ob im Windschatten der Nazis, in Ruanda oder im Kongo des belgischen Leopold. Von wegen, „Der Mensch sei edel, hilfreich und gut…“
Ganz abgesehen davon, dass die Anhänger des „Islamischen Staates“ in ihrer Ideologie auch die allerletzte Rationalität hinter sich gelassen haben, sind sie auf der anderen Seite als Kämpfer und Strategen auf der Höhe der Zeit, dazu noch wohlausgestattet.
Die Gretchenfrage lautet in diesem Fall: „Heinrich, wie hältst Du’s mit dem Gelde?“. Wie kommt eine terroristische Armee praktisch aus dem Nichts zustande, der weder die irakische noch die (reguläre) syrische Armee widerstehen können. Eine Armee die selbst von den gut ausgebildeten Kurden nur mit Mühe in Schach gehalten werden kann. Wie ist es möglich eine Instant-Armee zu schaffen, der nur mit massiver internationaler Waffenhilfe beizukommen ist?
Wer finanziert die Mörderbande? Sind es ein paar verstrahlte Ultrakonservative? Angeblich soll Katar, den IS finanzieren - einer der westlichsten Staaten der Region als Gotteskrieger-Sponsor? Schwer vorstellbar. Es ist aber durchaus möglich, dass irgendwelche Katarer, Kuwaitis oder Saudis, denen die ganze Richtung nicht passt, Gelder in den Terror fließen lassen. Sind deren Mittel wirklich so unbeschränkt, dass sie zum Führen eines Krieges ausreichen? Dass sie dabei an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen, scheint ihnen nicht klar zu sein. Der Vormarsch des IS wird im übelsten Fall nicht in Bagdad stoppen, sondern auch das „Lotterleben“ in Kuwait-City brutal beenden.
Kann sich der IS selbst finanzieren? Durch Erpressung von Kriegssteuern (vulgo Schutzgeld) oder den Verkauf von Öl? Ersteres ist eine Tatsache aber Ölgeschäfte bedürfen eines Käufers. Hinzu kommt die Frage, wie das Öl zum „Kunden“ kommt. Kontrolliert die IS ein Ölterminal am Mittelmeer oder an der Golfküste? Offiziell nicht. Der Weg über See ist dem IS-Öl versperrt, schlicht zu auffällig.
Dem IS bleibt für seine Exporte nur der Landweg - es müssen täglich hunderte Lkw sein, um kriegsrelevante Gewinne zu machen. Über welche Grenze kommt das Öl raus aus Syrien oder dem Irak? Wo wird es verarbeitet? Wer von den Nachbarn des „Kalifats“ spielt falsch? Wer drückt alle Augen zu, um den Schmuggel von blutigem Öl über seine Grenzen nicht zu sehen?


