MONDERCANGE
LJ
Steckbrief Monnerich

Absolute LSAP-Mehrheit

Zur Gemeinde Monnerich gehören Bergem, Foetz, Monnerich und Steinbrücken. Die Kommune im Kanton Esch dehnt sich auf 2.149 Hektar aus und zählt heute 6.708 Einwohnern (gegenüber 6.228 im Jahr 2011). Die LSAP, die 2011 über 50 Prozent der Stimmen in Monnerich holte, verfügt mit sieben Mandaten über eine absolute Majorität, in der Legislatur 2005-2011 hatte die LSAP mit der CSV koaliert, davor regierte 25 Jahre lang eine CSV/DP-Koalition. Die CSV hat derzeit drei, die DP zwei und „déi gréng“ einen Sitz im Monnericher Rat. Da der amtierende Bürgermeister Dan Kersch (LSAP, 2006-2013) nach den Parlamentswahlen im Oktober 2013 in die Regierung berufen wurde, folgte ihm die seit 2011 amtierende Schöffin Christine Schweich auf dem Bürgermeisterstuhl nach. Interessant ist, dass mit Nancy Kemp-Arendt eine CSV-Abgeordnete auf der Gemeindewahlliste der Christlich-Sozialen in Monnerich zu finden ist.

Wird die LSAP in Monnerich am 8. Oktober ihre absolute Majorität halten können? Eine spannende Frage nachdem der ehemalige Bürgermeister und heutige Innenminister Dan Kersch nicht mehr bei den Gemeindewahlen antreten darf. Auf der CSV-Liste steht indes der Name der Abgeordneten Nancy Kemp Arendt. Auf den Listen von DP und Grünen wollen es die austretenden Gemeinderatsmitglieder nochmal wissen. Bei den Liberalen führen die langjährigen Ratsmitglieder Serge Gaspar und Jean Kihn die Liste an.

Dürftige Kommunikationspolitik

Was hält Gaspar von der Arbeit der Gemeindeführung in den vergangenen beiden Legislaturen? „Es ist viel geschehen und es wurde sicher nicht alles falsch gemacht. Wir hätten Einiges anders gemacht, aber haben auch viele notwendige Projekte mit getragen“, bilanziert Serge Gaspar, allerdings nicht ohne eine dürftige Kommunikationspolitik des Schöffenrats zu bemängeln.
Zu oft sei die Opposition vor ein „fait accompli“ gestellt worden, ohne im Vorfeld ins Bild gesetzt worden zu sein. Manchmal seien Arbeiten bereits in Angriff genommen worden, bevor die Gemeinderäte darüber abgestimmt haben. Und es habe zum Teil saftige Budgetüberschreitungen gegeben, wie bei der Schule in Steinbrücken beispielsweise.
Für Gaspar ist ein solcher Umgang mit der Opposition inakzeptabel. Die DP hat sich denn auch mehr Transparenz auf die Fahne geschrieben was die Information der politischen Mandatsträger anbelangt, aber vor allem auch der Bürger, die aus den Informationsblättern der Gemeinde nicht herauslesen könnten, welche Fragen die politische Opposition an die Mehrheit richtete.
„Der Schöffenrat spricht immer von der guten Harmonie im Gemeinderat. Die ist aber schnell vorbei, wenn man nicht seiner Meinung ist“, bedauert Gaspar. Die DP setze sich dafür ein, dass die Bürger eher in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden werden und die politisch Verantwortlichen ihnen öfter bei Versammlungen Rede und Antwort stehen. Auch müssten die beratenden Gemeindekommissionen „substanziell aufgewertet werden“.

Zukunftsvision braucht Bebauungsplan und neues Bautenreglement

Die Systematisierung der Bürgerkonsultationen sei nicht zuletzt ausgesprochen wichtig, weil Monnerich einen Gemeindeentwicklungsplan brauche. „Wir wollen gemeinsam mit den Bürgern eine Zukunftsvision für unsere stark wachsende Gemeinde entwickeln“, betont Gaspar und unterstreicht, dass die Neufassung des allgemeinen Bebauungsplans für die Gemeinde noch immer auf sich warten lasse.
Die Wohnraumplanung sei natürlich ein ganz zentraler Punkt. Über die Frage hinaus, wo welcher Wohnraum entstehen muss, sei es sehr wichtig, dass das Bautenreglement umgehend überarbeitet wird. „Das stammt aus einer anderen Zeit“, erklärt Gaspar, der als Industrieingenieur und technischer Koordinator der hauptstädtischen Wasserwerke viel mit Baubestimmungen zu tun hat, „wir müssen es auf den modernsten Stand bringen, weil es ansonsten die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum bremst.“
Monnerich sei ein teures Parkett, deshalb begrüßt die DP auch die Förderung von Sozialwohnungen wie beim Projekt „Wunnen am Park“. Woran es aber fehle, sei ein ausreichendes Angebot für betreutes Wohnen für Senioren. Die mit dem Projekt „A Bosselesch“ geschaffenen Strukturen würden da nicht reichen. Dringender Handlungsbedarf besteht für die DP Monnerich außerdem in Sachen Verkehrsberuhigung. „Die Belastung der verschiedenen Ortskerne der Gemeinde Monnerich ist nicht mehr zu ertragen“, befindet Serge Gaspar, der die Idee von „Shared Space“-Konzepten in den betroffenen Ortschaften konkretisieren und das Angebot in punkto öffentlicher Transport überprüfen und ausbauen möchte.
Die DP Monnerich bedauert in diesem Zusammenhang, dass der gemeindeeigene Schülerbus abgeschafft wurde, der die Kleinen nach dem Unterricht auch zu Sport- und Kulturveranstaltungen fuhr. Das Resultat sei, dass private Busunternehmen das nun übernehmen müssten, was nicht unbedingt rentabler ist. Die DP Monnerich wartet auch sehnsüchtig auf den geplanten neuen Verteiler an der Autobahn A4. Hier mangele es an Information.

Sich rüsten für die Kulturhauptstadt

Wichtig findet die DP auch, dass sich die Gemeinde Monnerich jetzt bereits für 2022 rüstet. Dann werden nämlich Esch und Umgegend zur europäischen Kulturhauptstadt. Eine Chance für Monnerich, findet Serge Gaspar, aber die Gemeinde müsse dann auch ihre Kulturinfrastrukturen modernisieren und deren Nutzung optimieren, damit sie auch Events veranstalten könne. Aber nicht nur das sei eine Voraussetzung, damit die Kommune ein gutes Bild abgeben könne: es müsse auch - ganz im Sinne der Besucher wie der Einwohner - an der Ausdehnung der Freizeitangebote gearbeitet werden. Dazu gehört etwa die Valorisierung des historischen Patrimoniums der Gemeinde, die Verbesserung des Radwegenetzes und der Beschilderung der Wanderwege sowie die Schaffung von Begegnungsstätten für die Jugend. Die DP setzt sich in diesem Sinne dafür ein, dass auch Bergem/Steinbrücken ein Jugendhaus bekommt. Insgesamt sei aber auch eine gut aufgestellte Gemeindeverwaltung vonnöten, die den Bedürfnissen der Bürger entgegen kommt. Dazu gehören für die DP auch den Anforderungen angepasste Infrastrukturen für die Gemeindearbeiter und Werkstätten.

„Luft nach oben“ bei Klimaschutzpakt

Und noch etwas liegt der DP Monnerich am Herzen: Dass die Gemeinde die Kriterien des Klimaschutzpakts besser erfüllt. „Wir sind momentan bei 50 Prozent, da ist noch Luft nach oben“, meint Serge Gaspar, der etwa für ein Dachkataster plädiert zur optimalen Nutzung von Solarenergie. Die Gemeinde müsse bei den öffentlichen Gebäuden auf jeden Fall mit gutem Beispiel voran gehen. Auch ein Überdenken der Abfallpolitik und der entsprechenden Taxen gehört für die DP Monnerich in das Programm des nächsten Schöffenrates.

Blick auf die Schuttdeponie, die 2014 abrutschte Foto: LJ - Lëtzebuerger Journal
Blick auf die Schuttdeponie, die 2014 abrutschte Foto: LJ