LUXEMBURG
LJ

Ergreifende Abschiedszeremonie für Großherzog Jean

Kalt, mit Schneefall und Nieselregen: Das Wetter passte am Samstag zur bedrückten Stimmung an diesem Trauertag, an dem Großherzog Jean zur letzten Ruhe gebettet wurde. Das Land und zahlreiche Gäste aus dem Ausland verneigten sich vor dem Staatschef, der zwischen 1964 und 2000 an der Spitze des Landes stand und am vergangenen 23. April im Alter von 98 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben war. Tausende zollten dem beliebten Monarchen Respekt, indem sie ihn in den letzten Tagen in der Aufbahrungskapelle im „Palais“ besuchten oder eine Abschiedsbotschaft in die dort und in vielen Gemeinden ausliegenden Kondolenzbücher eintrugen. Ganz besonders gedachte die hiesige Pfadfinderbewegung dem Großherzog, der seit 1945 ihr „Chefscout“ war. Bereits ab 7.00 sammelten sich die Scouts von FNEL und LGS an der Luxexpo, in Howald und am Parking Bouillon.

1.000 Pfadfinder marschieren für ihren „Chefscout“

Rund 1.000 Pfadfinder marschierten dann zum Petrusstal, wo sie eine „Chaîne des adieux“ bildeten und „Ce n’est qu’un au-revoir“ für ihren „Chefscout“ sangen. Rund 250 Scouts standen anschließend Ehrenspalier an der Strecke, die der Sarg des Großherzogs vom „Palais“ zum Eingang der Kathedrale in der „Rue Notre-Dame“ zurücklegen sollte. 30 standen zwischen Soldaten Spalier auf dem „Parvis“ vor dem Haupteingang der bereits lange vor Beginn der Zeremonie von Bürgern gut gefüllten Kathedrale, wo nach und nach ab 9.30 die Vertreter der Diplomatie und die Gäste aus dem Ausland eintrafen sowie die Vertreter der luxemburgischen Institutionen, deren Präsidenten allerdings im Trauerzug mitgingen.

Seinen letzten Weg trat der Leichnam von Großherzog Jean gegen 11.00 an, als sich die Pforten des „Palais“ öffneten und ein „Humvee“ die Kanonenlafette herauszog, auf der der mit der „Roude Léiw“-Fahne drapierte Sarg fixiert war. Während sich die Trauerprozession in Bewegung setzte mit, allen voran den Töchtern und Söhnen von Großherzog Jean, schallten vom Plateau du Rham 21 Ehrensalutschüsse in einem Zehn-Sekunden-Intervall herüber. Kurz nach 11.10 erreichte der Trauerzug den Eingang der Kathedrale in der rue Notre-Dame.

„Ein Mann der diskreten Liebe“

Sechs Offiziere der Armee und sechs der Polizei schulterten den Sarg und trugen ihn feierlich, unter den Klängen des „Wilhelmus“ vor den Altar. Ein ergreifender Moment, ebenso wie die Lesungen der verschiedenen großherzoglichen Familienmitglieder aus den Evangelien - den Anfang machte Prinzessin Marie-Astrid, die älteste Tochter von Großherzog Jean und die Predigt von Erzbischof Jean-Claude Hollerich, der den Verstorbenen als einen Mann „der diskreten Liebe“ würdigte.

„Seine erste große Liebe war unsere Heimat“, erwähnte Hollerich das Engagement von Großherzog Jean bei der Befreiung Luxemburgs. Er sprach auch die Liebe des Verstorbenen zu seiner Familie, zur Natur und zur Kunst an. „Altesse Royale, Dir waart frou mat eis an eisem Land, mir soen Iech duerfir Merci vu ganzem Häerz, a soen Iech: Monseigneur, mir hunn Iech gär“, schloss der Erzbischof. Sehr ergreifend waren auch die Dudelsackeinlagen der „Irish Guards“, des Regiments, in dem Großherzog Jean im Zweiten Weltkrieg diente und in dem er bis 2000 Ehrenoffizier war, sowie natürlich die „Sonnerie Nationale“, die den definitiven Abschied vom Verstorbenen einleitete, dessen Sarg nach der Nationalhymne in die Familiengruft in der Krypta verbracht wurde. Dort kann man Großherzog Jean übrigens noch heute und morgen eine letzte Ehre erweisen (zwischen 10.00 und 12.00 und zwischen 14.00 und 19.00). Für die Gäste gab es abschließend noch einen Empfang im „Palais“.