LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Erinnerungen an Fred Junck, den Gründer der städtischen Cinémathèque

Fred Juncks Markenzeichen war die Zigarre, wie zwei seiner Vorbilder: Alfred Hitchcock und Samuel Fuller. Geboren wurde er am 26. März 1942 in Luxemburg-Stadt. Im Alter von zwölf Jahren wurde er nach Paris in ein Internat geschickt, dorthin, wo 1895 das Kino geboren wurde. In seiner Freizeit ging er lediglich ins Kino, kannte schnell sozusagen alle Filme, die bis dahin gedreht wurden. Im Alter von 18 Jahren nahm er an der Fernsehsendung „La tête et les jambes“ teil und beeindruckte das Publikum mit seinen Kinokenntnissen. Am Ende gewann er eine halbe Million alter französischer Franken.

Vom Lyzeumsschüler zum Filmemacher

Er schaffte seinen Abschluss im Lycée Henri IV und studierte danach Journalismus und Kino im „Institut des Hautes Études Cinématographiques“. Seine Klassenkameraden waren die späteren Regisseure Barbet Schroeder und Bertrand Tavernier sowie der Historiker und Filmkritiker Bernard Eisenschitz. 1968 absolvierte er den obligatorischen Militärdienst. Ein Jahr später koproduzierte er den Film „More“ von seinem Kommilitonen Barbet Schroeder.

1970 drehte er den 13-minütigen Dokumentarfilm „A Man, a Legend: George S. Patton“ über den General Patton. Mit dem restlichen Filmmaterial realisierte er damals den Kurzfilm „Topless Dancer“ in Los Angeles. Der Kurzfilm „L’Europe en marche: Hommage à Robert Schuman“, den er im Auftrag der Europäischen Kommission drehte, folgte 1972. Hierzulande schrieb er für das „Républicain Lorrain“ und die „Revue“ und moderierte eine Sendung über das Kino bei RTL. 1971 heiratete er seine Frau Anise.

Früher Traum

Er träumte von einer Filmsammlung, wie die der „Cinémathèque Française“, deren Gründer Henri Langlois er durch seine Besuche in der Pariser Cinémathèque kannte. Langlois schürte seine Passion, Filme zu sammeln. So fand Junck im Laufe der Jahre die als verschollen gegoltenen Filme „Laster der Menschheit“ (1927) von Rudolf Meinert mit Asta Nielsen, und „Der Mann ohne Kopf“ (1927) von Nunzio Malasomma. 1993 erwarb er eine Nitratkopie von „Waterloo“ (1929) von Karl Grune von einem privaten Sammler. Der Film wurde restauriert und im Rahmen des Europäischen Kulturjahres 1995 in Luxemburg projiziert, mit einer Musik von Carl Davis. Junck hatte Davis bei einem Stummfilm-Festival im italienischen Pordenone kennengelernt. 1987 wurde das „Live Cinema“ ins Leben gerufen. Davis dirigierte ein Orchester, das die von ihm komponierte Musik zu einem Stummfilm spielte.

1973 hatte sein Traum eine positive Wende bekommen, als der Luxemburger Staat die private Filmkollektion von Philippe Schneider aufkaufte. Er sollte sie katalogisieren und wurde im Kulturministerium angestellt. 1975 gründete er die Vereinigung „Cinémathèque de Luxembourg“ zusammen mit unter anderem Nico Simon, Charles Wünsch und Jang Defrang. Eddie Mitchell verkaufte ihm eine Filmsammlung, was die Basis der Cinémathèque darstellte. 1976 wurde der erste Film im Saal „Vox“ gespielt.

Übernahme der Cinémathèque führte zu Streitigkeiten

1977 wechselte Junck zum „Service Culturelle“ der Gemeinde Luxemburg. Kurz danach wurde die Cinémathèque eine Abteilung der Stadt Luxemburg. Allerdings führte diese Übernahme zu Streitigkeiten mit seinen Mitbegründern, die ihm vorwarfen, nur seiner Sammel-Leidenschaft nachzugehen. Außerdem mussten sich die Cinémathèque und der neu gegründete „Ciné-Club 80“ den Kinosaal „Vox“ teilen, was zu noch größeren Reibereien führte. Viele hatten den Zweck einer Cinémathèque missverstanden, der darin besteht, Filme zu archivieren, und nicht zu verleihen, außer im Rahmen eines Austauschs mit einer anderen Cinémathèque.

Filmrolle in „La Boulangère de Monceau“

Seine erste Filmrolle spielte Junck indes 1963 in dem Kurzfilm „La Boulangère de Monceau“ von Eric Rohmer, in dem auch Barbet Schroeder mitwirkte. Er war auch in etlichen luxemburgischen Filmen zu sehen, wie unter anderem in den Andy-Bausch-Filmen „A Wopbopaloobop A Lopbamboom“ (1989) und „Three Shake-a-leg Steps to Heaven“. Er erkrankte an Lungenkrebs und spielte wohlwissend in Robinson Savarys Kurzfilm „Falstaff on the Moon“ (1993) einen sterbenden Boxer. Er starb am 10. Februar 1996. Andy Bausch setzte ihm mit seinem Dokumentarfilm „L’Homme au cigare“ (2003) ein Denkmal.