PATRICK WELTER

Man hat die letzten Monate gedacht er ist der Schlaffi schlechthin, denn Virilität strahlt Monsieur Le Président nun wirklich nicht aus. Er hat gar nichts von dem „Wen schleppe ich den heute Abend ab?“ seiner konservativen Vorgänger - legendär die Aussage von Mme. Chirac „Wieso glauben Sie, dass ich weiß, wo mein Mann schläft?“. Aber eigentlich geht es nicht um das Sexualverhalten frankophoner Potentaten.

Aber Ende vergangener Woche hat er dann auf einmal gezeigt, dass er doch Entscheidungen fällen kann und wenn es sein muss sogar im Alleingang. Mit seinem Entschluss in Mali zu intervenieren und die islamistischen Rebellen im Norden des Südsahara-Staates aus der Luft und am Boden anzugreifen, hat François Hollande richtig gehandelt. Europa und auch weite Teile der UNO waren sich einig, dass man der legitimen Regierung von Mali in ihrem Kampf gegen die Gotteskrieger aus dem Norden Hilfe leisten müsse. Im Prinzip. Selbst die Deutschen, als gebrannte Kinder in militärischen Dingen etwas zögerlich, erklärten sich zu einer Ausbildungsmission in Mali bereit. Demnächst.

Jetzt brennt aber der Dachstuhl schon lichterloh. Während die anderen noch diskutierten ob man denn jetzt schon die Feuerwehr holen müsse, ließ Hollande die französische Luftwaffe von der Leine um denen, die glauben sie mordeten im Namen Gottes, zu zeigen, dass man in der Lage ist mit gleicher Münze zurückzuschlagen. Damit bewies Hollande dann doch, dass er das hat, was die legendäre Madeleine Albright einst in einer UNO-Vollversammlung beim Namen nannte - „Cojones“. Denn die Franzosen wissen nur zu gut, dass sie sich mit einer engagierten Politik gegen Islamisten einer deutlichen Terrorgefahr aussetzen. Irgendwann wird auch in Frankreich eine gottgefällige Bombe hochgehen, trotzdem setzt Holland nicht auf Appeasement. Man kann den Franzosen nur wünschen, dass ihr Präsident den Realitätssinn, den er in der Außenpolitik beweist, auch in der Sozial- und Wirtschaftspolitik anwendet.

Seit dem Spanischen Bürgerkrieg wissen wir, dass die Devise vom Raushalten immer nur den Falschen nützt o. Die Demokratien haben sich rausgehalten, Deutschland und Italien haben für Franco getan was sie konnten.

Das Raushalten ist ein süßer Traum idealistischer Gutmenschen und die Devise von übertaktierenden Politikern - wie das Gespann Merkel/Westerwelle in der Libyen-Krise. Hinterher standen sie nicht nur dumm, sondern alleine da!

Sie haben ihre Lektion gelernt. Gestern teilte der deutsche Außenminister mit, dass man den französischen Einsatz und den der legitimen Armee Malis und ihrer Verbündeten logistisch unterstützen will. Nach Paris hat jetzt auch Berlin begriffen, dass in der südlichen Sahara ein neues Rückzugsgebiet für Islamisten entsteht. Es ist zu begrüßen, dass auch SPD und weite Teilen der Grünen auf Hollandes Seite stehen.

Peinlich ist die Sache nur -wieder einmal- für Lady Ashton und ihre nicht vorhandene EU-Außenpolitik. Hat man die Dame in letzter Zeit mal vernommen? Gesehen? Nur erahnt? Natürlich nicht.