LUXEMBURG
NATALIA SLIOUTOVA

Ein Muss für Fans und Neueinsteiger: „Ys VIII“ überrascht mit einer fesselnden Geschichte

Wie der Titel bereits angibt, ist „Lacrimosa of Dana“ der achte Titel der Y-Serie und folgt wieder einmal den Abenteuern des rothaarigen Protagonisten, Adol Christin und seinen zahlreichen Freunden. Obwohl die Serie sich schon immer durch eine fesselnde Kampfmusik und interessante Rollenspiel-Momente auszeichnete, wurde sie nicht gerade mit Lob überschüttet, wenn es um die eigentliche Geschichte ging. Lacrimosa bricht jedoch mit dieser unrühmlichen Tradition und liefert ein fast perfektes Paket aus allen drei Komponenten, wodurch es deutlich aus der Reihe seiner Vorgänger heraussticht.

Gestrandet im Paradies

Die ersten Spielminuten erinnern sofort an andere JRPG-Titel wie zum Beispiel Final Fantasy, da so ziemlich alle bekannten Tropen des Genres über kurz oder lang zum Vorschein kommen. Der Protagonist befindet sich auf einem Schiff, auf dem Weg zu einem weiteren Abenteuer, als dieses plötzlich von einem Seemonster angegriffen und versenkt wird. Adol überlebt die Katastrophe und findet sich auf dem Strand der mysteriösen Insel Seiren wieder, die für das Verschwinden etlicher Reiselustiger berüchtigt ist. Ab da beginnt der spannende Teil des Spiels, indem es darum geht, Überlebende des Schiffbruchs zu suchen, eine Stadt aufzubauen und natürlich einheimische Monster zu jagen. Die Siedlung gewinnt mit jedem geretteten Charakter an Leben und natürlich auch Aufgaben. Jeder Nichtspieler-Charakter hat eine persönliche Hintergrundgeschichte, die ihn zu einer lebendigen Person macht und nicht bloß zu einer austauschbaren Pappfigur. Sie alle besitzen bestimmte Fähigkeiten, die der Gemeinschaft nutzen und schicken Adol regelmäßig auf Suchquests, um dieses oder jenes zu besorgen. Das Herumrennen nimmt einen derart in Anspruch, dass, wenn endlich der fantastischere Teil des Spiels anfängt, dieser kaum richtig zum Vorschein kommt und man lieber doch ein paar Ressourcen mehr einsammeln möchte, als den „prophezeiten Helden“ zu spielen. Mit der Zeit ändert sich das natürlich und die Handlung nimmt wieder Schwung auf.

Ein fast perfektes Gesamtbild

Eine gute Geschichte ist aber nur das halbe Spiel. Die Musik ist ohne Frage das absolut beste Element von Lacrimosa. Auch wenn sie ab und zu etwas zu episch für die momentane Handlung auf dem Bildschirm ist - es ist schon etwas seltsam, friedlich über eine Wiese zu laufen, während man von heroischen Klängen eines ganzen Orchesters begleitet wird. Die Kämpfe sind auch ein gewaltiger Pluspunkt. Sie sind fließend, abwechslungsreich und verlangen eine taktische Vorgehensweise vom Spieler. Leider gibt es auch einige Schattenseiten, die sich nicht so einfach übersehen lassen. Grafisch ist Lacrimosa eher nichtssagend und wirkt zuweilen etwas steif und leblos. Die englische Synchronisierung ist okay, mehr aber auch nicht. Ich weiß nicht, ob einiges bei der Übersetzung verloren gegangen ist, aber die Dialoge muten manchmal etwas seltsam an, was den Spieler aus dem Geschehen herausreißen könnte. Insgesamt aber ist „Lacrimosa of Dana“ ein würdiger Neuzugang in der Serie und macht vieles richtig.