Luxemburg ist in den letzten Tagen mit seinem Finanzplatz und den nach wie vor hier geltenden gesetzlichen Bestimmungen einmal mehr unter starken Druck geraten. Die neue „offshore leaks“- Affäre betrifft ja nicht nur alle Finanzplätze, die sich vor allem aufgrund ihrer geografischen Lage - die Karibik, der Ärmelkanal, u.a. lassen grüßen! - mit ihren verschwiegenen Buchten und anderen Örtchen schon immer für die Hortung von Geldmitteln eigneten, von denen die für die wahren Besitzer zuständigen Steuerbehörden nichts wissen sollten. Der Zuspruch für diese Orte stammt ja nicht erst aus den letzten Jahren, sondern hält seit vielen Jahren an und offensichtlich hat der Bedarf auch in der jüngeren Vergangenheit keineswegs nachgelassen.

Steuersünder, wenn man sie denn zu fassen kriegt, sollten bestraft werden, weil sie ihren staats- und steuerbürgerlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen sind und damit dem Allgemeinwohl Mittel unterschlagen haben.

Lustig ist es jedoch immer wieder, wenn Kriminelle andere als Kriminelle beschimpfen und verunglimpfen. Da hört man dann aus einer vorzüglich gespielten Entrüstung so richtig den Edelmut und die ach so zutiefst empfundene ehrliche Gesinnung heraus, die man bei jenen, die man Kriminelle schimpft, so sehr vermissen muss, weil es „denen“ doch nur auf den Betrug und auf die Bereicherung auf Kosten der anderen ankommt, die davor zu schützen man sich zur eigenen edlen Aufgabe gemacht hat. Besonders amüsant wird die Affäre, wenn man sich die Mühe macht und sich ein bisschen umschaut bzw. sich in die gar nicht mal so weit zurückliegende Vergangenheit versetzt. Es gibt ja nicht nur den Budgetminister von Moralpräsident Hollande und dessen Wahlkampfschatzmeister - ach wie lustig! -, die sich hinsichtlich Verschacherung von unversteuertem Geld kräftig ins Fettnäpfchen gesetzt haben, nachdem man schon angenommen hatte, nach Bernard Tapie würde es keinem exponierten französischen Linkspolitiker mehr einfallen, sich mit beiden Füßen im Sumpf der Steuerhinterziehung erwischen zu lassen. Monsieur Hollande wird jetzt Lernfähigkeit gut zu Gesicht stehen.

Nicht minder amüsant ist auch die massive Entrüstung, die von jenseits von Mosel und Sauer zu uns herüberschwappt. Dabei hat es die Partei von Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble nie so richtig geschafft, trotz aller Ermittlungen ihre unter Kanzler Kohl aufgeflogene Parteispendenaffäre offen zu legen. Genosse Kanzlerkandidat Steinbrück war sich auch nicht zu schade, den Stadtkämmerer einer am Rande des finanziellen Abgrunds vegetierenden Reviergemeinde um ein überhöhtes Redehonorar zu schröpfen und sogar - sieh an, sieh an! - die Linke-Vorgängerin PDS soll es mit der finanziellen Ehrlichkeit im Rahmen der „Abwicklung“ eines maroden DDR-Systems nicht so ganz genau genommen haben.

Seltsam doch diese Allianzen, wenn die Protagonisten plötzlich gemeinsam mit dem Finger auf andere zeigen zu können glauben, anstatt sich in erster Linie mal um die eigene Vergangenheitsbewältigung zu kümmern. Auf Waffen- und andere schmutzige Geschäfte wird noch zurückzukommen sein. Moral ist ein sehr breites Feld.