NORA SCHLEICH

Philosophie mam Nora

Wir sind Kommunikationswesen. Wir teilen mit, chatten und diskutieren, um uns untereinander zu verständigen und uns somit auch die Welt teilweise verständlicher zu machen. Das Hilfsmittel, welches wir dazu benutzen, nennt sich Sprache. Sanskrit, Englisch, Drawidisch, Luxemburgisch oder Zulu, es ist ganz gleich, welcher Ton angeschlagen wird. Zweck der Sprache bleibt die Über- und Vermittlung von Inhalten, die, man gebe es zu, mal mehr und mal weniger relevant sind. Es geht heute also um die Sprache an sich.

Die Frage nach Struktur und Möglichkeiten der Sprache beschäftigte bereits die alten Griechen. So beschrieb Aristoteles die Sprache als eine Mitteilung von Bewusstseinsinhalten. An diesen Ansatz möchte ich nun anschließen und Ihnen die Sprachtheorie des deutschen Philosophen Gottlob Frege näher bringen. Zwischen Aristoteles und Frege liegen gut 2.300 Jahre, jedoch eint die beiden die Frage nach dem Inhalt unseres Sprachgebrauchs.

Dazwischen beschäftigten sich natürlich noch weitere Denker mit dem Thema Sprachphilosophie. Einige wichtige Deutungen gehen zurück auf von Humboldt, der die Sprache als Vernunftmittel ansah, durch das uns der Zugang zur tatsächlichen Welt überhaupt erst möglich gemacht wird. Die Sprache stellt sich dieser Tendenz nach als eine Art transzendentale Bedingung des Wirklichen dar: ohne Sprache, kein Erfassen der Welt.

Ganz anders, aber nicht weniger bedeutend, ist die Lesart, Sprache als ein relatives und kontextabhängiges Konstrukt zu verstehen. Jede einzelne Sprache weist durch ihre eigene Struktur eine besondere Weltansicht und kulturellen Hintergrund implizit mit auf, so wie jeder einzelne Mensch seine Worte auf seine eigene Art und Weise wählt, je nach persönlichem Verständnis.

Ist dann die Katze überhaupt Katze, oder ist es nur die Katze, weil wir sie so nennen? Welch ein Wirrnis, dachte sich wohl auch Frege und bemühte sich darum, das Phänomen des Sprachinhalts logisch und systematisch aufzudecken. In seinem gleichnamigen Essay deckt er die Unterschiede von „(Über) Sinn und Bedeutung“ von Bezeichnungen, seien dies Wörter, Namen oder Sätze auf. Unter anderem nutzt er dazu folgendes Beispiel: Erscheint uns die Venus am Morgen, nennen wir sie Morgenstern, nach dem Zykluswechsel betrachten wir sie am Abend und benennen sie Abendstern. In beiden Fällen handelt es sich jedoch stets um den gleichen Himmelskörper, die Venus.

Der Sinn von Morgen- und Abendstern ist jedoch ein anderer, im ersten Fall ist ein uns am Morgen erscheinender Stern gemeint, im letzten benennen wir ein abendliches Funkeln. Sinn entsteht laut Frege also aus einer Gegebenheitsweise, so, wie der Gegenstand sich uns präsentiert, so wie wir ihn wahrnehmen. Der Sinn beschreibt also einen ausgedrückten Gedanken, welcher aus einer persönlichen Situation und Interpretation heraus entsteht. Die Bedeutung von Morgenstern und Abendstern ist hingegen die gleiche, gemeint ist die Venus. Also gründet sich Bedeutung nicht auf einem subjektiven Eindruck, sondern entsteht erst durch den Bezug auf den gegebenen und bezeichneten Gegenstand.

Eine Bezeichnung kann also auch einen fiktiven Inhalt haben, und dennoch sinnvoll sein. So kann zum Beispiel die Sage um einen erdichteten Helden durchaus Sinn ergeben, ganz gleich ob sich wirklich eine Person hinter der Geschichte verbirgt oder nicht. Die bloße sinngemäße Deutung kann also nicht aufweisen, ob etwas der Wirklichkeit entspricht, sie übermittelt keinen Wahrheitsgehalt. Erhält eine Bezeichnung aber eine Bedeutung, so beweist dies sich als Referenz zu dem gemeinten Gegenstand. Odysseus – ja, der Name macht Sinn, aber hat er auch eine wirkliche Bedeutung?

Die wirkliche Bedeutung steht also im Zusammenhang mit dem existierenden Gegenstand. Dies kann nur beantwortet werden, wenn überprüft werden kann, ob nun wirklich eine wahrhaft existierende Person namens Odysseus, die zahlreiche Abenteuer auf einer längeren Irrfahrt erlebte, genau die Figur ist, die Homer in seinem Werk beschrieb. Wie ist dies zu überprüfen? Wann können wir sicher sein, dass sich auch wirklich ein Gegenstand hinter dem Gemeinten befindet? Nun, ob uns bei der Beantwortung dieser Frage ein Licht aufgehen kann, sei es am Morgen oder am Abend, ist Thema einer anderen weiterführenden Diskussion.