LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Der Wein hat zwei Wochen Vorsprung - Keine Probleme mit Saisonarbeitern aus Polen

Es war jetzt wochenlang warm und trocken, nur in den letzten Tagen hat es nach landwirtschaftlichen Maßstäben ein „bisschen“ geregnet. An den Hängen der Mosel und im unmittelbaren Hinterland haben die Rebstöcke in den Weinbergen unter diesen Bedingungen richtig Gas gegeben. Ein Anruf bei Serge Fischer vom Weinbauinstitut (IVV) in Remich bestätigt die Beobachtung des Laien. Aktuell haben die Weinstöcke gegenüber dem langjährigen Jahresmittel einen Vegetationsvorsprung von vierzehn Tagen. Zitieren wir aus dem jüngsten Newsletter des IVV: „In etlichen Lagen ist das 5-Blattstadium bereits erreicht. Der langjährige Mittelwert vom 4-Blattstadium bei der Rebsorte Rivaner liegt beim 14. Mai! Hiermit verzeichnen wir also einen Vegetationsvorsprung von gut 2 Wochen!“ Vordergründig eine gute Nachricht, aber ein Risiko bleibt: Kälte. Es darf keinen Spätfrost geben. Im letzten Jahr hatte bitterer Frost in den ersten Maitagen in manchen Lagen für Ausfälle von 50 bis zu 100 Prozent gesorgt - dort waren die jungen Blüten erfroren. Es kommt dann zwar später zu „Notblüten“. deren Menge deutlich geringer ist und deren Bearbeitung reichlich Arbeitskraft bindet.

Saisonkräfte

Die größte Sorge der heimischen Winzer war in den letzten Wochen die Frage, ob ihre langjährigen Saisonarbeiter für einen ersten Einsatz in den Weinbergen einreisen durften. Laut Weinbauinstitut muss man das mit einem klaren „Jein“ beantworten. Die Lage bei den Saisonkräfte aus Polen ist unproblematisch. Um die Einreise aus Polen und den Transit durch Deutschland zu sichern, hatte das Weinbauinstitut den Winzerbetrieben Muster-Arbeitsverträge zum Download zur Verfügung gestellt. Andererseits scheinen Mitarbeiter aus Rumänien dagegen komplett auszufallen. Einige Winzer suchten noch nach individuellen Lösungen.

Keine Grenzprobleme

Kein Problem gibt es bei der Bewirtschaftung von Weinlagen auf der deutschen Seite durch ihre luxemburgischen Eigentümer. Auch der grenzüberschreitende Handel mit landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln, etwa Jungpflanzen, verlaufe ohne Probleme.

Stimmungslage? Es kommt auf die Kunden an

Sieben Wochen Stillstand haben unter den luxemburgischen Winzern zu einer getrennten Entwicklung geführt. Wer im Direktvertrieb hauptsächlich private Haushalte oder den Handel beliefert, dessen Geschäft läuft, wenn auch reduziert, weiter. Anders die Lage bei den Weinhäusern, deren Kundschaft sich hauptsächlich aus der Gastronomie rekrutiert, deren Absatz ist durch die Corona-Schließungen zusammengebrochen.

Die Arbeit muss weitergehen

Im Weinbauinstitut muss die Arbeit weiterlaufen, aber auch dort hat man sich aufgeteilt zwischen Homeoffice und Präsenzkräften. So muss beispielsweise die Weinbaukarteierhebung für 2020 weitergehen - die Frist zur Einreichung von Daten läuft am 15. Juni aus. Stillstand geht einfach nicht.