LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Therapiebegleithund Bonnie verbessert den Alltag vieler Patienten

Sylvie Georges (47) aus Wiltz ist seit 2005 psychiatrische Krankenschwester in Ettelbrück. Vor vier Jahren erhielt sie tatkräftige Unterstützung auf vier Pfoten: Ihr Therapiebegleithund Bonnie (4) ist nicht nur zu Hause pausenlos an ihrer Seite, sondern auch mit vollem Engagement bei der Arbeit in der Tagesklinik des Ettelbrücker „Centre Hospitalier Neuropsychiatrique“ mit dabei. Welche Vorteile die tiergestützte Therapie mit sich bringt und wie sich das Leben eines Therapiebegleithundes gestaltet, erzählt uns Sylvie Georges heute im Interview.

Wie sieht ein Arbeitsalltag von Ihnen und Bonnie aus?

Sylvie GeorgesBonnie ist als Therapiebegleithund in diese Arbeit sozusagen reingewachsen. Sie nimmt am alltäglichen Leben in der Tagesklinik teil. Je nach Programm gibt es entweder Gruppensitzungen oder individuelle Therapien, in denen unter anderem Entspannungsübungen mit dem Hund durchgeführt werden. Wir nehmen aber auch am Nordic-Walking Angebot für unsere Patienten teil, sozusagen als Begleiter. Wenn es dort Patienten gibt, die nicht so gut zu Fuß sind, gehen wir in einem gemütlichen Tempo mit diesen mit. Der Hund ist dabei oft eine gute Motivation.

Inwiefern ist der Hund eine Unterstützung für die Therapie?

Georges Eigentlich bereits, indem er einfach präsent ist. Er verhilft unmittelbar dazu, dass Leute Hemmungen abbauen. Oft gibt es Patienten, die sich nicht gut öffnen können. Wenn der Hund dabei ist, reden sie mit ihm, sie streicheln ihn und fühlen sich dadurch bereits ein wenig besser. Es ist auch nachgewiesen, dass die Präsenz eines Hundes den Stresspegel oder den Blutdruck eines Menschen absinken lassen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Geschichte einer Patientin, die vor einiger Zeit bei uns war. Sie litt an schweren Depressionen und hatte mit etlichen unglücklichen Situationen aus ihrem Leben zu kämpfen. Sie hat niemanden weiter an sich rangelassen, kam aber sehr gut mit Bonnie klar. Sie hat sich immer gefreut, den Hund zu sehen, und Bonnie mochte sie auch wirklich sehr. Als sie unsere Tagesklinik dann verlassen konnte, hat sie uns schon recht klar zu verstehen gegeben, dass sie nur wegen Bonnie gekommen ist, und dass der Hund ihr mehr geholfen hätte, als alle anderen Therapien. Sie sagte, dass nur Bonnie sie trösten konnte, wenn es ihr schlecht ging. Sie hat sich damals oft von uns zurückgezogen und sich weinend verkrochen, aber Bonnie ist dann zu ihr hin und hat ihr Mut gemacht. Man darf nicht vergessen, dass der Hund vorurteilsfrei ist, jeden akzeptiert wie er ist, sodass die Patienten sich von ihm direkt angenommen fühlen, was sie ja im alltäglichen Leben als psychisch Kranke meist nicht so erleben. Auch wenn ein Patient sich zum Beispiel nicht traut, zum Psychiater zu gehen, hilft es, wenn der Hund ihn dahin begleitet! Er stellt eine große Unterstützung für den Alltag dieser Menschen dar. Mittlerweile fragen auch Psychologen oder Psychiater gezielt an, damit die Patienten zu Bonnie kommen können.

Bislang gab es also nur positives Feedback?

Georges Ja, also in den vier Jahren, wo ich sie jetzt dabeihabe, gab es nur Lob für Bonnies Arbeit. Zwei von unseren Patienten konnten bereits ihre Hundephobie überwinden. Eine Frau hat ganz bewusst wahrgenommen, wie gut das Dabeisein eines Hundes ihr tut, und hat sich nun aus dem Asyl auch einen vierbeinigen Begleiter geholt! Es gibt also eine Reihe sehr positiver Effekte durch die tiergestützte Therapie. Natürlich gibt es auch Menschen, die gar nichts damit anfangen können. Leute die es aber anspricht, produzieren zum Beispiel deutlich mehr Glücks- und Liebeshormone, wenn sie sich mit dem Hund beschäftigen. Ich persönlich kann auch feststellen, dass die Menschen viel zugänglicher sind, wenn ein Hund dabei ist. Auch seitens des Personals wird man mit Hund ganz anders wahrgenommen.

Auf was müssen Sie als Hundeführer aufpassen?

Georges Meine Rolle als Hundeführer ist es, darauf zu achten, dass der Hund, der stets freundlich und aufmerksam ist, auch zur Ruhe kommt und sich zurückziehen kann. Sie kann sich nicht acht Stunden lang permanent um Patienten kümmern. Die Gesundheit und das Wohlbefinden von Bonnie stehen an oberster Stelle. Ich muss dies auch ab und an den Patienten erklären, die aber immer ganz verständnisvoll sind.

Somit gewinnen diese auch ein wenig an Sozialkompetenz und Rücksichtnahme. Ich merke auch, ob jemand etwas mit einem Hund anfangen kann, oder nicht. Bonnie kriegt das ebenfalls schnell mit. Wenn wir frei im Raum sitzen, geht sie punktuell zu denen Menschen, die sie mögen, die anderen lässt sie in Ruhe. Es muss sich ja auch nicht jeder mit dem Hund beschäftigen.

Unterscheidet der Hund zwischen Arbeit und
Freizeit?

Georges Ich denke schon, denn wenn wir bei Patienten sind, würde Bonnie sich nie hinlegen, entspannen und schlafen. Dort muss sie darauf acht geben, dass alles in Ordnung ist. Im Büro hingegen schläft sie, aber sobald wir auf Patienten treffen, ist sie wieder aufmerksam. Ich denke auch, dass sie gerne arbeiten geht. Wenn wir morgens auf dem Parkplatz ankommen, ist sie aufgeregt, wackelt mit dem Schwanz und stürzt sich aus dem Auto. Ich denke immer, es gibt keinen Menschen, der so zur Arbeit rennt, wie Bonnie!

Wie kam es dazu, dass Sie zur tiergestützten Therapie wechselten?

Georges Ich habe mich schon immer dafür interessiert. Per Zufall bin ich auf eine Ausbildung hier in der Gegend gestoßen, habe mich dann angemeldet und über 18 Monate an Kursen und Seminaren teilgenommen. Anfangs wollte ich eigentlich eher mit Kleintieren arbeiten. Als ich mich aber bei einem gemeinsamen Mittagessen mit den Patienten unterhielt, wurde es sehr schnell klar, dass diese sich alle einen Hund wünschten.

Also habe ich ein Projekt ausgearbeitet, welches von der Direktion abgesegnet wurde. Ich wurde wirklich von allen Seiten dabei unterstützt. Ja, dann bin ich zum Züchter gefahren und habe mir dort den bravsten und liebsten Hund rausgesucht. Die Tochter des Züchters war damals noch recht jung, und hat mir erzählt, dass dieser eine Welpe sie getröstet hat, als ihr Kaninchen gestorben ist. Das war für mich wirklich ausschlaggebend, und so kam Bonnie zu mir.