LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Vergangenheitsbewältigung in „Der Fall Collini“

Der Roman „Der Fall Collini“ von Ferdinand von Schirach erschien 2011. Die Geschichte des Strafprozesses gegen Fabrizio Collini, der des Mordes an dem Industriellen Jean-Baptiste Meyer, genannt Heinz, angeklagt ist, ist in erster Linie eine Kritik an dem Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten von 1968, das von der Verjährung von Straftaten handelt, insbesondere den Beihilfen zum Mord aus den Tagen des Nationalsozialismus. Marco Kreuzpaintner inszenierte die Verfilmung des Romans, die gleichzeitig mit Deutschland in unseren Kinos startet.

Ein schweigender Täter

Collini (Franco Nero) betritt das Hotelzimmer von Meyer (Manfred Zapatka). Einen Moment später irrt er mit blutbeschmierten Schuhen durch die Hotellobby. Er hat Meyer mit drei Schüssen getötet. Das Gericht nominiert den jungen Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) als Collinis Pflichtverteidiger. Erst als er erfährt, dass es sich um den Industriellen Heinz Meyer handelt - der Vorname Jean-Baptiste hat ihn irregeführt -, realisiert er, dass dieser Mann sein Ersatz-Vater in seiner Jugend war. Meyers Enkelin Johanna (Alexandra Maria Lara) hatte einst eine Affäre mit ihm. Er will sein Mandat ihretwegen niederlegen. Sein Mentor Professor Mattinger (Heiner Lauterbach) meint jedoch, dass er Anwalt ist und somit die Pflicht hat, seinen Klienten zu verteidigen, und dass Privates draußen vor dem Gerichtssaal bleiben muss. Leinen ist überrascht, als er Mattinger im Gericht trifft, wo er die Interessen von Johanna vertritt. Alle Versuche das Motiv von Collini zu erfahren, scheitern an dessen Schweigsamkeit. So weiß Leinen nicht richtig wie er die Affäre anpacken soll. Die Tatwaffe, eine Walther P38, bringt ihn auf eine Spur, die bis in die dunkelste Vergangenheit Deutschlands führt, den Zweiten Weltkrieg.

Überraschende Wende

Obschon alle Indizien schnell gesteckt sind, lahmt der Film etwas. Erst im zweiten Drittel beginnt der Film spannend und interessant zu werden. Bis dahin beirren kurze Einstellungen von Zeitungsartikeln oder Prozessakten den Zuschauer, während Bilder aus Caspars Jugend, die er in Gesellschaft von Meyers Enkel Philipp und Enkelin Johanna verbrachte, die Beziehung zu der Familie Meyer klären. Das Motiv von Collini überrascht umso mehr, da man mit allem gerechnet hat, außer mit der Zeit der Nazis als Hintergrund. In Rückblenden werden die Taten der Hauptbeteiligten gezeigt, die betroffen machen. Auch verwundert dieses Gesetz von 1968, dass die Schandtaten der Nazis als verjährt erklärte. Eine Erklärung zum Wieso liefert der Film auch. Elyas M’Barek hängt seine filmische Vergangenheit als Lehrer Zeki Müller in den drei „Fuk ju Göhte“-Filmen noch an. Doch er beweist, dass er diesen jungen Anwalt ganz ernst und ohne komödiantische Schnörkeleien spielen kann. Interessant ist auch die Interpretation des einstigen Django-Darstellers Franco Nero. Er schaut ganz grimmig drein und verzieht keine Miene. Erst als Leinen auf die richtige Spur kommt, wechselt sein Blick zwischen Verwunderung und Erleichterung hin und her.

Ein Motiv, das verblüfft, und eine interessante Zusammensetzung aus Bildern des Prozesses und Rückblenden in verschiedene Zeitepochen, machen aus „Der Fall Collini“ einen sehenswerten Film.