LUXEMBURG
NANCY LAMBERT

Acht Schüler aus Diekirch haben ein Memoryspiel mit Lerneffekt entwickelt

In welche Mülltonne gehört nochmal Papier? Und wie sieht es mit dem Restmüll aus? Fragen, die sich vermutlich manch einer schon bei der Abfalltrennung gestellt hat. Um dieser Fragerei ein definitives Ende zu bereiten, haben acht Schüler aus dem „Lycée classique de Diekirch“ das Memoryspiel „pouBELLE“ entwickelt, das die Mülltrennung auf spielerische Art erklärt. Im Rahmen des Optionsfachs „Mini-Entreprise“ hat das Mini-Unternehmen „Luxetoys“ bereits in mehreren Schulen sowie Einkaufszentren sein Spiel vorgestellt. Damir Babacic, Leiter des Unternehmens, und David Merenz, Verwalter, haben sich Zeit für ein Interview genommen.

Wie ist es zu der Idee des Memoryspiels „pouBELLE“
gekommen?

DAVID MERENZ Unser Optionslehrer hat uns zu dieser Idee inspiriert. Anfangs hat er vorgeschlagen, Sticker zur Verschönerung der Mülltonnen zu entwickeln. Irgendwann warf jemand die Idee eines Spiels in den Raum, sodass wir beide Vorschläge miteinander verknüpft haben.

DAMIR BABACIC Viele Schüler in unserem Alter wissen außerdem nicht, was in welche Mülltonne gehört. Deswegen ist unser Spiel eine gute Gelegenheit, dieses Problem etwas weniger gravierend darzustellen.

Wie haben die Leute auf euer Spiel reagiert?

DAMIR Die meisten sind davon überzeugt, dass es eine sehr gute Idee ist und dass es ein voller Erfolg wird.

DAVID Bei unseren beiden Verkaufsständen haben wir auch mit Lehrpersonal aus Grundschulen und Kindergärten gesprochen. Sie waren der Meinung, dass unser Spiel vor allem im Rahmen der Schule ein super Projekt sei, weil die Mülltrennung ohnehin auf dem Schulplan steht und mithilfe unseres Spiels gelernt werden kann.

Haben sie euch auch Verbesserungsvorschläge mit auf den Weg gegeben?

DAMIR Die Mülltonnen gibt es im Spiel nur in Kartenform. Manche waren also der Meinung, dass wir, vor allem für Schulen, die Mülltonnen in Miniaturform bestellen sollten. Das haben wir dann auch probiert, allerdings sind sie viel teurer. Das Spiel an sich kostet zwölf Euro, doch die vier Miniaturmülltonnen, die wir bestellt haben, haben insgesamt 40 Euro gekostet. Das war dann doch etwas viel. Man hat uns vorgeschlagen, die Spiele mit den Miniaturmülltonnen den Schulen zu überlassen. Das hätten wir vielleicht umsetzen können, doch insgesamt wäre es dann doch etwas zu teuer gewesen.
Wie viele Spiele habt ihr bisher verkauft?

DAMIR Unser Spiel wird in rund einem Monat erscheinen. Bisher haben wir an den Verkaufsständen zwischen 30 und 40 Bestellungen aufgenommen. Das ist nicht besonders viel, aber unser Ziel besteht in erster Linie auch nicht darin, einzelne Personen oder Familien anzusprechen. Wir konzentrieren uns eher auf Ministerien, Schulen und Gemeinden. 100 Exemplare an eine Gemeinde zu verkaufen, die sie anschließend in Schulklassen verteilt, wäre ein mögliches Ziel.

Welche Schwierigkeiten habt ihr bisher in eurem Mini-Unternehmen erlebt?

DAVID Unsere erste Hürde bestand darin, uns überhaupt ein Konzept für unser Mini-Unternehmen zu überlegen, mit dem alle einverstanden waren. Nach zwei oder drei Wochen haben wir dieses Problem allerdings gut gelöst. Die zweite Hürde stellte das Budget dar. Es war ziemlich schwierig, zu acht ausreichend Geld zusammenzukriegen, sodass wir schlussendlich Aktien verkauft haben. Das Geldsammeln hat relativ lange gedauert, doch auch dieses Problem haben wir gut bewältigt. Schlussendlich gibt es noch eine weitere Hürde: die Spielproduktion. In dieser Phase befinden wir uns zurzeit noch.

DAMIR Unsere größte Schwierigkeit bestand darin, ausreichend Geld für die Bestellung zu sammeln. Sie hat insgesamt 5.000 Euro gekostet. Dank eines großzügigen Sponsors des Ministeriums konnten wir aber schlussendlich 1.000 Spiele bestellen.

Was unterscheidet euch von anderen Mini-Unternehmen?

DAVID Was bei uns heraussticht, ist der Lerneffekt unseres Spiels. Kinder und Erwachsene, die „pouBELLE“ spielen, lernen etwas Neues dazu. Außerdem ist die Mülltrennung ein wichtiger Bestandteil des Lebens.

DAMIR Nicht nur wir sollen Profit aus dem Spiel ziehen, sondern es soll auch den Spielern etwas Wertvolles beibringen. Ich denke, dies ist der Hauptaspekt, der uns von anderen Mini-Unternehmen unterscheidet. David und ich sind übrigens auch die Einzigen in unserem Mini-Unternehmen, die bei Verkaufsständen fremde Leute ansprechen. Das ist auch eine unserer Stärken: Die meisten sitzen passiv beim Stand und warten auf Kundschaft. Dabei muss man selbst auf die Kunden zugehen. So ist es nun mal bei jedem Start-up: Man soll nicht davon ausgehen, dass plötzlich jemand aus dem Nirgendwo auf dich zukommt und dein Unternehmen am darauffolgenden Tag einen Riesenerfolg hat. Zunächst muss man die Kunden für sich gewinnen und das klappt am besten, wenn man auf sie zugeht.

Wie steht es um die Zukunft von „Luxetoys“?

DAVID Normalerweise ist das Fach „Mini-Entreprise“ ein Projekt, das nur während eines Schuljahres geführt wird, das heißt von September bis Anfang Juli. Falls das Mini-Unternehmen erfolgreich ist, besteht natürlich die Möglichkeit, es weiterzuführen. Die Zukunft von „Luxetoys“ steht allerdings noch in den Sternen. Sollte sich unser Spiel zu einem großen Erfolg entwickeln, dann werden wir unser Unternehmen natürlich weiterführen. Zu diesem Thema haben wir uns allerdings noch keine Gedanken gemacht.

Was genau müsste passieren, damit ihr es weiterführt?

DAVID Ich denke, dafür müsste unser Spiel ausverkauft werden.

DAMIR Noch wichtiger ist, wie es ausverkauft wird. Wenn das Ministerium 500 Spiele kaufen würde, um sie in Schulklassen zu verteilen, dann wäre dies ein größerer Erfolg als wenn beispielsweise 900 einzelne Personen oder Familien unser Spiel kaufen würden. Natürlich legen wir auch viel Wert auf positives Feedback, insbesondere von Kindern. Dass unser Spiel etwas bewirkt, ist uns besonders wichtig.


Mehr Informationen unter
www.luxetoys.weebly.com