LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Kino: „The Personal History of David Copperfield“ nach dem Roman von Charles Dickens

Zwischen 1849 und 1850 schrieb der englische Schriftsteller Charles Dickens seinen Roman-Klassiker „David Copperfield or The Personal History, Adventures, Experience and Observation of David Copperfield the Younger of Blunderstone Rookery (Which He Never Meant to Publish on Any Account)“ als Fortsetzungsgeschichte. Erst 1850 erschien die autobiografisch geprägte Geschichte als Buch. Dickens‘ Erzählung wurde fürs Theater adaptiert, als Hörspiel und fürs Kino, wo die bedeutendste Verfilmung 1935 von George Cukor realisiert wurde, dies mit dem Komiker W.C. Fields als Wilkins Micawber.

2019 inszenierte der gebürtige Schotte Armando Iannucci („The Death of Stalin“) eine Neuverfilmung unter dem Titel „The Personal History of David Copperfield“, wobei er die Geschichte teils veränderte. Die Titelfigur spielt Dev Patel („Slumdog Millionaire“), der in Harrow geboren wurde, dessen Eltern aber Inder sind. Überhaupt werden viele der Figuren von nicht hundertprozentig gebürtigen Briten gespielt, wie Benedict Wong als Mr. Wickfield, dessen Vater und Mutter aus Hong Kong eingewandert sind, oder die dunkelhäutige Rosalind Eleazar, die Agnes Wickfield spielt. Somit ist Iannuccis England des 19. Jahrhundert ein multikultureller Schmelztiegel, was die Zeitlosigkeit der Geschichte unterstreicht.

Ein verrücktes Leben

Der Film beginnt in einem Theater, wo der gealterte David von seinem Leben erzählt. Alles beginnt mit seiner Geburt im Haus Blunderstone Rookery. Der junge David (Jairaj Varsani) verbringt die ersten Jahre glücklich mit seiner Mutter (Morfydd Clark) und der Haushälterin Peggotty (Daisy May Cooper). Erst als sich die Mutter in zweiter Ehe mit dem grausamen Mr. Murdstone (Darren Boyd) vermählt, wird Davids Leben zum Albtraum. Er wird zu Peggottys Bruder (Paul Whitehouse) geschickt, der in einem Schiff lebt, das mit dem Deck nach unten auf dem Strand steht. David kann sich jedoch in der lockeren Atmosphäre erholen.

Dann führt sein Weg nach London, wo er in einer Weinhandlung, die Murdstone gehört, Wein abfüllen muss. Hier logiert er beim hoch verschuldeten Mr. Micawber (Peter Capaldi) und seiner Familie. Davids Mutter stirbt und liegt schon längst unter der Erde, als sein Stiefvater es für nötig findet, ihm die Nachricht zu überbringen. Er sucht seine reiche Tante Betsey Trotwood (Tilda Swinton) auf, die zusammen mit dem ausgefallenen Mr. Dick (Hugh Laurie) lebt. Sie gibt ihm den Namen Trotwood Copperfield und finanziert ihm ein Studium in einer vergammelten Schule im Salem House. Dort freundet er sich mit Steerforth (Aneurin Barnard) an. Auch Mr. Micawber taucht auf, weil er als Lehrer engagiert wurde. In der Schule arbeiten Uriah Heep (Ben Whishaw) und seine Mutter (Lynn Hunter).

Uriah drängt sich ziemlich auf und findet später mit Davids Hilfe einen Job bei Mr. Wickfield, wo auch David arbeiten und Gefallen an Mr. Wickfields Tochter Agnes finden wird. Im Leben von David wird es noch weitere Höhen und Tiefen geben.

Filmisch interessant

Regisseur Armando Iannucci hat nicht nur ein multikulturelles Element in seine Vision von David Copperfields Leben einfließen lassen, sondern gibt seinem Film durch schnelle Schnitte, eine stets bewegliche Kamera und farbige Kostüme einen ganz speziellen originellen Touch. Der typisch britische Humor fehlt nicht. Ausschlaggebend für viele Lacher sind der stets auf der Flucht befindliche Mr. Micawber, der leicht schizophrene Mr. Dick (Hugh Laurie müsste noch als Dr. House bekannt sein), der von König Charles besessen ist, Davids erste große Liebe Dora Spenlow (auch Morfydd Clark), die wie eine Bauchrednerin ihren Hund an ihrer Stelle sprechen lässt, oder noch Tante Betsey, die aus unbekannten Gründen keine Esel auf ihrem Grundstück duldet. Somit ist diese neue Kinofassung des Roman-Klassiker des vor 150 Jahren gestorbenen Charles Dickens ein wirklich sehenswertes Werk.