LUXEMBURG
SVEN WOHL

Was macht „The Witcher“ so beliebt?

Geralt ist kein Held, wie man sie aus der typischen Fantasy-Literatur kennt. Er ist mürrisch, launisch und kämpft gegen Monster. Nicht aus Idealismus oder weil er die Welt retten möchte, sondern, weil er sein Geld damit verdient. Geralt ist nämlich ein Hexer, ein mit Mutationen ausgestatteter Söldner, der von Kindheit an trainiert wird, um Ungetüme zu jagen. Ihren Anfang nahmen seine Abenteuer in polnischen Büchern, dann wurde ihm eine bahnbrechende Videospielreihe gegönnt und im vergangenen Jahr erhielt er seine eigene Netflix-Serie. Die wurde jüngst um eine zweite Staffel verlängert. Doch was macht den Hexer so interessant?

Breite Schultern

„Geralt von Rivia ist ein Charakter der interessant und mysteriös genug ist um drei Spiele, mehrere Bücher und eine Fernsehserie zu bedienen“, erklärt Ben Bauler, der sich als Fan der Serie sieht. Er ist Mitglied der „Science Fiction and Fantasy Society Luxembourg“, einer einschlägig bekannten Facebook-Gruppe, die im direkten Zusammenhang mit der gleichnamigen Organisation steht, welche die Luxcon veranstaltet. Diese musste dieses Jahr bekanntlich eingestampft werden – Corona sei dank. Doch die Community ist und bleibt rege in den digitalen Welten.

Im digitalen Bereich ist Ben Bauler dann auch, wie viele heutige Fans, zum ersten Mal auf Geralt aufmerksam geworden. „Meine erste Begegnung mit dem Witcher war in der ersten PC-Spielumsetzung. Als begeisterter Rollenspieler und Freund von allen Arten von Monstern und legendären Geschöpfen gefiel mir das Konzept von Anfang an“, erzählte er. Dabei war er sich zunächst gar nicht einmal bewusst, dass die Spielereihe auf einer Romanvorlage basiert. Tatsächlich waren es die Videospiele, die zur internationalen Beliebtheit der Vorlage führten. Während die erste Videospielumsetzung 2007 erschien, war die erste Kurzgeschichtensammlung rund um Geralt 1991 in Polen erschienen. Die deutsche Übersetzung erschien im gleichen Jahr wie die Videospielumsetzung.

Untypische Fantasy

Das späte Erscheinen der Vorlage schränkt die heutige Begeisterung rund um diese frische und teils satirisch angehauchte Fantasy-Welt Sapkowskis kaum ein. Seine Fantasy wirkt schmutziger, bodenständiger, derber und lustiger als zahlreiche Vertreter der beliebten britischen oder amerikanischen Zunft an. Es verwundert also kaum, dass Netflix sich die Rechte an dem Stoff unter den Nagel riss, um diesen umzusetzen. Ein besseres Gegengewicht zu „Game of Thrones“, das in vielerlei Hinsicht typische Stereotypen der Fantasy umschifft, und „Herr der Ringe“, das die Stereotypen aus der Taufe hob, könnte man sich kaum vorstellen: Die Geralt-Saga bricht mit den Stereotypen und Konventionen, wo sie nur kann. Sind Elfen bei Tolkien hochkultivierte Wesen, die in ihrer Naturverbundenheit und Magiekenntnissen weit über den Menschen stehen, so sind sie bei Sapkowski vertriebene Bürger zweiter Klasse, gegen die konstant diskriminiert wird. Hexer, wie die Hauptfigur Geralt, sind bezahlte Monsterjäger und stehen somit abseits von bewaffneten Konflikten der Armeen, die im Verlauf der Handlung aufeinanderprallen.

Bei so vielen Umsetzungen stellt sich natürlich gleich die Frage, wo man überhaupt anfangen soll. Für Ben Bauler ist klar: „Ich denke da kommt es auf die Vorlieben an. Ein Bücherwurm sollte sich schon am besten das erste Buch vornehmen, ein Gamer sollte sich den ersten Witcher Teil zur Brust nehmen und ein Serienjunkie kommt wohl nicht an der Netflix Serie vorbei.“ Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei.