LUXEMBURG
MARCO MENG

CFL meldet Fahrgastrekord - aber Frachttochter hat Startschwierigkeiten

Mehr Fahrgäste, aber weniger Gewinn, das vermeldete gestern die CFL auf ihrer Bilanzpressekonferenz. Der leichte Rückgang beim Ergebnis von 13,5 Millionen Euro im Jahr 2016 auf zehn Millionen Euro im vergangenen Jahr rührt laut CFL-Verwaltungsratspräsident Jeannot Waringo vor allem von den hohen Investitionen und dem Frachtgeschäft, genauer gesagt der Tochter CFL Multimodal und dem Multimodal-Bahnhof in Bettemburg. Hier ist das Geschäft noch nicht richtig in Fahrt gekommen.

Mit 882,3 Millionen Euro im Jahr 2017 ist der Umsatz der CFL-Gruppe um 3,5 Prozent leicht rückläufig im Vergleich zum Vorjahr mit 913,9 Millionen Euro, das allerdings auch ein Rekordjahr gewesen war. Insgesamt hat sich der Umsatz bei der CFL seit 2008 um 53 Prozent erhöht.

Im Bereich der beförderten Passagiere wurde ein neuer Rekord erreicht: 22,9 Millionen Menschen wurden von der CFL transportiert, was einer Steigerung von rund zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das sei auch den neuen Haltestellen Howald und Pfaffenthal-Kirchberg zu verdanken, zudem wurden drei Querlinien in Betrieb genommen. Mehr Fahrgäste entspricht auch dem positiven Trend, den die CFL registriert, denn die Zahl der Fahrgäste legt seit 2007 durchschnittlich um vier Prozent pro Jahr zu. „Siebzig Prozent mehr in 15 Jahren ist ein bemerkenswertes Ergebnis“, sagte CFL-Geschäftsführer Marc Wengler.

Insgesamt war das Jahr 2017 für die CFL ein ereignisreiches, dessen Anfang von einem tragischen Zugunglück geprägt war, bei dem ein CFL-Mitarbeiter sein Leben verlor. Ein Personenzug der luxemburgischen CFL und ein französischer Güterzug waren auf der Strecke zwischen Bettemburg und Düdelingen miteinander kollidiert. Die Züge waren nicht mit dem ETCS-Zugssicherungssystem(„European Train Control System“) ausgerüstet.

Sicherheit stehe darum ganz oben auf der Strategie des Unternehmens, betonte gestern die CFL-Geschäftsführung. Waren 2016 noch rund 53 Prozent der Züge mit dem Sicherheitssystem ETCS ausgerüstet, wurde letztes Jahr auf 100 Prozent ausgebaut. Die Strategie des Unternehmens basiere weiter auf den auf den fünf Säulen der Sicherheit, Qualität, Know-how, Innovation und Leistung, so die CFL.

Der Pünktlichkeitsindikator für den Personenverkehr lag 2017 bei 89,6 Prozent. Hier wie bei der Kundenkommunikation wolle man sich freilich weiter verbessern, wozu auch kostenloses Wifi auf immer mehr Bahnhöfen zählt. Möglich, dass auch irgendwann in den Zügen kostenloses Internet angeboten wird, entsprechende Tests laufen. Um das Angebot auszubauen, hat die CFL, deren Aktionäre der luxemburgische (94 Prozent), belgische (vier Prozent) und französische (zwei Prozent) Staat sind, letztes Jahr die Tochtergesellschaft CFL Mobility, gegründet. Das Carsharing-Unternehmen verfügt über 84 Autos an 20 Stationen.

Hohe Investitionen

Im Jahr 2017 hat die CFL Group Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro getätigt im Vergleich zu 74,4 Millionen Euro im Jahr 2016. Vor allem wurden neue Triebwagen und Waggons bestellt - auch dieses Jahr würden welche geordert, sagte der CFL-Chef Wengler. In den letzten zehn Jahren hat die CFL rund 2,16 Milliarden Euro für Investitionen aufgewendet; in den kommenden zehn Jahren sollen es 3,89 Milliarden sein. Neben der Erweiterung des Hauptstadtbahnhofs, der um drei Gleise ausgebaut wird, stehen 2018 - 2027 die Modernisierung von 23 Bahnhöfen und Haltestellen an, zudem werden zehn Parkplätze gebaut.

Multimodal-Hub mit Anlaufschwierigkeiten

Ein großes Projekt im vergangenen Jahr war die bereits erwähnte Infrastruktur im intermodalen Terminal in Bettemburg („Eurohub Sud“) sowie das dortige Zentrallager, das dort fertiggestellt wurde, nachdem vorher fünf verschiedene Lager an fünf verschiedenen Standorten unterhalten worden waren.

Die CFL Cargo Group machte zwar einen Umsatz von 180,7 Millionen Euro, 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr, und erwirtschaftete damit einen Nettogewinn von 3,3 Millionen Euro. Bei der Sparte Multimodal (Kombination von Schiene/Straße) sanken die Einnahmen allerdings, so dass am Ende ein Minus von 13,9 Millionen Euro unterm Strich stand (nach einem Verlust von 9,9 Millionen Euro im Vorjahr). Streiks und Streckensperrungen im Ausland hätten ebenso dazu beigetragen wie die hohen Aufwendungen für das Terminal-Projekt „Eurohub Sud“. In den nächsten drei bis vier Jahren sollte das Ergebnis aber auch in dieser Sparte ausgeglichen und die nötige Produktivität erreicht sein, so die CFL-Geschäftsführung. Wann im Terminal Bettemburg Züge aus China anrollen, steht indes noch nicht fest. Knackpunkt ist hier, dass Volumen in beide Richtungen transportiert werden müssten, sonst lohne das Vorhaben nicht. Der Gesamtumsatz im Frachtgeschäft belief sich im letzten Jahr auf 234,4 Millionen Euro.