LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Virtuelle Touren durch Kulturstätten statt Trübsal blasen

Es gibt einfach keinen Umweg mehr um das neuartige Coronavirus und seine Auswirkungen. Doch auch, wenn es erstmal den Anschein macht, als gäbe es nichts Schlimmeres als vielleicht noch wochenlang in den eigenen vier Wänden eingeschlossen zu sein, so sorgen immer mehr kulturelle Institutionen aus dem In- und Ausland dafür, den Menschen ohne Sozialkontakte oder in Quarantäne, eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten – und immer mehr schließen sich dieser Bewegung an. Denn auch Luxemburg sorgt sich nicht nur um die physische sondern auch um die geistige und kulturelle Verpflegung seiner Einwohner. Niemand möchte zuhause vereinsamen, und nach einer gewissen Zeit hat man wahrscheinlich auch jegliche Streaming-Dienste fast schon leer geschaut.

Seit einiger Zeit – das Angebot gab es natürlich bereits vor dem Coronavirus – bieten Museen virtuelle Besichtigungstouren an, bei denen man ganz einfach per Mausklick über den eigenen PC-Bildschirm durchs Museum spazieren kann – derselbe Inhalt, nur ohne Ansteckungsgefahr und bequem von der Couch aus. Wer über eine VR-Brille verfügt kann gleich doppelt profitieren, denn die glücklichen Besitzer haben nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung, sondern fühlen sich auch noch, als stünden sie inmitten der eigentlichen Räumlichkeiten – eine Erfahrung, die wir leider noch nicht machen konnten. Dennoch ließen wir uns die Gelegenheit nicht nehmen, um auch einmal auf Online-Visite zu gehen, das im Nationalmuseum für Geschichte und Kunst (MNHA), im „natur musée“ (MNHN), im Musée Dräi Eechelen (M3E) und in den Kasematten Niedergrünewald-Olizy, die auf den Zug vieler internationaler renommierter Kulturstätten aufspringen, indem sie die Führung per Internet zulassen.

Ein bisschen Geduld muss sein

„Hilfe ich hänge hier in einer Ecke fest und komme nicht mehr raus“ – ein Szenario, das vorkommen kann, aber nicht muss. Die von uns virtuell besichtigten Museen zeichnen Kreise auf dem Boden auf, auf die man zur Fortbewegung klicken kann. Wer willkürlich herumklickt kann durchaus in einem anderen Raum landen als geplant. Das ist aber alles nur halb so wild, denn raus kommt man trotzdem noch und weniger interessant ist der andere Saal auch nicht. Dafür, dass es diese Technologie erstmals in luxemburgischen Museen gibt, ist sie wirklich beeindruckend – vor allem, wenn man schon einmal in den jeweiligen Gebäuden war und sieht, dass es tatsächlich DAS Gebäude ist und nicht nur eine fürs Internet kreierte, billige Imitation. Im Prinzip ist es wie Google Maps, nur als Museum. Aber einfach kurz durchlaufen, klappt dann doch nicht.

Genauso wie für einen physischen Museumsbesuch, sollten auch virtuelle Interessenten die nötige Zeit einplanen. Klar, hier kann zwischendurch eine Pause eingelegt werden, oder der kulturelle Trip kann sorgfältig auf die kommenden Tage in Isolation aufgeteilt werden, aber dennoch sollte nicht unterschätzt werden, dass eine gründliche Besichtigung Zeit in Anspruch nimmt – auch im Web. Empfehlenswert ist es hier für alle, die mit dem Laptop auf Reisen sind, möglichst eine Computer-Maus zu benutzen, denn ohne landet man nicht immer dort, wo man eigentlich hin wollte.

Insgesamt gilt allerdings: Es ist einen Besuch auf jeden Fall wert. Vor allem Leute, die sich schon immer vorgenommen haben, die nationalen kulturellen Institutionen zu besuchen, können dem Ganzen nun bequem im Liegen eine erste Chance geben – und wenn die ganze Viruskrise bis überstanden ist, können dann bei einer Live-Tour gleich Vergleiche gezogen werden.

Auch nach der Krise empfehlenswert

Natürlich ist mit dem virtuellen Besuch ein lehrreicher und unterhaltsamer Zeitvertreib geboten, allerdings wurde die Idee schon davor ausgearbeitet und richtet sich demnach auch nach der aktuellen Ausnahmesituation an eine große Anzahl von Menschen. Ursprünglich richtete sich das Projekt an Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Leute, die sich ein Bild des großherzoglichen kulturellen Reichtum machen wollen, ohne zwingend anzureisen, sowie an Personen, die ihren richtigen Besuch im Vorfeld genauestens durchplanen wollen. Eine Strategie, die durchaus nachzuempfinden ist, wenn man erst einmal den Gang durch das Online-Museum gemacht hat.

Die Reise hat für uns ohne konkrete Vorstellung begonnen und führte in eine überaus übersichtliche digitale Umsetzung sämtlicher Räumlichkeiten, sowohl in den Museen als auch in den Kasematten. Vor allem die 3D-Pläne verschaffen einen äußerst guten Überblick und helfen bei der Orientierung, sodass künftige Besucher sich ihre Favoriten, liebsten Räume und Hauptattraktionen aufschreiben oder merken können. Ein Austausch über beide Erfahrungen wäre wahrscheinlich durchaus interessant, weil es, obwohl es sich um dieselben Orte handelt, eine dennoch andere Erfahrung ist. Beim wahrhaften Museumsbesuch läuft der Durchschnittsbürger in der Regel einmal durch die Ausstellung durch – beim Eingang geht es los, beim Ausgang wird sich verabschiedet und die Visite ist vorbei. Online kann eine solche Prozedur durchaus anders ablaufen, zumal der Besucher selbst entscheidet, wo für ihn oder sie die Erfahrung anfängt und wieder aufhört. Ein kurzer Blick auf die 3D-Abbildung und mit einem Klick befinden wir uns, wo auch immer wir gerade wollen. Mal eben das Stockwerk wechseln? Kein Problem! Mit einem Klick springen wir zwei Stockwerke höher – und das ohne jegliche körperliche Anstrengung.

Zu den virtuellen Touren: www.mnha.lu, www.mnhn.lu, www.m3e.public.lu