BIELEFELD
CHRISTIAN SPIELMANN

Deutsche Fassung von „The Drowsy Chaperone“ in Bielefeld

Selten sieht man ein Musical, das so ungewöhnlich ist wie „The Drowsy Chaperone“, das in der deutschen Übersetzung von Roman Hinze im Theater in Bielefeld gespielt wird. Aus dem Originaltitel, der übersetzt „die beschwipste Anstandsdame“ heißt, wurde „Hochzeit mit Hindernissen“. Die Musik und Texte schrieben Lisa Lambert und Greg Morrison und das Buch Bob Martin und Don McKellar. Das Musical wurde 1998 in Kanada uraufgeführt und 2006 am Broadway. Es gewann fünf Tony Awards, unter anderem für das Buch und die Musik.

Hommage an die 1920er Jahre

Auf der unbeleuchteten Bühne ruft ein Mann (Nito Torres): „Ich hasse Theater!“ Dann erklärt er, dass ein Musical unterhalten muss. Als Beispiel legt er die Originalaufnahme des Musicals „The Drowsy Chaperone“ aus dem Jahr 1928 auf seinen Plattenspieler auf. Und schon taucht Mrs Tottendale (Melanie Kreuter) aus dem Bühnenboden auf sowie aus einem Kühlschrank ihr Butler Underling (Lutz Laible). Die Vorbereitungen für die Hochzeit von Robert (Gero Wendorff) und Janet (Maja Sikora) laufen auf Hochtouren. Trauzeuge George (Jens Janke) soll dafür sorgen, dass Robert die Braut nicht zu Gesicht bekommt, da dies Unglück bedeutet.

Die Anstandsdame (Kerstin Marie Mäkelburg) passt währenddessen auf Janet auf, nur hat sie einen Hang zum Alkohol - und das während der Prohibition. Der Showproduzent Feldzieg (Carlos H. Rivas) ist nicht begeistert von der Hochzeit, da Janet der Star seiner Variété-Shows ist, respektive war, da sie gedenkt, ihre Karriere an den Nagel zu hängen. Kitty (Michaela Duhme) bietet sich als Ersatz an, aber ihr fehlt das gewisse Etwas. Zwei als Zuckerbäcker getarnte Ganoven (Tobias Berroth und Arne David) wollen die Hochzeit ebenfalls verhindern, da auch ihr Boss sonst Geld mit der Finanzierung der Shows verlieren würde. Schlussendlich sind noch der italienische Charmeur Adolpho (Andreas Wolfram) und die Pilotin Trix (Roberta Valentini) in die Geschichte verwickelt.

Hindernisparcours

Ständig stoppt der Mann die Musik auf dem Plattenteller, gibt Erklärungen zum Verlauf der Show, stellt die Schauspieler und Schauspielerinnen vor, schwärmt von der Musik, tanzt und singt mal mit.

Diese gewollten Unterbrechungen prägen das Musical mit ungewöhnlichem Humor. Dazu frieren die Akteure in ihren Posen ein, singen auch mal rückwärts, wenn die Platte zurückgedreht wird, oder sie können wegen eines Stromausfalls nicht weitermachen.

Bewundernswert ist die Arbeit von Regisseur Thomas Winter, der die ganze Truppe auf diesen Spaß einstellen konnte. Die Show ist ganz nach dem Muster der Stummfilme gehalten, wo die Darsteller mit imposanter und oft naiver Gestik agieren.

Dann trumpft das Ensemble mit flotten Stepptanznummern zu recht melodiösen Songs auf, und spielt stets mit voller Begeisterung und Perfektion diese verrückte Geschichte. Das Musical ist zudem eine wunderbare Hommage an das Genre und seine Macher, auf der Bühne wie im Film: Feldzieg ist die umgekehrte Schreibweise des Namens des legendären Theaterproduzenten Florenz Ziegfeld Jr., dann beginnt der zweite Akt mit einer Art Parodie auf „The King and I“, weil die Putzfrau die Platten beim Räumen in die falschen Cover gelegt hat, und Adolpho erinnert natürlich an Rudolph Valentino, der Frauenschwarm schlechthin aus der Stummfilmära.

Am Ende steht fest: Diese Show unterhält auf eine absolut unkonventionelle, aber umso wunderbar originelle Art und Weise, und muss den Weg nach Bielefeld wert sein.


Weitere Informationen unter

www.theater-bielefeld.de