LUXEMBURG
GERHARD KLUTH

Mischa Maisky gastiert bei den SEL

Irgendwie kann man die Menschen verstehen, die behaupten, das Violoncello sei klanglich das schönste Instrument, das es gibt. Egal ob solistisch oder als Teil des Orchesters. Beim Konzertabend der Solistes Européens Luxembourg (SEL) unter der Leitung von Chefdirigent Christoph König konnte man erleben, was zu solch einer Ansicht führt. Singende Celli etwa in Richard Wagners „Siegfried-Idyll“, deren Timbre sich zwischen den hohen Lagen von Violinen und Bratschen und dem Fundament der Kontrabässe zu einer wundervollen Schönheit entfalten konnte.

Musikalisches Geburtstagsgeschenk

Wagner machte mit seinem Opus 103 seiner Frau Cosima ein Geburtstagsgeschenk und so, wie es im Grand Auditorium der Luxemburger Philharmonie erklang, erschien es wie ein pracht- und liebevoll gebundener Blumenstrauß, bei dem die Farbe der Celli zwar nur eine unter vielen war, dem Ganzen aber doch das Besondere verlieh.

Unter Königs Führung wurde das Konzert, bei dem auch noch Werke von Albert Roussel, Gioachino Rossini und Peter Tschaikowsky auf dem Programm standen, zu einer würdevollen Verbeugung vor Wagner, dessen 200. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert.

Faszinierende Aufführung

Aber das Cello sollte sich auch als Soloinstrument in all seiner Pracht, in seinem Klangreichtum entfalten können. Dazu hatte König einen Solisten eingeladen, der dieses Instrument wie kaum ein anderer derzeit beherrscht. Mischa Maisky war auf den Kirchberg gekommen und hatte das Cellokonzert Es-Dur von Dmitri Schostakowitsch in seinem Reisegepäck. Man kann sich kaum einen besseren Interpreten für dieses Opus 107 vorstellen und wünschen, als den in Brüssel lebenden Letten. Schließlich widmete Schostakowitsch dieses Werk Maiskys Lehrer Mstislaw Rostropowitsch, der es auch 1959 in Leningrad aus der Taufe hob.

Man konnte sich nicht sicher sein, welcher Aspekt dieser Aufführung mehr faszinierte. War es die technische Brillanz, mir der Maisky die teilweise gewaltigen Hürden meisterte. Scheinbar ohne jede Anstrengung entlockte er im Finalsatz seinem Montagnana-Cello aus Venedig die höchsten Töne des Flageolett und machte damit den Violinen Konkurrenz. Oder war es die musikalische Tiefe, in die Maisky hier abtauchte, sich im Notentext erging und mit seiner Gestik auch die SEL anfeuerte.

Wer Maisky genau beobachten konnte, sah, dass er mit der Musik und seinem Instrument eine Einheit bildete. Er war im besten Sinne des Wortes „begeistert“. Und die SEL? Sie ließen sich anstecken, waren das tragende Element, auf dem sich der Solist entfalten konnte. Am Ende konnte man sicher sein: so und nicht anders muss dieses Konzert klingen.