Ada Chele unterrichtet an der „Musikschoul Käerjeng“ Notenlehre und leitet den Kinderchor. In Rumänien studierte die junge Frau Musik an der Universität von Timisoara, um nachher ihr Wissen weiterzugeben. Für sie stand schon in Kinderjahren fest, dass Musik ihr Leben sein würde. Im „Journal“-Interview erzählt die Künstlerin, warum sie ihren Beruf so liebt.
Warum hast Du Musik studiert?
Ada Chele Mein Vater war Schauspieler, Poet, Künstler und meine Mutter Lehrerin. Ihre Einflüsse haben mich geprägt, besonders die Gabe meiner Mutter, jemandem etwas beizubringen. Schon als Kind machte ich bei verschiedenen Musikwettbewerben mit. Mir war sofort klar, dass ich meinen Beruf mit dem, was ich am besten kann, verbinden müsste. Neben den Studien an der Uni nahm ich auch noch Gesangsunterricht. Die Geige war meine erste Liebe. Durch sie habe ich die Notenlehre erst richtig verstanden und damit in mein Leben gefunden.
Was kann die Musik dem Menschen beibringen?
Chele Seit jeher ist Musik wichtig für die Menschheit. Das Musizieren liegt in unserem Blut und begleitet unsere ganze Entstehungsgeschichte. Kein anderes Medium ermöglicht es dem Menschen besser, sich auszudrücken als die Musik. Es gibt viele Möglichkeiten, Musik zu erleben: Man kann musizieren, singen, tanzen oder sie einfach nur anhören.
Hat jeder Mensch das Talent zum Musikmachen?
Chele Nicht jeder Mensch hat sofort das Feingefühl herauszufinden, ob er das Talent hat, ein Instrument zu erlernen: Meistens muss der Mensch einige musikalische Stadien durchleben, um sein Musik-Talent zu finden. Aber jeder Mensch hat die Fähigkeit zu musizieren. Dies liegt in unseren Genen.
Warum ist die Notenlehre Deiner Meinung nach so wichtig?
Chele Sie ist meiner Meinung nach unumgänglich. Die Noten sind eine Wissenschaft, ohne die weitere musikalische Fortschritte nicht möglich sind. Ohne Noten können wir die Musik nicht weitergeben, mit den Noten kann man etwas hinterlassen.
Was fasziniert Dich an Deinem Beruf?
Chele Da die Notenlehre an sich ein sehr trockenes und abstraktes Thema darstellt, versuche ich sie aufzulockern, vor allem mit attraktiven, farbigen und spaßigen Aktivitäten. Musiklehrerin ist mein Traumberuf. Die Kinder geben mir so viel positive Energie. Durch meine Arbeit wachse ich jeden Tag als Mensch.
Was nervt Dich manchmal?
Chele Es sind die zwischenmenschlichen Probleme, die sozialen Situationen, die mir den Unterricht erschweren. Ich würde gerne mit jedem Kind individuell arbeiten.
Das ist aber leider durch Zeitmangel nicht immer möglich. In Luxemburg ist das Niveau der Notenlehre sehr hoch. Manche Eltern glauben darum manchmal, dass ihr Kind kein Talent besitzt. Doch das stimmt nicht, jedes Kind besitzt die Fähigkeit, Musik zu erlernen.
Welche Kurse muss man belegen, um Musiklehrerin zu werden?
Chele Da ich das rumänische System kannte und nicht das luxemburgische, habe ich Kurse am hauptstädtischen Konservatorium genommen: Solfège Supérieur, Méthodologie du Solfège, Klavier, Gesang und Harmonie. In der Praxis merkt man dann, dass die Theorie nicht reicht und dass das Talent, mit Kindern umzugehen, genauso wichtig ist.
Mehr dazu im Weekend-Dossier Seiten 25-27


