LUXEMBURGSOPHIA SCHÜLKE

Radio-DJ, Musiker und Kritiker: Josh Island stellt mit „One“ seine erste EP vor

Josh Island will die Musik von allen Seiten kennenlernen. Daher ist er nicht nur ein Musiker, der auf der Bühne steht und schon Konzerte etwa für Mighty Oaks, Charlie Cunningham oder Alex Vargas öffnete, sondern auch einer, der Wohnzimmerkonzerte gibt. Schon während der Schulzeit machte er Radio und schrieb Kritiken über die Konzerte anderer Musiker. Nun hat der 20-Jährige, der singt und akustische Gitarre spielt, seine erst EP fertig. Die Platte spiegelt seine unterschiedlichen Erfahrung wieder, die er durch diese vielseitigen Begegnungen mit Rock, Pop, Folk, Soul oder Blues gemacht hat. Der gebürtige Niederländer, der als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Luxemburg gezogen ist, hat diese Platte „on the road“ gemacht: Indem er schon als Schüler für Studioaufnahmen nach Paris pendelte.

Was gibt es auf Deinem Debüt „ONE“ zu hören?

JOSH ISLAND Das ist meine erste CD, mein erstes Baby, das ich in die Welt bringe. Und das Schöne an dieser EP ist für mich, dass alle Lieder meine Liebe für unterschiedliche musikalische Genres darstellen, mit Blues, Folk, Rock oder Pop gibt es auf der EP etwas von allem.

Die Songs stammen von dir?

JOSH Ich habe in den vergangenen Jahren alles selbst geschrieben, es heißt ja auch, die erste CD trägt man einige Jahre mit sich rum. Ich bin eigentlich ein Wohnzimmer- und Schlafzimmersongwriter, der immer allein geschrieben hat. Dann wurden diese intimen Songs ins Studio genommen und mit Musikern arrangiert. Dadurch sind sie etwas anderes geworden, aber sie alle sind im Kern noch Songs, die im Schlafzimmer entstanden sind.

Die EP ist das Ergebnis von einem dreijährigen Wochenendpendeln nach Paris. Wie muss man sich das vorstellen?

JOSH Ich war damals auf der Europaschule in Luxemburg, und nachdem ich 2016 dort den Abschluss gemacht habe, bin ich für mein Politikstudium nach Maastricht umgezogen. Während der Schule habe ich die Wochenenden verwendet, um mit der finanziellen Unterstützung meiner Eltern, wofür ich sehr dankbar bin, nach Paris zu pendeln: Samstags früh bin ich mit dem TGV hin, habe dort mit anderen Musikern im Studio gearbeitet und bin sonntagabends zurück, dann wieder Schule und nächstes Wochenende wieder hin. Es hat ein cooles Image, dass man als 17-Jähriger als Musiker kurz nach Paris düst, und es hat viel Spaß gemacht, es war aber ziemlich intensiv. Am Ende bin ich einfach nur glücklich und stolz, dass ich die Möglichkeit hatte. Die EP in diesem langen Prozess zu machen, hat mir Zeit gegeben, viel im Studio zu lernen.

Zudem hast Du während der Schule als Radio-DJ gearbeitet?

JOSH Ja, das war bei Radio Ara. Ich fand es schon während meiner Schulzeit super interessant, ein bisschen auf beiden Seiten der Musik zu stehen, der Musiker, der am Wochenende Konzerte spielt und während der Woche Konzertrezensionen schreibt und alle zwei Wochen auch eine Radioshow hat. Ich habe nicht nur gelernt, wie man Musik macht, sondern auch, was von einem Musiker erwartet wird. Ich habe gesehen, was mir als Zuschauer bei Bands gefällt und was nicht, das hat mir als Musiker sehr geholfen.

In Maastricht gibt Du auch Wohnzimmerkonzerte. Wie bist Du auf die Idee gekommen?

JOSH Mir fehlt während Konzerten manchmal die Intimität mit dem Publikum, und ich dachte mir, mit solchen Konzerten lerne ich das Publikum besser kennen. Also habe ich einfach einen Post in die Maastrichter Facebookgruppe „Sharing is Caring“, darin sind fast nur Einwohner, mit einem Konzertangebot gestellt und viele Reaktionen bekommen. Ich war in riesigen Herrenhäusern und in vier Quadratmeter Studentenküchen, mal waren es zehn Zuhörer, mal 50. Es war unglaublich, dass man so viele neue Menschen kennenlernt, man ist hautnah dabei, das ist eine komplett andere Erfahrung als auf der Bühne.

Wie waren die Reaktionen? Hast Du nur eigene Songs oder auch Cover gespielt?

JOSH Cover gehören auch dazu, einmal habe ich nur eigene Lieder gespielt, da kam am Ende der Kommentar, ob ich nicht auch mal einen Coversong spielen könne, damit die Leute mitsingen können. Ein Wohnzimmerkonzert ist ja nicht unbedingt eine Party, sondern eine intime Session, aber es gab auch Situationen, in denen die Leute bei ruhigen Balladen mitklatschen oder den Refrain mitsingen konnten, das war völlig unerwartet. Es ist immer gut, wenn man ein Lied schreibt und es ein paar Stellen hat, die im Ohr bleiben. Da lerne ich auch, wie schnell sollte ich zum Refrain kommen oder wann ist es ein zu langes Lied, oder wie man ein Publikum engagiert.

Wie oft gibst Du diese Konzerte?

JOSH Zeitweise waren es ein paar pro Woche, jetzt ein oder zwei pro Monat, es wäre vielleicht auch ein Projekt für Luxemburg-Stadt, aber die Idee war auch, dass ich neu in Maastricht war und mich als Musiker dort ausbreiten und schnell Menschen kennenlernen wollte.

Bist Du auch mal wieder in Luxemburg zu hören?

JOSH Ich habe am 7. April einen großen Termin in der Rotondes, bei dem ich mit Band spiele. Normalerweise bin ich ja als Solokünstler unterwegs, aber mit Band gibt es mehr Kick und Energie. Das sind Freunde aus der lokalen Szene, das ist das Schöne an Luxemburg, weil alles sehr kompakt ist, ist man schnell zu neunt, wenn man andere Musiker braucht. Wir haben tolle Instrumente dabei, mit Schlagzeug, Bass und Piano die normale Rhythmussektion, auch elektrische Gitarre, einige Bläser und elektrische Geige, ich singe und spiele akustische Gitarre.